Gleichberechtigung
Lehrer starten Lohnklage gegen den Kanton Aargau

Der Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverband (ALV) will den Kanton verklagen. Der Grund: Kindergärtnerinnen und Primarlehrerinnen sollen verglichen mit anderen Staatsangestellten viel zu wenig verdienen.

Kim Ghilardi
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Eine Kindergärtnerin erzählt den Eltern, was die Kinder gelernt haben. (Symbolbild!)

Eine Kindergärtnerin erzählt den Eltern, was die Kinder gelernt haben. (Symbolbild!)

Der Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverband (ALV) bereitet eine Lohnklage gegen den Kanton Aargau vor. Konkret geht es darin um die Löhne von Primarlehrerinnen und Kindergärtnerinnen die trotz gleicher Leistung und Ausbildung bis zu 15 Prozent niedriger sind als die Löhne von anderen Staatsangestellten. Für die Klage tritt der Verband vor die Schlichtungskommission und wird den Fall, falls notwendig, auch vor das Personalrekursgericht bringen.

Die Abakaba Methode

Löhne von Staatsangestellten werden mittels der Abakaba Methode (Analytische Bewertung von Arbeitstätigkeiten nach Katz und Baitsch) bestimmt. In diesem Verfahren werden Anforderungen an Ausbildung, Intellekt, sowie körperliche und psycho-soziale Aspekte gestellt. Von diesen hängt dann die Lohnklasse ab, in welche die Berufsgruppe eingeteilt wird.

Abakaba Protokolle, die der ALV vorliegen, würden beweisen, dass Primarlehrerinnen und Kindergärtnerinnen gleich viel leisten müssten, trotzdem aber bis zu 15 Prozent weniger verdienen würden, sagt die ALV.

Historische Altlast

Der Grund für diese unfaire Behandlung ist, dass es sich bei diesen Berufen traditionellerweise um Frauenberufe handelt, sagt Niklaus Stöckli, der Präsident des ALV. «Es ist an der Zeit, dass die Frage der Gleichbehandlung zwischen den Geschlechtern ernst genommen wird», betont Stöckli. Die Kindergärtnerinnen würden ihre schlechte Bezahlung wie eine Historische Altlast mit sich tragen, mit Fairness oder Gleichberechtigung habe dies nicht viel zu tun.
Die Grundlage für die Klage ist deshalb der Gleichstellungsartikel aus der Schweizerischen Bundesverfassung. Dieser wird nicht nur dann verletzt, wenn Geschlechter innerhalb eines Berufes für die gleiche Leistung weniger verdienen, sondern auch dann, wenn ganze Berufsgruppen benachteiligt werden.

Kindergärtnerinnen haben besonders niedrige Löhne

«Im Kindergarten ist die Verantwortung zweifellos am grössten, trotzdem bekommen Kindergärtnerinnen noch weniger Lohn.» Stöckli weiss das Kindergärtnerinnen sogar noch weniger als die benachteiligten Primarlehrerinnen verdienen, obschon sie die exakt gleiche Ausbildung gemacht haben und die gleichen Abakaba Anforderungen erfüllen müssen. «Es macht doch absolut keinen Sinn, dass Angestellte mit exakt der gleichen Ausbildung weniger verdienen.», sagt der Präsident. Niemand wolle Studieren gehen um nacher weniger als die Studienkollegen zu verdienen, ohne das es dafür einen Grund gäbe.