Zeiningen

Landammann Roland Brogli: «Das politische Denken ist kurzfristiger geworden»

Roland Brogli, seit Anfang Jahr zum dritten Mal Landammann, öffnet der az seine Haustüre für ein ganz persönliches Interview. Er sagt, wie er den Aargau vorwärts bringen will – oder dass er seine Frau das erste Mal sah, als sie eine Glücksfee war.

Ein Seitensträsschen, ein schmuckes Haus, ein Hühnerstall vor dem Haus: So wohnt Roland Brogli. Als Landammann ist er dieses Jahr oft unterwegs und selten in Zeiningen. Damit in diesem Paradiesli trotzdem alles rund läuft, dafür sorgt Broglis Frau Rosmarie.

Das wissen auch die Hühner. Am Nachmittag dürfen sie über die Wiesen spazieren. Am Abend wirds gefährlich – der Fuchs schleicht ums Haus. Wehe, die Frau des Landammanns erwischt ein Huhn dabei, wie es kurz vor dem Eindunkeln noch auf der falschen Seite des Geheges nach Körnern sucht.

«Gehst du sofort wieder rein, du freches Huhn.» Und siehe da: Das Huhn hüpft zurück hinter den Zaun. Drinnen im Haus ist es gemütlich. Spielzeug für die Katzen liegt am Boden, getrocknete Pusteblumen baumeln von der Decke, neben dem Küchentisch steht eine Lampe in Form einer Gans und im Wintergarten wachsen sogar Zitronen.

Herr Brogli, Sie haben einen beeindruckenden Zitronenbaum. Was tun Sie mit den Zitronen?

Roland Brogli: Ich wusste auch nicht, dass Zitronen hier so gut wachsen können. Meine Frau hat den Baum gezogen. Nun verwendet sie beim Kochen, wann immer es passt, unsere eigenen Zitronen.

Als Landammann werden Sie überall hin eingeladen. Sehen Sie Ihre Frau überhaupt noch, oder treffen Sie sie bloss an Veranstaltungen?

Wir stellen sicher, dass wir regelmässig Oasen der Ruhe haben. Unsere gemeinsame Zeit ist wann immer möglich am Freitagabend. Dann essen wir gemeinsam etwas Gutes und trinken ein Glas Wein.

Was ist ein gutes Essen?

Spaghetti auf alle Arten. Das ist mein Lieblingsessen.

Sie sind zum dritten Mal Landammann. Was wollen Sie erreichen?

Angesichts zunehmend härterer politischer Auseinandersetzungen, der zunehmend grossen Herausforderungen und knapper werdender Finanzen will ich den Aargau mit voller Kraft weiter vorwärtsbringen. Wir dürfen nicht lahm werden. Ich will, dass trotz Spardruck unsere visionären Projekte und Zukunftsstrategien wie Hightech Aargau oder Projekte im Forschungs-, Sicherheits- und Gesundheitsbereich auf Kurs bleiben und umgesetzt werden. Ich will damit erreichen, dass der Aargau weiterhin seinen Beitrag zum Erfolgsmodell Schweiz leistet.

Wie erholen Sie sich nebst der vielen Arbeit?

Es tönt vielleicht etwas speziell, aber ich erhole mich auch bei der Arbeit. Insbesondere bei der politischen Arbeit. Politische Fragestellungen erschliessen mir immer wieder neue Wissensgebiete – ich muss immer wieder Neues lernen, das ist eine grosse Bereicherung.

Sie brauchen also keine Erholung?

Doch, schon. Ich kann mich auch mit Freunden erholen, oder beim Walken und Wandern.

Worauf freuen sie sich besonders in diesem Jahr als Landammann?

Besonders freue ich mich auf die vielen Begegnungen mit der Bevölkerung, unter anderem am Landammann-Stammtisch. Ich freue mich aber auch auf die Demokratiekonferenz, das Treffen mit Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz und auf das Eidgenössische Jodlerfest in Davos.

Können Sie jodeln?

Man muss auch geniessen können und nicht immer meinen, alles gleich selber machen zu müssen. (lacht)

Fühlen Sie sich zuerst als Aargauer oder als Fricktaler?

Ich bin zuerst einmal stolz auf die Schweiz und ich bin ein überzeugter Aargauer. Aber ich bin auch ein sehr heimatverbundener Fricktaler.

Baselland ist nicht weit. Wären Sie als Baselbieter jetzt auch an der Spitze?

Ich mache mir diese Vorstellung gar nicht. Warum sollte ich?

Sie lesen gern. Gibt es ein Buch, das Sie jedem Aargauer empfehlen?

Ja, «Geld und Geist» von Jeremias Gotthelf. Ein zeitloses Buch, das zu einer gewissen Bescheidenheit und Bodenständigkeit mahnt.

Sie sind seit 24 Jahren glücklich verheiratet. Was ist Ihr Rezept?

Für das Glück gibt es kein Rezept. Wichtig ist, dass man sich Freiraum lässt und dass man auch Respekt hat vor einer gewissen Andersartigkeit des Partners. Nicht jeder Mensch ist gleich, auch in einer Beziehung nicht.

Wie haben Sie sich kennen gelernt?

Das habe ich genau in Erinnerung. Es war an einer Wahlveranstaltung 1985. Da hat ein findiger Parteipräsident ein Glücksrad konzipiert. Das Glücksrad wurde von einer Glücksfee gedreht – meiner zukünftigen Frau.

Als Glücksfee haben Sie sie zum ersten Mal gesehen?

Ja, sie ist mir sehr aufgefallen. Und ich dachte mir: Herrgott, dass es an Wahlveranstaltungen so schöne Frauen gibt. (lacht)

Haben Sie einen Lieblingsort?

Ich gehe oft auf die Habsburg, weil man dort den Überblick und Weitblick hat. Aber ich habe auch hier in der Nähe einen Lieblingsort. Er ist oberhalb von Wegenstetten auf dem Buschberg. In der Zeit der Genesung von meiner Krankheit war ich oft dort. Es ist ein richtiger Kraftort.

Sie haben zwei Katzen, was mögen Sie an ihnen?

Sie sind eigensinnig, suchen manchmal Ruhe vor den Leuten und verschwinden oder kommen und schmeicheln schampar. Das ist ja wahrscheinlich das, was die Menschen an den Katzen gern haben. Nicht, dass sie eigenbrötlerisch sind, sondern dass sie einem schmeicheln.

Wer verwaltet das Geld bei Broglis, der Finanzdirektor oder seine Frau?

Ich.

Ist ein Finanzdirektor schneller beim Ausfüllen der Steuererklärung?

Schneller ist er nicht. Ich mache sie immer an einem Ferientag oder einem Sonntag, und zwar mit Easytax. Das Problem sind ja nur die Belege. Immer nimmt man sich vor, diese während des Jahres zu sammeln und an einem Ort abzulegen. Und wenn man dann die Steuererklärung ausfüllt, muss man sie oft trotzdem suchen.

Der Aargau verändert sich. Welche Veränderungen tun Ihnen weh?

Das politische Denken ist kurzfristiger geworden, manchmal fehlen der Blick fürs Ganze, die Lösungsorientierung und die Kompromissbereitschaft. Wenn die Leute nur ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen, dient das der Gesellschaft nicht.

Die Bahnvorlage Fabi soll auch über eine Begrenzung des Pendlerabzugs finanziert werden. Wenn das Volk zustimmt, kommt die Regierung dann mit einer kantonalen Pendlerabzugsbegrenzung?

Wir haben kein solches Projekt geplant. Und wir gehen nach dieser Volksabstimmung, die hoffentlich positiv ausgeht, nicht hin und führen dies auch im Aargau ein.

Also nicht sofort, aber später?

Wir haben diesbezüglich nichts geplant. Man muss nicht immer gleich den Handlungsspielraum ausschöpfen, den das Steuerharmonisierungsgesetz bietet.

Wollen Sie 2015 für den Ständerat kandidieren?

Ich bin mit Herzblut und Freude Regierungsrat. Momentan stehen wir wie erwähnt vor grossen Herausforderungen. Ich will mich diesen voll und ganz widmen.

Das heisst also nein?

(schweigt lange) Ich habe mir das noch gar nicht so intensiv überlegt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1