Mit den Massnahmen, die die Kantonsregierung wenige Tage vor Ferienbeginn vorgestellt hat, ist bereits das dritte Sparpaket in Folge eingeläutet.

Der Bezirkslehrerinnen- und Bezirkslehrerverein Aargau (BLV) wendet sich jetzt mit einem der az vorliegenden offenen Brief an die Regierung.

Er stellt darin etliche kritische Fragen an die Regierung. Es gehe insbesondere darum, so Präsident Martin Schaffner, «dass die Konkurrenzfähigkeit des Bildungskantons Aargau unter den erneuten Sparmassnahmen leiden wird».

Es könne nicht mehr von Sparen gesprochen werden, der Ausdruck «institutionalisierter Bildungsabbau» treffe den Sachverhalt besser.

Die Lehrerinnen und Lehrer fragen die Regierung: «Warum schwächen Sie die Grundlagen des Bildungssystems, das bisher die heranwachsende Generation gut auf ihren Berufsweg vorbereitet hat?»

Laut az sei zudem eine Reduktion der Stundentafel bei Primarschule und Oberstufe vorgesehen.

Dazu fragt der BLV: «Warum lassen Sie es zu, dass sich Kinder und Jugendliche mit einem Bildungsabbau abfinden müssen, wenn es dem Staat finanziell nicht gut geht?»

Weiter wollen sie wissen, warum sie für ihre Stellungnahme nur bis 19. Juli Zeit haben und die Unterlagen erst Ende Juni eintrafen, als die Schulen mit Zeugniserstellung und Vorbereitung von Jugendfesten absorbiert waren.

Kein Verständnis haben sie für die geplante Abschaffung von Dienstaltersgeschenken.

BLV-Vizepräsident Reto Hugenberg: «Ich arbeite seit 2009 an einer Bezirksschule, für die ich mich mit viel Energie und Begeisterung engagiere. Leider werde ich nie von einem Dienstaltersgeschenk als Anerkennung profitieren können.»

Das erste Mal hätte er 2023 Anrecht darauf. Bis dann soll es aber abgeschafft sein. Das sei nicht motivierend, so Hugenberg.

12 000 Fr. weniger als in Zürich

Zudem sei ihm – und nicht nur ihm - seinerzeit unter Verweis auf die geltende Lehrerlohntabelle in Aussicht gestellt worden, dass der tiefe Lohn für junge Lehrkräfte jedes Jahr steige: «Jetzt stehe ich schon vor dem dritten Jahr mit demselben Lohn.»

Es sei frustrierend, sehen zu müssen, wie junge Lehrkräfte in die Nachbarkantone Zürich und Zug abwandern. Denn dort verdiene man gut und gerne 1000 Franken mehr im Monat. Aufs Jahr macht das rasch 12 000 Franken.

Hugenberg: «Die Ausbildung einer Lehrkraft kostet den Kanton 120 000 Franken. Doch schon nach fünf Jahren unterrichten 20 Prozent von ihnen in einem anderen Kanton, 30 Prozent wechseln in die Privatwirtschaft.»

Kommt es zur Demo?

Planen die Lehrer eine Demonstration? Dazu könne er im Moment nichts sagen, so Hugenberg. Er betont, der BLV wolle keinen «Jammeribrief» schreiben. Man wolle Antworten und vor allem, dass alle Massnahmen auf den Tisch gelegt werden, und nicht häppchenweise, wie die Regierung es tue.

So fragt der BLV weiter: «Welcher Anreiz bleibt der Lehrperson nach Ihrer Meinung noch, um – trotz zweifacher Lohn-Nullrunde und Pensenerhöhung – im Aargau zu bleiben?»

Präsident Schaffner fasst die Befürchtungen so zusammen: «Die jungen Lehrkräfte protestieren auf ihre Art gegen den Bildungsabbau: nämlich mit den Füssen.»

Kanton: Frist ging nicht anders

Das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) verzichtet darauf, bereits jetzt Stellung zu den inhaltlichen Fragen des Briefes zu nehmen, sagt Kommunikationschefin Simone Strub Larcher.

Der Bezirkslehrerverein werde aber selbstverständlich eine schriftliche Antwort erhalten. Die Stellungnahmen im Rahmen des Anhörungsverfahrens werden zurzeit gesammelt und anschliessend zuhanden des Regierungsrats ausgewertet, so Strub.

Zur Kritik an der aus Lehrersicht zu engen Frist antwortet das Departement: «Der Regierungsrat ist sich bewusst, dass die Frist der Anhörung nicht ideal ist, da sie zum einen relativ kurz ist und zum anderen fast vollständig in die Sommerferien fällt.»

Leider erlaube der enge Zeitplan zur Erarbeitung des Aufgaben- und Finanzplans 2017–2020 (AFP) weder eine Verschiebung noch eine Verlängerung der Anhörung.

Bis Ende Juni habe die Regierung den AFP sowie ein Paket von Sanierungsmassnahmen 2017 erarbeitet, zu dem auch die Personalmassnahmen zählen.

Unmittelbar nach den Sommerferien werde er den AFP beschliessen, damit dieser bis Ende August dem Grossen Rat überwiesen werden kann.

Damit die Rückmeldungen in die Schlussberatung des AFP einfliessen können, könne die Anhörung nur in diesem Zeitfenster durchgeführt werden.