Junge Unternehmer

Landammann Urs Hofmann über neue Projektwoche: «Wir waren zuerst skeptisch»

Wie kam es zur Lancierung der Projektwoche?

Urs Hofmann: Die heutige ETH-Ratspräsidentin Beth Krasna kam auf uns zu. Sie lancierte ein solches Projekt bereits in der Westschweiz. Sie sagte, der Aargau sei sehr innovativ, wenn es um neue Ideen aus dem wirtschaftlichen Umfeld geht. Ihr Ziel war, die Projektwoche auch in der Deutschschweiz zu starten.

Wie haben Sie zuerst reagiert?

Wir waren zuerst skeptisch. Themen wie Wirtschaft und Unternehmertum werden sonst mit Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren besprochen. Wir dachten erst, dass das mit Kindern im Alter von 9 bis 11 Jahren nicht funktioniert. Der Aargauische Gewerbeverband sowie die Industrie- und Handelskammer reagierten dann spontan sehr positiv und waren auch bereit, das Projekt finanziell zu unterstützen. Also haben wir gestartet.

Sind Sie immer noch skeptisch, ob die Projektwoche bei so jungen Kindern Sinn macht?

Nein. Es haben sich viele Kinder angemeldet und es verblüfft mich, wie aktiv sie mitmachen. Auch nach dem Mittagessen haben sie keine Müdigkeit gezeigt und engagiert weitergearbeitet. Ich habe fast den Eindruck, diese Primarschülerinnen und -schüler sind oft noch viel neugieriger und wissbegieriger als ältere Jugendliche.

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Warum ist es wichtig, Kinder so früh mit Wirtschaft und Unternehmertum zu konfrontieren?

Wichtig ist vor allem, den Kindern die Freude und die Neugier an solchen Themen zu lassen und sie noch gwundriger zu machen. Unter Anleitung lernen sie ganz spielerisch, wie sie Projekte entwickelt können und welche Fragen sich beim Aufbau einer eigenen Firma stellen.

Ist diese Projektwoche also eine Art Start-up-Frühförderung?

Start-up-Förderung ist wohl etwas hochgegriffen. Da denkt man gleich an Hightech-Unternehmen à la Silicon Valley. Hier geht es darum, den Kindern verständlich zu zeigen, wie sie ihre eigenen Ideen im Team weiterentwickeln und im besten Fall auch wirtschaftlich Erfolg haben können. Wichtig ist auch, dass die Kinder lernen, mit Rückschlägen und Frust umzugehen.

Apropos Frust: Es heisst, die Hälfte aller neu gegründeten Firmen mache innert fünf Jahren wieder zu. Warum also sollte man den Schritt trotzdem wagen?

Es ist schade, wenn jemand eine gute Idee hat und sie aus Angst vor dem Scheitern nie realisiert. Die Kinder hatten während dieser Woche auch Besuch von jungen Aargauer Unternehmerinnen und Unternehmern, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben und damit Erfolg hatten. Dies braucht Mut und Selbstvertrauen, und das möchten wir den Kindern mit auf den Weg geben.

Wie profitiert der Kanton Aargau von neuen Unternehmen?

Ein Kanton, in dem die Grundhaltung fehlt, auch Neues zu wagen, hat keine attraktive Wirtschaftslandschaft. Neue Unternehmen generieren Arbeitsplätze und ziehen andere Firmen an. Deswegen ist es wichtig, junge Menschen zu motivieren und innovative Projekte zu unterstützen.

Könnten die Aargauer noch mehr Unternehmergeist zeigen?

Ich glaube, das könnten die Bewohnerinnen und Bewohner eines jeden Kantons.

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