Forstwirtschaft
Lässt der starke Franken unsere Wälder verwildern?

Der starke Franken macht auch den Forstbetrieben zu schaffen. Der Wechselkurs beeinträchtigt die Waldpflege, Forstbetriebe schreiben wegen Billigkonkurrenz aus Euroraum rote Zahlen.

Peter Brühwiler
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Trotz moderner Maschinen – hier ein Vollernter im Einsatz – schreibt die Mehrheit der Aargauer Forstbetriebe derzeit rote Zahlen. kob/Archiv

Trotz moderner Maschinen – hier ein Vollernter im Einsatz – schreibt die Mehrheit der Aargauer Forstbetriebe derzeit rote Zahlen. kob/Archiv

Müssen wir während Waldspaziergängen bald über umgefallene Bäume klettern? Die Schweizer Wald- und Holzbranche hat diese Woche jedenfalls Alarm geschlagen: Die Waldpflege sei infrage gestellt, weil wegen des starken Frankens Werkschliessungen in der Holzverarbeitenden Industrie sowie ein Abbau bei den Forstbetrieben und Einschlagunternehmen drohten.

Mit 80 Prozent ist der grosse Teil des Aargauer Waldes im Besitz von Ortsbürgergemeinden, die restlichen 20 Prozent gehören Privaten. Für die Bevölkerung war die Lage in der Vergangenheit recht komfortabel: Waldeigentümer übernahmen den Unterhalt von Waldstrassen, Vita-Parcours oder Feuerstellen, obwohl die erzielten Holzerlöse die anfallenden Kosten seit langer Zeit nicht mehr deckten.

Immer mehr Betriebe mit Verlust

Spätestens seit der Frankenaufwertung im 2011 steht dieses Geschäftsmodell allerdings auf wackeligen Füssen. «Die Anzahl Forstbetriebe, die rote Zahlen schreiben, hat markant zugenommen», sagt Theo Kern, Geschäftsführer des Aargauischen Waldwirtschaftsverbandes. Heute arbeite nur noch etwa jeder vierte kantonale Forstbetrieb profitabel.

Einer davon ist der Forstbetrieb Zofingen, als Gemeindeverband zuständig für die Wälder der Ortsbürgergemeinden Zofingen, Strengelbach und Rothrist. «Durch den Zusammenschluss der drei Waldeigentümer konnten wir Synergien nutzen», nennt Ernst Steiner einen der Gründe. Etwa 1,4 Millionen Franken verdient sein Forstbetrieb jährlich mit dem Holzverkauf. Sinken die Preise wegen der billigeren Konkurrenz aus dem Euroraum jetzt um 10 Prozent, müsste er also mit 140 000 Franken weniger durchkommen. «Wenn die Politik die Rahmenbedingungen nicht verbessert, haben wir ein Problem», sagt Steiner.

Verband fordert 44-Tönner

Ihre diesbezüglichen Wünsche haben die Verbandsspitzen in Bern Mitte Woche präsentiert. Unter anderem soll das zulässige Gesamtgewicht für Transporte von 40 auf 44 Tonnen angehoben werden und die Leistungsunabhängige Schwerverkehrsabgabe für Rohholztransporte befristet entfallen. Die geforderten Massnahmen sollen die betroffene Branche kurzfristig um rund 70 Millionen Franken entlasten.

Was, wenn die Forderungen auf taube Ohren stossen? «Den Laden dichtzumachen, ist keine Option», sagt Steiner. Dramatisch ist die Lage in Zofingen kurzfristig noch nicht. Der Gemeindeverband verfügt im Moment noch über Betriebskapital, um Verluste aufzufangen. «Und sollten die Reserven aufgebraucht sein, wären primär die Ortsbürgergemeinden gefordert», so der Forstbetriebsleiter. Einen Zwang zur Bewirtschaftung ihrer Wälder gibt es für die Ortsbürgergemeinden und die privaten Eigentümer allerdings nicht. Die sei nur bei Schutzwäldern der Fall, zum Beispiel in Lawinengefährdeten Regionen, erklärt Theo Kern.

Trotzdem rechnet auch er nicht mit einem abrupten Ende der Waldbewirtschaftung. «Vielmehr müssen die Leistungen der Forstbetriebe jetzt konsequenter abgegolten werden», fordert Kern. Der Kanton und die Gemeinden sollen also etwa für die Pflege der Waldwege bezahlen. Und Private zum Beispiel für das Freihalten von Stromleitungen, die sie durch die Wälder betreiben. Der Verband erarbeite derzeit entsprechende Empfehlungen für Waldeigentümer und Forstbetriebe, sagt Kern.

Pflege für die Urenkel

Im Gegensatz zu anderen Kantonen ist im Aargau zumindest die Jungwaldpflege gesichert, denn der Kanton entschädigt die Forstbetriebe für diese Leistung mit jährlich drei Millionen Franken. Die Jungwaldpflege sei besonders wichtig, betont Kern. «Die Qualität des Holzes leidet, wenn die Bestände in einem nachwachsenden Wald zu dicht sind.» Die Konsequenz: «Die Wälder wären anfälliger auf Borkenkäferbefall und weniger widerstandsfähig gegenüber den Folgen des Klimawandels.»

Und nicht zuletzt sei die Pflege ein Vermächtnis an kommende Generationen, so Kern. Denn die Erntezyklen sind in der Holzwirtschaft je etwas länger als in der Landwirtschaft. «Was wir heute ernten, das haben unsere Grossväter produziert», sagt Kern. Mit der billigen Konkurrenz aus dem Euroraum haben sie damals vermutlich noch nicht gerechnet.

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