Corona-Massnahmen

Lehrerpräsidentin Abbassi ruft Eltern auf: «Kinder nicht allein zu Hause lassen»

Elisabeth Abbassi ist Präsidentin des Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Elisabeth Abbassi ist Präsidentin des Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Elisabeth Abbassi ruft Eltern auf, Kinder in die Schule zu schicken, statt sie von Grosseltern betreuen oder vor dem Fernseher sitzen zu lassen.

Für die Aargauer Schülerinnen und Schüler ist der Entscheid des Bundesrats, dass bis 4. April kein Unterricht stattfindet, fast wie Sommerferien im Frühling. Weil nach dem offiziellen Ende der Schulschliessung die regulären Frühlingsferien anstehen, haben die Kinder und Jugendlichen in Kindergärten, Primarschule und Oberstufe ganze fünf Wochen lang schulfrei.

Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, hat auch erst am Freitagnachmittag von den Schulschliessungen erfahren. Gemäss den Weisungen des kantonalen Bildungsdepartements wird der Unterricht an sämtlichen Schulen eingestellt, die Betreuung der Schülerinnen und Schüler muss aber gewährleistet sein. Ob sie ihre Kinder ab Montag weiterhin in die Schule schicken, entscheiden die Eltern. Elisabeth Abbassi ruft sie auf, nach vernünftigen Kriterien zu entscheiden. «Wenn ein Kind krank ist, sollte es zwingend zu Hause bleiben», sagt die Lehrerverbandspräsidentin.

Wenn die Betreuung durch einen Elternteil oder Nachbarn möglich sei, sollten die Kinder in den nächsten Wochen ebenfalls nicht zur Schule kommen. «Bevor sie für die Betreuung auf Grosseltern zurückgreifen, die besonders gefährdet sind durch das Virus, oder die Kinder allein zu Hause wären und stundenlang vor dem Fernseher sitzen oder am PC gamen, ist es sicher besser, sie in die Schule zu schicken», betont Abbassi.

Lesen und Rechnen statt normaler Unterricht

In den Schulen würden die Kinder dann zu den üblichen Blockzeiten von 8 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr betreut. «Wir werden natürlich nicht den normalen Unterricht weiterführen, sondern mit den Schülerinnen und Schülern viel Grundlagenarbeit wie Lesen und Rechnen machen», sagt Abbassi. Dies sei auch zu Hause möglich und aus ihrer Sicht sehr sinnvoll, hält die Lehrerverbandspräsidentin fest. «Natürlich verpassen die Kinder und Jugendlichen einen gewissen Teil des geplanten Schulstoffs, unter anderem auch die Checks S2 und S3, doch wenn die Schulschliessungen nicht länger dauern, lässt sich das verkraften», findet sie.

Den vorgesehenen Stoff online zu Hause zu lernen, wie dies von Kantonsschülern und Uni-Stundenten gemacht wird, ist aus ihrer Sicht für Primar- und Oberstufe nicht möglich. «Einerseits kann man nicht erwarten, dass alle Kinder und Jugendlichen einen Computer zu Hause haben, andererseits sind auch die Schulen auf diesen Stufen nicht auf solche Angebote vorbereitet.» Zudem hätten die jüngeren Schüler oft noch gar keine Mailadresse, was für viele Online-Lernangebote aber eine Voraussetzung sei.

Die aktuelle Situation sei für Eltern, Lehrpersonen und Schüler schwierig, sagt Abbassi. Sie hoffe sehr, dass der Schulbetrieb Ende April wieder aufgenommen werden kann. «Es wird Zeit brauchen, bis sich die Situation eingespielt hat, auch für die Schulen ist dies völlig neu, deshalb hoffe ich auf das Verständnis und die Geduld der Eltern.»

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