Aarburg
Landmann mitten im Asyl-Streit: «Besitzer wollen Beitrag leisten»

Die Gegner der neuen Asylunterkunft in Aarburg ärgern sich über die Besitzer der Häuser, in denen die Asylsuchenden unterkommen werden. Warum vermieten die von Anwalt Valentin Landmann vertretenen Eigentümer die Liegenschaft als Asylunterkunft?

Urs Moser
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Valentin Landmann ist der «Familienanwalt» der Hausbesitzer, die dem Kanton die geplanten Asyl-Wohnungen vermieten.

Valentin Landmann ist der «Familienanwalt» der Hausbesitzer, die dem Kanton die geplanten Asyl-Wohnungen vermieten.

Heike Grasser

Wem gehören eigentlich die Wohnungen an der Lindengutstrasse in Aarburg, die der Kanton als Asylunterkunft mietet? Wer mit den Besitzern in Kontakt treten will, landet beim Zürcher Anwalt Valentin Landmann. Eine illustre Figur, bekannt als «Milieuanwalt», Hausjurist der Hells Angels und für seinen Totenkopf-Gürtel. Was hat er mit der Asylunterkunft in Aarburg zu tun?

Im Prinzip nichts, aber er sei der «Familienanwalt» der Hausbesitzer, die dem Kanton die Wohnungen vermieten. Die drei Brüder und ihr Vater wollen nicht direkt mit den Medien in Kontakt treten, so Landmann. Deshalb übernimmt er für sie die Rolle des Sprechers.

Als «ausländerrechtliche Hardliner» würde Landmann seine Klienten bezeichnen: der Vater vor langer Zeit aus dem heutigen Kosovo eingewandert, die Söhne hier aufgewachsen. Im Gespräch mit ihnen habe man das Gefühl, «an einem ländlichen SVP-Stammtisch zu sitzen», meint der Anwalt. Wer das Schweizer Gastrecht missbraucht, sei konsequent aus dem Land auszuweisen, so das Credo seiner Klienten.

Widerstand: Auch Kauf wird geprüft

Über 550 Unterschriften hat die Gemeinde Aarburg bis gestern Mittag für die Petition «Nein zur kantonalen Asylunterkunft» gesammelt, und die Facebook-Gruppe «Nein zum Asylheim an der Lindengutstrasse in Aarburg» zählt schon rund 1600 Mitglieder.

Wie Felix Grendelmeier, Initiant der Aktion, festhält, wird die Unterschriftensammlung fortgeführt. Die Gemeinde Aarburg hat sich zum Ziel gesetzt, die Petition Regierungsrätin Susanne Hochuli persönlich zu übergeben.

Von der rechtlichen Seite besteht für die Gemeinde allerdings kaum Handhabe, zumal der Kanton einen Mietvertrag über fünf Jahre in einem Wohnquartier eingegangen ist. Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär meinte zwar gestern gegenüber Tele M1, er denke nicht, dass bereits Anfang Mai Asylbewerber an der Steingrubenstrasse einziehen: Es gebe noch «Abklärungen aus baurechtlicher Sicht».

Konkret wurde er dabei allerdings nicht. Es gibt in Aarburg auch Überlegungen, eine Genossenschaft zu gründen, welche die Liegenschaften kaufen und zu günstigen Konditionen vermieten könnte.

Laut Valentin Landmann, dem Anwalt der Eigentümer, könnte man über diese Möglichkeit diskutieren. Fragt sich, zu welchem Preis. Aus dem Departement Gesundheit und Soziales war gestern zu erfahren, dass man schon früher ein Angebot der Vermieter erhalten hatte, das man aber ausschlagen musste, weil der Preis zu hoch war. Das zweite Angebot sei wesentlich günstiger gewesen. (az)

Aber: Es sei auch falsch, Asylbewerber in unwürdige Notunterkünfte zu pferchen. Bringe man die Asylsuchenden ordentlich unter, sei das auch ein Beitrag, dass sie nicht in die Kriminalität abgleiten. Darum - und natürlich auch, weil sie davon ausgehen konnten, dass der Kanton ein «korrekter Mieter» ist - seien die Liegenschaftsbesitzer an den Kanton herangetreten und hätten die Wohnungen angeboten.

Den verlangten Mietzins kennt der Anwalt nicht. Er sei «normal und ordnungsgemäss», lassen seine Klienten ausrichten. Der Verdacht von Nachbarn, die Wohnungen seien in Schwarzarbeit saniert worden, weil man zu üblichen Arbeitszeiten kaum Handwerker gesehen habe? «Das ist Unsinn», sagt Landmann. «Ich habe keinerlei Anhaltspunkte, dass so etwas stattgefunden hat.»

Die Vermieter seien «erfolgreiche Unternehmer in der Gastro- und Immobilienbranche». Und sie hätten auch durchaus Verständnis für die Bedenken der Aarburger Bevölkerung. Nur seien sie dafür die falsche Adresse.

Die Kritik habe sich an die Bundesbehörden und die Justiz zu richten, die nicht für schnellere Verfahren und eine konsequente Ahndung von Vergehen sorgten. Nicht an die Leute, die einen Beitrag für eine korrekte Unterbringung von Asylbewerbern leisten.

Was den Betrieb ihrer Wohnungen als Asylunterkunft betrifft, so vertrauten die Vermieter darauf, dass der Kanton als korrekter Mieter dafür sorgt, dass dies in einer «für die Gemeinde korrekten Form gehandhabt wird».

Asylsuchende sollen ordnungsgemäss untergebracht werden

Valentin Landmann erklärt TeleM1: «Die drei Brüder haben Verständnis für die Bedenken der Bevölkerung. Aber sie sind der Meinung, dass man die Leute in ordnungsgemässen Wohnung unterbringen sollte, um so einen Beitrag zu leisten, damit diese Leute nicht abgleiten.»

Über einen Kauf der Liegenschaft durch eine Genossenschaft könne man aber durchaus reden, sagt der Anwalt weiter.

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