Als Bundespräsident Kaspar Villiger am 14. Mai 2002 nach der Eröffnungsfeier der Expo 02 vor der Kamera des Schweizer Fernsehens stand, sagte er: «Zu einer Expo gehört natürlich auch die Entstehungsgeschichte. Und das ist ein bisschen schweizerisch. Denn immer, wenn wir ein Problem haben, streiten wir.

Und vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Weil diejenigen, die kritisieren, zwingen diejenigen, die etwas tun wollen, dazu, das wirklich immer wieder gut zu überlegen, genügend Kraft zu entwickeln, und am Schluss hat man dann etwas Schönes gemacht und hat Freude daran und ist stolz darauf. Aber jetzt hoffen wir natürlich auch, dass das Wetter gut wird.»

Mit dem Schreiben einer neuen Expo-Entstehungsgeschichte wurde vielleicht begonnen. Obwohl der Trägerverein von «Svizra27» den Begriff Expo bewusst nicht verwendet – «er wäre zu wenig umfassend», sagte Co-Initiant Thierry Burkart am Freitag in Brugg. Der neu gegründete Verein «Svizra27» präsentierte dort seine Idee einer Landesausstellung im Jahr 2027 in der Nordwestschweiz. Gesucht sind jetzt Ideen aus der Bevölkerung zum Thema «Die Arbeitswelt».

Im Baselbiet wurde im vergangenen Sommer auch die Idee einer Landesausstellung in der Nordwestschweiz diskutiert. Ein politischer Vorstoss wurde aber zurückgezogen. Die Baselbieter Regierung hatte sich skeptisch gezeigt. Sie erachtete «die Chancen als gering, die Bekanntheit oder allgemein die Attraktivität der Region langfristig zu erhöhen». Eine weiteres Projekt scheiterte in der Ostschweiz vor einem halben Jahr an der Urne.

Olympia Sion 2026 als Vorbild?

Wie gut also stehen die Chancen für eine Neuauflage? Würde dem Aargau eine solche zugetraut? «Selbstverständlich!», sagt Expo.02-Präsident Franz Steinegger. Die Aargauer Idee findet er auf den ersten Blick «in Ordnung». Natürlich, damit könne man noch keine Landesausstellung machen, die Kultur brauche es zwingend auch, um Ideen zum Ausdruck zu bringen. «Aber ich finde es nicht falsch, wenn die Initiative aus dem Gewerbe kommt.»

An der Expo 02 habe man das Publikum gefragt, ob man dereinst wieder eine Expo organisieren solle. Das Resultat: Vier von fünf Besuchern bejahten – «und erstaunlicherweise vor allem die Jungen, von denen man eher eine kritische Einstellung erwartet hätte». Die Schweiz gehe nicht unter ohne Landesausstellung, aber er finde es nach wie vor «wünschbar, dass wir periodisch etwas haben.»

Hans Ulrich Glarner hatte als ehemaliger Aargauer Kulturchef Planung und Durchführung des Aargauer Tags an der Expo 02 miterlebt und einst die «Aktion Begegnung 91» für die 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft mitgestaltet. Heute ist Glarner Chef des Amtes für Kultur im Kanton Bern und sagt: «Grundsätzlich ist für mich eine Landesausstellung nach wie vor etwas Erstrebenswertes.

Wir brauchen solche kollektive Erfahrungen und Erinnerungen, die eine Generation mitprägen.» Ein mögliches Vorbild könne das Modell Olympia Sion 2026 der Kantone Wallis, Waadt, Bern und Fribourg sein: «Bestehende Infrastrukturen maximal nutzen.» Seien Neubauten nötig, müssten sie nachhaltig erfolgen: Biel etwa habe sich dank der Expo zum See hin geöffnet und «enorm von diesem Schub profitiert. So müsste es im Aargau auch sein».

Der Regierungsrat beobachtet

Skeptischer ist der Aargauer Schriftsteller Klaus Merz. Er sei im ersten Moment «etwas irritiert» gewesen. «Eher seltsam» dünke ihn das bis jetzt mehrheitlich gewerblich-bürgerliche Komitee. «Mein erster Gedanke war: Alles Schweizer Holz, aber nur furniert.»

Er sei unsicher, ob die Idee einer Landesausstellung noch der heutigen Zeit entspreche. Unter den richtigen Voraussetzungen aber wäre eine «Svizra27» für Merz denkbar: «Wenn man das breit gefächert und innovativ aufzieht, könnte ich mir das durchaus vorstellen.» Mit einer Gewerbeausstellung de luxe sei es aber nicht getan.

Und was sagt der Kanton? Noch nicht viel. Der Regierungsrat, so richtet Sprecher Peter Buri aus, «nimmt Kenntnis vom aktuellen Stand der Arbeiten. Er wird die weitere Konkretisierung des Projektes mitverfolgen.» Grundsätzlich halte die Regierung aber fest, dass sie zum heutigen Zeitpunkt aufgrund der schwierigen Finanzlage des Kantons keine Möglichkeit sehe, die Entwicklung eines solchen Grossprojektes finanziell zu unterstützen.

Die mögliche Entstehungsgeschichte einer nächsten Landesausstellung wird weiter geschrieben. Und laut Franz Steinegger waren es auch im Drei-Seen-Land drei, vier Persönlichkeiten, die die Idee vorgebracht, zuerst ihre Regierung und später die Nachbarkantone begeistern konnten.