Kunst

Legendäre Bergbilder: Muri eröffnet das erste Museum für Künstler Caspar Wolf

Die Bergbilder von Caspar Wolf gehören zur europäischen Kunstgeschichte. Das war im 18. Jahrhundert so und seit bald 100 Jahren wieder. Nun gibt es in Muri das erste Museum für Caspar Wolf. Kein Zufall.

Beginnen wir beim Herzstück. Vor der blauen Wand im Hauptraum. Dicht an dicht hängen hier zwölf Gemälde von Caspar Wolf (1735–1783). Sie sind das Filetstück des neuen Museums und der Kern von Wolfs Schaffen.

Eigentlich ist es eine Kamikaze-Tat, die wichtigsten Werke auf einer einzigen Wand zusammenzudrängen. Aber Kurator Peter Fischer hat gute Argumente dafür. Erstens zeigte man sie zur Entstehungszeit so. Zweitens schafft er damit Raum, um auch Leben und Arbeitsweise Wolfs, die abenteuerliche Geschichte seiner Wiederentdeckung und die Zeitumstände und Produktionsbedingungen zu zeigen. Viel Stoff für ein kleines Museum.

Entdeckung der Alpen

So realistisch, so nah, so aus eigener Anschauung – hat man vor Caspar Wolf die Berge nicht gemalt. Sie waren furchterregend, zum Glück weit weg und dienten in der Malerei allenfalls als ferne Staffage. Wolf hat die Begeisterung für die Alpen im 18. Jahrhundert allerdings nicht erfunden. Es waren Schriftsteller, Philosophen und Wissenschafter, die mit der Entdeckung der Alpen begannen und den Tourismusboom auslösten, der bis heute anhält.


Schon um 1760 witterte der Berner Kunsthändler Abraham Wagner in der medialen Vermarktung der Berge ein Geschäft – und dafür brauchte er Bilder. «Wolf war kein Gelehrter, aber mit seinem genauen Blick der richtige Mann für das Forschungs- und Publikationsprojekt», erklärt Fischer. Und er war bereit, die interdisziplinären Expeditionen ins Berner Oberland und in noch entlegenere Höhen mitzumachen.

Landschaften markieren die Abkehr der Kunst von der dominierenden Kirche und ihrem religiösen Bilderbedarf. Dass das erste Museum für den Alpenmaler Wolf nun ausgerechnet im Kloster Muri eingerichtet wird, mag deshalb als Widerspruch erscheinen. Ist es aber nicht. Denn erstens wurde Caspar Wolf 1735 in Muri geboren. Zweitens war das Kloster sein erster künstlerischer Arbeitgeber und ebnete ihm den Weg über die Region hinaus.

Und drittens war es 1947 wieder ein Murianer, der das vergessene Werk Wolfs in Holland aufstöberte und die Wiederentdeckung des Malers einleitete. Seither gilt er als einer der wichtigsten und frühesten Alpenmaler, als Wegbereiter für die Romantiker. Er wurde nicht nur in Schweizer Museen gezeigt, von Aarau über Basel bis Genf, sondern auch international.
All diese Facetten präsentiert das neue Museum klug arrangiert. Mit vielen Originalen, Dokumenten und mit reichhaltigem Vergleichsmaterial auf Bildschirmen, beispielsweise über Wolfs Lehr- und Wanderjahre in Deutschland und Paris.

Reiche Sammlung

Die Werke Caspar Wolfs sind heute Museumsware und besetzt. Skeptisch fährt man nach Muri, auch im Wissen, dass im früheren Caspar-Wolf- Kabinett eine einzige Wand für den Bilderbesitz der Stiftung reichte. Dass eine bemalte Truhe, Kacheln und Fotografien von gemalten Tapeten für den Abt im Schloss Horben die Prunkstücke waren.

Die Stiftung Murikultur hat zusammen mit ihren Gönnern in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet. Die historischen Räume sind renoviert, die Sammlung ist gewachsen und bietet einen guten Querschnitt. Die Präsentation ist professionell und nach heutigen Ansprüchen eingerichtet. Der Begriff Museum berechtigt.

Enden wir mit dem zweiten Herzstück der Schau: der Wand über den künstlerischen Prozess. Draussen, im Lauterbrunnental, schuf Wolf eine Ölskizze des Wasserfalls, vereinfacht, aber klar. Im Atelier entstand daraus ein Ölbild, bei Verkäufen gar in mehreren Versionen. Nach dieser Vorlage wurden Drucke für Wagners Prospekte hergestellt – erst schwarz-weiss und aufwendig von Hand koloriert, später farbige Kupferdrucke. Vom Staubbachfall besitzt das Museum (fast) alle Varianten. Was will man mehr?

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