Schock
Kurz nach 8 Uhr hörte sein Herz auf zu schlagen

Grosser Schock in Bern: Unternehmer und FDP-Nationalrat Otto Ineichen ist zwei Tage vor seinem 71. Geburtstag völlig unerwartet gestorben. Die Bestürzung über den Tod Ineichens ist gross.

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Völlig unerwartet ist Otto Ineichen gestorben (Bilder: Keystone)
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Otto Ineichen im Parlament
Otto Ineichen wie man ihn kannte: Er liebte die Politik
2009: Otto Ineichen strahlend mit dem Prix Jeunesse
2009: Otto Ineichen mit dem Swiss Award in der Sparte Politik
2003: Otto Ineichen geniesst einen Moment lang seine Ruhe
FDP-Ausflug mit Otto Ineichen
2003: Wenn er Zeit hatte, betätigte sich Otto Ineichen auch sportlich
Der verstorbene FDP-Nationalrat Otto Ineichen (l.) mit Christoph Blocher (Archiv)
Der Luzerner FDP-Nationalrat Otto Ineichen ist tot (Archiv)
Otto Ineichen ist gestorben

Völlig unerwartet ist Otto Ineichen gestorben (Bilder: Keystone)

Keystone

Otto Ineichen ist tot. Laut der Luzerner Staatsanwaltschaft brach Ineichen kurz nach 8 Uhr auf einer Strasse in Sursee zusammen. Mitarbeitende eines nahegelegenen Büros verständigten den Rettungsdienst. Ineichen sei nach Reanimationsversuchen vor Ort verstorben, sagte Simon Kopp von der Luzerner Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Nach Angaben des Luzerner FDP-Nationalrates Albert Vitali hatte Ineichen in der ersten Sessionswoche gefehlt, weil er wegen Herzbeschwerden ins Spital musste. Ineichen habe ihm gesagt, dass es sich um reine Routineuntersuchungen gehandelt habe, sagte Vitali. Am ersten Sessionstag der zweiten Woche habe Ineichen wieder an den Ratssitzungen teilgenommen.

Schilliger wird wohl Nachfolger

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Luzerner FDP- Politiker Peter Schilliger die Nachfolge des am Mittwoch verstorbenen FDP-Nationalrats Otto Ineichen antreten. Schilliger hatte bei den letzten Nationalratswahlen hinter Ineichen sowie Albert Vitali auf dem ersten Ersatzplatz abgeschnitten.

Er werde mit grosser Wahrscheinlichkeit das Amt antreten, sagte Schilliger am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Er wolle sich im Moment aber zu dem Thema nicht weiter äussern.

Klar ist bereits, dass Schilliger die Nachfolge von Otto Ineichen erst in der Herbstsession antreten kann. Entscheidet sich Schilliger nämlich für den Nationalratssitz, muss zuerst die Luzerner Kantonsregierung die Rechtmässigkeit seiner Wahl feststellen und dies den eidgenössischen Räten mitteilen. Auch müssen die Parlamentsdienste prüfen, ob bei Schilliger keine Unvereinbarkeit mit einem anderen Amt besteht.

Der 52-jährige Peter Schilliger ist wie Ineichen Unternehmer. Der gelernte Sanitärzeichner ist Mitinhaber und CEO einer Haustechnik- Firma mit rund 100 Angestellten. Seit 2003 ist Schilliger Mitglied des Luzerner Kantonsparlaments. Seit 2008 präsidiert er zudem die FDP-Kantonalsektion Luzern. (sda)

Nationalratspräsident Hansjörg Walter verkündete die Nachricht von Ineichens Tod am Mittwochmorgen vor dem derzeit tagenden Parlament. Eine Würdigung erfolge zu einem späteren Zeitpunkt, sagte Walter. Im Anschluss darauf erhoben sich die Nationalrätinnen und Nationalräte zu einer Schweigeminute.

1700 Mitarbeiter

Ineichen war verheiratet und Vater von vier Kindern. Er wäre am Freitag 71 Jahre alt geworden. Im Jahr 2003 wurde Ineichen für die FDP Luzern in den Nationalrat gewählt. 2007 und 2011 wurde er vom Volk im Amt bestätigt.

Bekannt wurde er mit seiner 1978 gegründeten Warenhauskette Otto's. In seinen Läden, die ursprünglich Otto's Schadenposten hiessen, verkaufte Ineichen Waren, die er aus Restposten anderer Firmen erworben hatte. Das Unternehmen mit Filialen in der ganzen Schweiz beschäftigt heute 1700 Mitarbeiter.

Ineichen gehörte dem Nationalrat seit September 2003 an. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Politiker Ineichen durch sein Engagement für Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, bekannt. Er war auch Gründer der Organisation Speranza, die Firmen dazu animierte, Ausbildungsplätze für junge Menschen anzubieten.

Für dieses Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er von der Jugendsession den Prix Jeunesse 2009. Ein Jahr später wurde er zum Politiker des Jahres gewählt.

«Bestürzung und Trauer»

«Mit Otto Ineichen verlieren wir eine charismatische und liebenswürdige Persönlichkeit, die sich als Unternehmer und Politiker sein Leben lang mit Herzblut für sozial schwächere Mitmenschen eingesetzt hat», teilte die Geschäftsleitung von Otto's mit.

«Mit Bestürzung und Trauer» hat die FDP am Mittwochmittag vom Tod Ineichens erfahren. Ineichen habe sich in den vergangenen Jahren mit «riesigem persönlichem Einsatz» für die Menschen in der Schweiz eingesetzt, teilte die FDP mit. Die Partei werde sich mit grossem Dank und Respekt an diesen liebenswerten Menschen erinnern.

Auch FDP-Fraktionspräsidentin Gabi Huber zeigte sich bestürzt über den Tod. Die FDP verliere nicht nur einen engagierten Politiker, sie selber verliere auch einen guten Freund. Huber sagte, dass die FDP am Fraktionsausflug vom Mittwochnachmittag festhalte.

Besuchen will die FDP-Fraktion das «Energieprojekt Surental». Es wäre im Sinne Ineichens, den Besuch durchzuführen, sagte Gabi Huber. (sha/sda)

Reaktionen von Schweizer Parlamentarieren

Lukas Reimann (SVP/SG)

Otto Ineichen verstand es ausgezeichnet, über Parteigrenzen hinweg Allianzen zu schmieden. So hat er unsere Transparenz-Initiative immer mit vollem Engagement unterstützt. Sein Tod ist ein grosser Verlust für das Bundesparlament.

Walter Müller (FDP/SG)

Ich bin schockiert. Noch vorgestern haben wir zusammen gelacht und Spässe gemacht. So nahe sind Freud und Leid im Leben manchmal beieinander.

Brigitte Häberli (CVP/TG)

Otto war ein starker, fröhlicher Mann. Ich hätte nicht gedacht, dass er in diesem Ausmass gefährdet ist. Der Schweiz geht ein konsensorientierter, origineller Politiker verloren. (ssm)