Pisa-Studie
Lehrerpräsidentin Abbassi: «Wir werden bei Pisa weiter abrutschen»

Schlecht qualifizierte Lehrpersonen und fürs Klassen-Coaching zweckentfremdete Deutsch- und Mathestunden: Dies sind für Elisabeth Abbassi die Hauptgründe für die schlechten Pisa-Resultate.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Elisabeth Abbassi Präsidentin Aargauischer Lehrerverband: «Sparmassnahmen im Bildungsbereich werden die Situation verschärfen.»

Elisabeth Abbassi Präsidentin Aargauischer Lehrerverband: «Sparmassnahmen im Bildungsbereich werden die Situation verschärfen.»

AZ-Archiv

Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerverbandes (alv), hat Erklärungen für das schlechte Abschneiden der Aargauer Schüler in Lesen und Mathematik. «In der Real und Sek gibt es keine Coachingstunden, wo die Lehrpersonen Probleme innerhalb der Klasse angehen können.» Diese gebe es aber regelmässig, und um sie zu lösen, seien die Lehrpersonen gezwungen, Zeit in «normalen» Schulstunden einzusetzen. «Dies wird in der Praxis meist im Deutsch- oder Mathematikunterricht gemacht, weil in diesen Fächern die meisten Stunden zur Verfügung stehen. Das führt automatisch dazu, dass weniger Deutsch und Mathematik vermittelt werden kann, die logische Folge sind die schlechten Pisa-Resultate», sagt Abbassi.

Als zweiten Grund für die negative Tendenz nennt Abbassi die mangelhafte Ausbildung der Lehrpersonen. «Wenn ein Lehrer angestellt wird, der nicht über die nötigen Diplome verfügt, wäre es erstaunlich, wenn die Unterrichtsqualität nicht sinken würde.» Die alv-Präsidentin gibt zu bedenken, die Auswahl der Schulleitungen bei der Anstellung von Lehrpersonen sei manchmal derart klein, dass auch schlecht ausgebildete Bewerber eine Stelle erhielten, um Lücken zu schliessen.

Bildungssparen: «Falsches Zeichen»

Für die Zukunft sieht Elisabeth Abbassi schlechte Perspektiven. «Die Sparmassnahmen im Bildungsbereich werden die Situation verschärfen, der Aargau wird in der Pisa-Rangliste nach hinten rutschen.» Kürzungen bei der Bildung seien ein falsches Zeichen, so werde der Lehrerberuf unattraktiver und die Motivation, eine entsprechende Ausbildung anzufangen, kleiner.

SP-Grossrat Thomas Leitch, Präsident der Kommission Bildung, Kultur und Sport, findet die Resultate alarmierend. «25 Prozent der Schüler und 10 Prozent der Schülerinnen zählen zur Risikogruppe, die nicht in der Lage ist, Leseaufgaben zu bewältigen, die sich im Alltag und in der Ausbildung stellen – das ist bedenklich.»

Die Regierung sollte daher auf den beabsichtigten Abbau bei Deutsch als Zweitsprache am Kindergarten und in der Einschulungsklasse verzichten, fordert Leitch. Genau in diesem Bereich brauche es mehr und nicht weniger Förderung. Er hält weiter fest: «Auch die Reduktion des Weiterbildungsangebots für Lehrpersonen steht völlig quer – es braucht definitiv mehr, nicht weniger Weiterbildung.»