Power-Blox
Laufenburger erfindet Energiewürfel für Afrika

Aargauer wollen die Stromversorgung in Entwicklungsländern revolutionieren – mit einem Power-Blox. Dieser Energiewürfel soll 2016 auf den Markt kommen und kann nach dem Lego-Prinzip zu beliebig grossen Kraftwerken ausgebaut werden.

Peter Brühwiler
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Alessandro Medici in Afrika: Bis sein Solarwürfel marktreif ist, muss er sich mit komplizierteren Systemen rumschlagen.zvg

Alessandro Medici in Afrika: Bis sein Solarwürfel marktreif ist, muss er sich mit komplizierteren Systemen rumschlagen.zvg

Nach 20 Jahren als Informatiker hatte Alessandro Medici genug. Er packte 2006 seine Koffer und ging auf Weltreise. Zurück kam er zwei Jahre später mit einer Idee, die die Energieversorgung in Entwicklungsländern revolutionieren könnte. Wobei: Eigentlich spross die Idee nur ganz langsam, wie ein zartes Pflänzchen unter der afrikanischen Sonne. Und wirklich greifbar ist sie auch heute noch nicht: Der Solarwürfel Power-Blox, für den die Firma letzte Woche den mit 50 000 Franken dotierten Axpo Energy Award erhielt, existiert erst als Prototyp. Marktreif sein soll er 2016.

Doch zurück zur Weltreise. Einen Teil seiner Wanderjahre verbrachte der in Rheinfelden aufgewachsene Elektroingenieur in Kenia auf der Ranch eines ehemaligen Puma-Managers, wo er die Stromversorgung auf Solarbetrieb umstellte. Die Dieselgeneratoren seien, wie viele Anlagen in Afrika, unzuverlässig gewesen. Die Photovoltaikanlage hingegen funktionierte noch, als Medici die Ranch zwei Jahre später wieder besuchte — und seine Idee erste Wurzeln schlug. «Ich wusste, Solarenergie ist die Zukunft», erinnert sich der Aargauer.

Genug Energie für einen Kühlschrank, Licht und ein Handy-Ladegerät: Der Power-Blox soll 2016 auf den Markt kommen und nach dem Lego-Prinzip zu beliebig grossen Kraftwerken ausgebaut werden können.

Genug Energie für einen Kühlschrank, Licht und ein Handy-Ladegerät: Der Power-Blox soll 2016 auf den Markt kommen und nach dem Lego-Prinzip zu beliebig grossen Kraftwerken ausgebaut werden können.

ZVG

Nun ist die Nutzung der Sonnenenergie in Afrika an sich ja nichts Revolutionäres. Auch Medici ist in diesem Bereich seit zwei Jahren tätig. Parallel zur Installation fremder Anlagen hat er im stillen Kämmerchen aber seinen jetzt preisgekrönten Würfel entworfen. «Das Problem bei herkömmlichen Systemen ist, dass sie nicht erweiterbar sind», erklärt der Tüftler. Installiere man zum Beispiel ein zusätzliches Solarpanel an eine bestehende Anlage, überlade dies die Elektronik und mache die Batterie kaputt. Eine neue Batterie wiederum könne nicht mit einer gebrauchten gekoppelt werden.

Das Lego-Prinzip

Medicis Problemlösung ist das Lego-Prinzip: Solarpanel, Batterie und Elektronik bilden eine Power-Blox-Einheit, auf welche der Kunde je nach Strombedarf beliebig viele weitere Einheiten stapeln kann. Örtlich getrennte «Türme» wiederum können mittels Kabel verbunden werden. Je mehr Boxen miteinander verbunden sind, desto stabiler wird das Netz und umso mehr nimmt Medicis Vision Gestalt an: die Demokratisierung der Energieversorgung. Oder, etwas technischer ausgedrückt: die Schwarm-Elektrifizierung. Die Hochschule in München simuliert derzeit, was passiert, wenn das Solarwürfel-Netz wächst.

Die Schwarm-Idee stamme aus der Informatik, erklärt Medicis Geschäftskollege Armand Martin. Während beim Peer-to-Peer viele gleichwertige Computer ein kommunizierendes Netzwerk bilden, sind es hier die Solarboxen. Man müsse sich dieses Netzwerk «als organisch wachsendes Gebilde» vorstellen, so der Informatikspezialist. Grenzenlos ist das Wachstum zumindest vorerst aber nicht. «Wir konzentrieren uns zunächst auf die Dorfebene», sagt Medici. Denn für die Stromübertragung über weitere Distanzen brauche es eine Systemsteuerung.

So revolutionär Medicis Lego-Prinzip klingt, so naheliegend ist es irgendwie auch. «Warum hat das noch niemand gemacht?» ist denn auch die Frage, die er sich in den letzten zwei Jahren am häufigsten gestellt hat. Aber auch Zweifel an der Umsetzbarkeit gehörten natürlich dazu. «Das volle Potenzial einer Idee realisiert man erst, wenn man von aussen getragen wird», sagt er. Deshalb — und nicht in erster Linie des Preisgeldes wegen — sei der Axpo Energy Award so wertvoll gewesen.

Armand Martin hat die Auszeichnung überrascht. Die Axpo gelte ja als schwerer, unbeweglicher Energiegigant. «Aber es spricht für sie, dass sie unsere disruptive Technologie anerkennt, die auch ihr in die Quere kommen könnte.» Die netten Worte mögen auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Axpo ein potenzieller Power-Blox-Investor ist. Denn um das Produkt zur Marktreife zu bringen, seien die 50 000 Franken ein schöner Start, sagt Martin. «Aber es braucht noch einiges mehr.»

Für die Entwicklung des Power-Blox werden die beiden zusammen mit dem Badener Architekten Reto Miloni eine neue Firma gründen. Als Standort wünscht sich Medici Laufenburg, wo er sein Büro hat. Zusammenbauen werde man die Solarwürfel schliesslich in Tansania — von wo sie dann möglicherweise auch wieder in Schweizer Schrebergärten landen.

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