Volksschule
Lehrermangel hat sich im Jahr 2012 etwas entschärft

Die Schulleiter im Aargau haben dieses Jahr kaum einen Grund, Alarm zu schlagen: Momentan gibt es 20 Prozent weniger unbesetzte Lehrerstellen als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Die Massnahmen, die der Kanton ergriffen hat, haben gefruchtet.

Fabian Muster
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Die Ausnahme: Kindergärtnerinnen zu finden, ist dieses Jahr schwieriger als 2011

Die Ausnahme: Kindergärtnerinnen zu finden, ist dieses Jahr schwieriger als 2011

Andreas Maurer/az-Archiv

In den letzten Jahren schlugen die Schulleiter in schöner Regelmässigkeit gegen Ende des Schuljahres Alarm, es herrsche akuter Lehrermangel. Auch dieses Jahr kam der Weckruf auf nationaler Ebene prompt: 40 Prozent der offenen Stellen seien unbesetzt, hiess es Anfang Juni in der «SonntagsZeitung».

Der Aargau widersetzt sich aber für einmal dem schweizweiten Trend: Gestern waren im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent weniger Vollzeitstellen ausgeschrieben. Wurden im vergangenen Jahr noch knapp 69 Vollpensen gesucht, waren es gestern nur 56.

Erfreulicher Trend

Diesen erfreulichen Trend bestätigt eine az-Umfrage bei den Schulleitern im Aargau. Im Internet sind zwar noch viele Stellen ausgeschrieben. Doch ruft man den entsprechenden Schulleiter an, kommt meistens der Bescheid, die Stelle sei soeben besetzt oder der Vertrag unterwegs zum Bewerber.

«Wir hatten keine grossen Schwierigkeiten, gute Leute zu finden», sagt Jean-Pierre Thaler aus Strengelbach stellvertretend für seine Kollegen. Damit die offenen Stellen besetzt werden können, ist allerdings eine schnelle Reaktion nötig. «Wenn möglich, rufe ich einen geeigneten Kandidaten noch an dem Tag an, an dem die Bewerbung bei uns eingetroffen ist», sagt Thaler.
Kindergärtnerinnen sind gesucht
Hat sich die Situation bei den Lehrern auf Primar- und Oberstufenniveau entschärft, so stellen die Schulleiter bei den Kindergärtnerinnen - der Beruf ist noch immer fest in Frauenhand - den gegenteiligen Trend fest. «Der Mangel hat sich verschärft», sagt Monika Jung von der Schule Menziken.

«Der Markt an Kindergärtnerinnen ist ausgetrocknet», sagt Monica Studerus von der Primarschule Baden. Eine halbjährige Stellvertretung konnte sie noch nicht besetzen. Wenn sich niemand finden lässt, müsste die bisherige Stelleninhaberin auf ihren vom Kanton bereits bewilligten Weiterbildungsurlaub verzichten. Als Alternative könnte Studerus sich auch vorstellen, das zwei Kindergärtnerinnen die Stelle teilen, weil viele nur Teilzeit arbeiten wollen oder können.

Prekäre Lage

Die Schulleiter sehen zwei Gründe für die prekäre Lage: Seit die Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule für Kindergarten und die ersten beiden Primarschulstufen gleich ist, können ausgebildete Kindergärtnerinnen auch erste und zweite Primarschulklassen übernehmen - zu einen höheren Lohn.

Zwar wurden ihre Löhne im letzten Jahr vom Grossen Rat angepasst, doch noch immer verdient eine Kindergärtnerin mehrere tausend Franken weniger pro Jahr als ein Primarschullehrer.

Sie fordern daher gleichen Lohn: Weil sie dieselbe Ausbildung durchlaufen und die Anforderungen gestiegen sind. «Die Kindergärtnerinnen sollten gleich viel oder nur minim weniger verdienen als die Primarlehrer», sagt Schulpflegepräsidentin Elisabeth Strebel aus Oberwil-Lieli. Eine engagierte Kindergärtnerin sei genauso viel wert wie ein initiativer Primarlehrer.