Unglück im Tirol
Lawinen-Tod der Brittnauer Turner: «Bergführer sein ist ein Scheiss-Job»

Beim Lawinenunglück vom Jochgrubenkopf (Ö) kam für vier Männer vom Männerturnverein Brittnau jede Hilfe zu spät. Wir haben mit Augenzeugen und Einheimischen gesprochen.

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«Man wusste, dass es nicht gut ausgeht, wenn es so lange dauert», sagte Monika Eller. Die Einheimische aus der Tiroler Ortschaft Schmirn sah das Unglück aus nächster Nähe. Über 60 Rettungskräfte hatten nach Überlebenden gesucht. Am Ende bestand die ernüchternde Gewissheit, dass bloss vier Männer der achtköpfigen Skitourengruppe überlebt hatten. Die Betroffenheit im Tirol war gross.

«Hohes Risiko»

Bauer Johann Zingerle sah, wie die Gruppe am Morgen mit dem Bergführer aus Graubünden aufbrach: «Ich hab mir gedacht, das ist ein Risiko hier hoch zu gehen.» Zwar war die Lawinengefahr nur auf Stufe zwei von fünf. Wegen dem grossen Gefälle am Hang und darunter lagernden Altschneeschichten war das Risiko, wie sich herausstellte, dennoch erheblich. «Der Untergrund muss festgefahren sein», weiss Anwohnerin Eller, «und dazu waren zuvor einfach viel zu wenig Menschen am Berg».

Ging der Bergführer ein zu grosses Risiko ein? Peter Veider von der Tiroler Bergrettung warnt vor einem vorschnellen Urteil und nimmt den Bergführer in Schutz. «Das Restrisiko ist vorhanden», so Veider. «Was ich sagen muss: Gerade im Winter bei solchen Verhältnissen ist Bergführer sein ein Scheiss-Job.» Als solcher müsse den Leuten stets das Beste geboten werden. Dabei würden alle erwarten, dass es ohne Risiko ablaufe.

Bereits letztes Jahr löste eine Skitourengruppe aus Frankreich eine Lawine am Jochgrubenkopf aus. Damals ging das Unglück glimpflich aus. Alle Beteiligten konnten sich selbstständig retten.

Bilder des tragischen Lawinenunglücks und der Rettungsaktion in Tirol:

Ein Lawinenabgang im Bereich des Jochgrubenkopfs in Tirol hat vier Todesopfer gefordert.
9 Bilder
Alle vier stammen aus dem Aargau. Vier andere konnten sich selbst retten oder wurden gerettet. Sie gehören alle dem Männerturnverein Brittnau an.
Die Lawine dürfte rund 700 Meter lang gewesen sein,
Einer der Verschütteten musste rund zwölf Meter unter der Oberfläche geborgen werden.
Lawinenunglück in Schmirn
Die Lawine ging unterhalb des 2453 Meter hohen Jochgrubenkopfes nieder.

Ein Lawinenabgang im Bereich des Jochgrubenkopfs in Tirol hat vier Todesopfer gefordert.

Keystone

«Die verantwortliche Person innerhalb der Tourengruppe ist der Bergführer – die Ermittlungen konzentrieren sich auf ihn», berichtete Luca Laube, Sonderkorrespondent vom Regionalsender Tele M1 gestern Donnerstag aus dem Tirol. Unabhängige, von der Staatsanwaltschaft eingestellte Gutachter waren am Donnerstag vor Ort. Ihre Aufgabe ist es zu rekonstruieren, wie es zum Unglück kam. Ausserdem wurden die vier Überlebenden von der Polizei einvernommen. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen und dürften andauern. (yas)