Homo-Ehe Aargau

Landeskirche wirbt für Homosexuellen-Segnung, Bistum tut sich schwer

Homosexuellen-Ehe in Schwedens Kirchen erlaubt

«Der Auftrag von uns Seelsorgern ist es, zu fragen, was die Menschen brauchen. Wer ein gemeinsames Leben vor Gott sucht, dem soll man das auch ermöglichen», ist Religionspsychologe Kurt Adler überzeugt.

Homosexuellen-Ehe in Schwedens Kirchen erlaubt

Segnungen: Im Kanton Aargau gehen Seelsorger offensiv mit gleichgeschlechtlichen Paaren um. Die Kirchenleitung lässt sie bisher gewähren.

Nach dem «Fall Bürglen» haben sich mehrere katholische Pfarrer im Aargau öffentlich dazu bekannt, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Nach geltendem Kirchenrecht dürfen in der katholischen Kirche dabei nur die einzelnen Personen, nicht aber die Verbindung zwischen ihnen den Segen erhalten. Dies unterstrich das Bistum Basel gestern auf Anfrage der az nochmals. «Es gilt die offizielle Haltung des Bistums.» Andererseits bestätigte das Bistum auch: «Wenn SeelsorgerInnen sich an die Vorgaben der Kirche halten, gibt es keinen Grund einzuschreiten.»

Auf die Menschen ausgerichtet

Ein Vertreter der römisch-katholischen Landeskirche im Aargau, der solche Segnungen befürwortet und selbst fördert, ist Kurt Adler. Der Leiter der Abteilung Bildung und Propstei ist als Religionspädagoge und Mediator im ganzen Kanton unterwegs. Sein Themenschwerpunkt: «Beziehungen gestalten». So hat er auch immer wieder mit Fragen und Anliegen gleichgeschlechtlicher Paare zu tun. Kurt Adler sagt: «Der Auftrag von uns Seelsorgern ist es, zu fragen, was die Menschen brauchen. Wer ein gemeinsames Leben vor Gott sucht, dem soll man das auch ermöglichen.»

Buhlen um Homosexuelle

Im Mai organisiert Adler in Gipf-Oberfrick eine Solidaritäts- und Segensfeier für gleichgeschlechtlich Liebende und deren Angehörige. Und am vergangenen Wochenende traten die römisch-katholische, die evangelisch-reformierte und die christkatholische Landeskirche gemeinsam an einer Hochzeitsmesse in Lenzburg auf. Dabei wurde in einer Broschüre sogar explizit auf die Möglichkeit von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare hingewiesen. Adler betonte gegenüber der az, für die Aktion hätten alle Landeskirchen ihr Einverständnis gegeben. Das dreiköpfige ökumenische Redaktionsteam, das die Broschüre verfasste, sei sich ebenfalls schnell einig gewesen: «Wir fanden alle: Das gehört einfach hinein.»

Auf Anfrage, ob diese Aktion an der Hochzeitsmessse als bewusste Werbung an die Adresse von Homosexuellen verstanden werden könne, antwortet die Kirchenleitung in Solothurn schriftlich und vielsagend: «Das Bistum Basel ist nicht als Aussteller auf dieser Hochzeitsmesse aufgetreten, nur die Aargauer Landeskirchen.» Man kann das als Distanzierung von der Aktion lesen, zumindest aber als klare Abgrenzung.

Coming-out und Austritt

Dabei wünschen sich Akteure an der Basis eher noch mehr als weniger Fortschritt in der katholischen Kirche. Zum Beispiel Pierre Stutz. Der heute 62-Jährige wuchs in Hägglingen im Freiamt auf, lebt heute aber mit seinem Lebenspartner in Lausanne. Er ist einer der wenigen katholischen Priester, die sich öffentlich dazu bekennen, schwul zu sein. Oder besser: Priester war. Denn im Alter von 49 Jahren wagte er sein Coming-out und legte nach 17 Dienstjahren sein Priesteramt nieder.

Heute ist er als Kursleiter im In- und Ausland unterwegs und schreibt erfolgreich Bücher. Stutz sagt: «Ich bin überzeugt, dass die Kirche in der Frage der Homosexualität irrt. Aber ich trete nicht aus, ich kämpfe für eine andere Kirche.» Segnungen für zwei sich liebende Frauen und Männer finde er «sehr wichtig». Stutz: «Sie sollten gerade aus der Sicht von Jesus, der allen Menschen in ihrer einmaligen Würde begegnet ist, kein Problem sein.»

Diese Auslegung geht dem Bistum Basel jedoch definitiv zu weit.

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