Freihändyg
Leben im Offline-Modus ist schwierig: Er hat viel über sein Verhalten gelernt

Der 28-jährige Benjamin Pfeuti schaltete für eine Woche am Feierabend sein Handy aus. Er hat, als sein Handy abends immer ausgeschaltet war, viel über sein Verhalten gelernt und gemerkt, wann das Smartphone sinnvoll ist.

Josua Bieler
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Das Pilotprojekt «Freihändyg» der Stiftung «Aarau eusi gsund Stadt» ist beendet. Alle Teilnehmenden verpflichteten sich, während einer Woche mindestens einmal pro Tag das Handy auszuschalten.

Einer von ihnen war der Aarauer Benjamin Pfeuti. Sein ehrgeiziges Ziel war, das Handy nur während der Arbeit zu gebrauchen.

Nun hat er es geschafft und blickt zufrieden auf die aussergewöhnliche Woche zurück: «Die Woche hat mir gezeigt, wo der Handygebrauch sinnvoll ist und wo nicht», sagt Pfeuti.

Als Kommunikationsmittel gefehlt

Der 28-Jährige lernte in der vergangenen Woche, dass Spontanität ohne Handy nicht mehr möglich ist. So etwa, als er am Dienstagabend nach Hause kam.

«Ich hatte Feierabend und dachte: Jetzt wäre es toll, etwas mit meiner Freundin zu unternehmen», erinnert sich Pfeuti. Doch seine Freundin war nicht da, und er wusste nicht, wo sie war. Also fiel der gemeinsame Abend ins Wasser.

Einen Tag später erinnerte sich Pfeuti auf dem Heimweg, dass er mit seinem Bruder abgemacht hatte, Schweiz gegen Kroatien am Fernseher zu schauen.

«Wir hatten aber keine genaue Uhrzeit abgemacht und ich wusste nicht, ob mein Bruder die Abmachung vergessen hat», erklärt Pfeuti. Zum Glück sei dann sein Bruder - wie erhofft und abgemacht - vor dem Bildschirm gesessen.

In diesen zwei Situationen hat Pfeuti das Smartphone gefehlt. «Zum Organisieren und Kommunizieren ist das Handy sinnvoll», sagt der Aarauer.

Er findet es auch nach dem Härtetest nicht falsch, permanent erreichbar zu sein: «Solange ich selber steuern kann, wem ich antworte, sehe ich kein Problem.»

Ständig online zu sein sei eher bei Jugendlichen eine Gefahr, die mit der riesigen Anzahl von Kontakten nicht mehr zurecht kommen. Als Familienvater seien diese Zeiten für ihn aber vorbei.

Weniger Ablenkung

Benjamin Pfeuti hat in der vergangenen Woche aber auch Momente erlebt, in denen er froh war, dass sein iPhone ausgeschaltet war.

Oft wollte er zum Handy greifen und merkte dann, dass es ja ausgeschaltet ist: «Als ich überlegte, was ich überhaupt auf dem Handy nachschauen wollte, wusste ich es nicht mehr. Auf jeden Fall nichts Wichtiges.»

In der vergangenen Woche sei ihm bewusst geworden, wie viel Zeit er sinnlos mit dem Handy verbringt.

«Mit Dingen, die gar nicht relevant sind», so Pfeuti. In Zukunft will er das Handy grundsätzlich nur noch als Kommunikationsmittel brauchen.

Pfeuti findet es wichtig, dass sich jeder Gedanken macht, wozu und wie oft das Smartphone gebraucht wird. «Für den Handykonsum gibt es keine Gesetze, es macht deshalb Sinn, für sich selber Regeln aufzustellen», denkt der Aarauer.

Das möchte Pfeuti auch seinem fünfzehn Monate jungen Sohn Camil vorleben. Dieser solle merken, dass man mit dem Handy telefonieren und Nachrichten austauschen könne.

Pilotprojekt war ein Erfolg

Kurt Röthlisberger, Präsident der Stiftung «Aarau eusi gsund Stadt», zeigt sich nach dem Abschluss des Projekts hoch erfreut.

Schon während der «Freihändyg-Woche» erhielt Röthlisberger über hundert Reaktionen von Aargauerinnen und Aargauern, die an der Aktion teilnahmen.

«Das Thema drückt bei den Leuten, sie sind sich bewusst, dass das Handy eine Gefahr ist», sagt Röthlisberger. Er ist überzeugt, dass das Aargauer Pilotprojekt «nationale Auswirkungen» haben wird.

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