Aargau
Lauter Minusrekorde: Die Badisaison 2014 war «so schlecht wie noch nie»

Heute zeigte sich zwar die Sonne. Doch das war diesen Sommer nicht oft der Fall. Die Folge: Die Aargauer Freibäder registrieren Minusrekorde, die Besucherzahlen liegen um rund 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Fritz Thut
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Wie hier in Aarau waren in diesem Sommer in den Aargauer Freibädern nur wenige Schwimmer zu sehen.

Wie hier in Aarau waren in diesem Sommer in den Aargauer Freibädern nur wenige Schwimmer zu sehen.

Michael Hunziker

«Während der Sommerferien war der Besuch so schlecht wie noch nie.» Die Aussage von René Hächler, Betriebsleiter des Schwimmbads Schachen in Aarau, lässt sich auf alle, wenige Wochen vor Saisonende angefragten Freibäder übertragen. Während der Juni noch halbwegs gute Zahlen lieferten, brachen die Badi-Eintritte in den eigentlich umsatzstärksten Ferienmonaten Juli und August förmlich ein.

Im Juli erreichten die Zutrittszahlen in Aarau kaum 50 Prozent der Werte in einem durchschnittlichen Jahr. Und die letzten Wochen bis zum vorgesehenen Saisonende am Bettag-Wochenende versprechen keine Rettung der tristen Bilanz: «Hammertage wird es jetzt keine mehr geben», weiss René Hächler aus Erfahrung. Die ausbleibenden Gäste führten dazu, dass weniger Aushilfskräfte eingesetzt werden konnten, und im Restaurant blieben die Umsätze ebenfalls unter den Erwartungen.

Vorarbeiten für die nächste Saison

Keine flexibel einsetzbaren Helfer hat Paul Gürtler. Der Betriebsleiter des Vitamare-Erlebnisfreibades in Frick rechnet damit, dass die Besucherzahlen in diesem Jahr den auf der Internet-Seite angegebenen Rahmen von 50‘000 bis 100‘000 noch unterschreiten werden: «Nur das Jahr 2002 war ähnlich schlecht.»

So bleibt Gürtler nicht viel mehr übrig, als die Mitarbeiter mit Verrichtungen für die Zukunft zu beauftragen: «Die 60 Überstunden von Anfang Saison waren schnell aufgebraucht. Jetzt machen wir Eigenleistung im Unterhaltsbereich im Hinblick auf die nächste Saison. Uns geht die Arbeit nie aus.»

Er sei zu lange Badmeister, um sich von einem schlechten Jahr ins Bockshorn jagen zu lassen: «Es wird wieder anders.» Doch ganz aktuell muss die 2014er-Saison zu Ende gebracht werden. Offiziell ist am Samstag, 13. September, Schluss, doch: «Vielleicht machen wir früher zu.»

«Mehr Gärtner als Badmeister»

Bis jetzt wurden im Schwimmbad Bünzmatt in Wohlen in diesem Jahr 36‘000 Eintritte gelöst. Bis am 13. September wird diese Zahl nicht mehr deutlich steigen. Damit werden der langjährige Durchschnitt von 65‘000 bis 70‘000 Besuchern und erst recht der absolute Rekord vom Jahrhundertsommer 2003 mit 121‘787 Gästen deutlich verfehlt. 2014 ist für Badmeister Stefan Meier «die schlechteste Saison, seit die Badi 1967 eingeweiht wurde».

Während die Aushilfskräfte, etwa die Kassenfrauen, heuer nur selten abgerufen wurden, erledigten die Festangestellten andere Aufgaben als üblich: «Diesen Sommer waren wir mehr Gärtner als Badmeister», so Meier. Aktuell versetzt man den Hecken und Sträuchern «bereits den Winterschnitt».

Ein Viertel Besucher über Pfingsten

Im Gartenbad Tägi in Wettingen rechnet Betriebsleiter Kurt Müller für diese Saison mit maximal 50‘000 Besuchern. Dies liegt um rund 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt von mindestens 70‘000. Wie in allen Freibädern sorgten die verregneten Monate Juli und August für den Einbruch.

Müller macht auf ein besonders Phänomen aufmerksam. Anfangs Juni wurden im «Tägi» über das Pfingstwochenende 12‘800 Eintritte registriert. «An drei Tagen hatten wir damit einen Viertel aller Besucher der Saison», so der Betriebsleiter.

Für das Personal sei die Situation ebenfalls unbefriedigend gewesen, wenn man beispielsweise «Aufsicht über fünf einsame Schwimmer» gehabt habe. Selbst bei einem ausgeprägt schönen Altweibersommer könnte man in Wettingen die Freibade-Saison nicht über den 14. September hinaus verlängern. Kurt Müller: «Danach beginnen wir schon mit der Vorbereitung der Eisfelder.»