Gunhild Hamer ist Leiterin der Fachstelle Kulturvermittlung. Sie hat eine klare Vorstellung: Jedes Kind im Aargau soll im Laufe seiner Schulzeit möglichst oft mit kulturellen Inhalten in Kontakt kommen. Deshalb hat ihre Fachstelle 2005 das Programm «Kultur macht Schule» lanciert. Inzwischen ist das «Halbtax zur Kultur» eine feste Einrichtung in der Aargauer Schullandschaft geworden. Jährlich profitieren rund 80 000 Schulkinder von den kulturellen Angeboten in zahlreichen Sparten. Damit ist man dem erklärten Ziel schon ziemlich nahe. Und das mit Kosten von bloss Fr. 7.50 pro Kind. «Kultur macht Schule» erweist sich als aargauische Erfolgsgeschichte.

Frau Hamer, warum ist «Kultur macht Schule» so erfolgreich?

Gunhild Hamer: Wir bieten den Schulen erschwingliche kulturelle Angebote. Sie können aus einem grossen Angebot auswählen. Stufengerecht und von hoher Qualität. Zudem trägt der Kanton die Hälfte der Kosten. Wir pflegen den Dialog mit den Schulen, sind beratend tätig. So kommen die Lehrpersonen ohne grossen Aufwand günstig zu qualitativ guten kulturellen Inhalten. Und was uns freut: In den meisten Schulhäusern gibt es inzwischen Kulturverantwortliche. Sie sagen uns, was sie brauchen, was tauglich ist.

Der Kanton bezahlt die Hälfte der Kosten. Woher stammt das Geld?

«Kultur macht Schule» erhält jährlich 620 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds. Das ist äusserst sinnvoll eingesetztes Geld, finde ich. Wir arbeiten effizient und gezielt, unsere Fachstelle umfasst gerade mal 2,6 ordentliche Stellen. Wir arbeiten also sehr schlank. Ich hoffe natürlich, dass wir in diesem Rahmen weitermachen dürfen, trotz Spardruck.

Warum ist «Kultur macht Schule» wichtig?

Die Begegnung und Auseinandersetzung mit Kunst, Kultur und Kulturgeschichte ist Bestandteil der Bildung. Und die Schule ist der einzige Ort, wo wir alle Kinder erreichen. Man weiss auch, dass der Entscheid, ob sich jemandem die Welt der Kultur öffnet oder nicht, häufig bereits in der Kindheit fällt: Vielen bleibt der erste Theater- oder Museumsbesuch unvergesslich und weckt Lust auf mehr.

In den Angeboten von «Kultur macht Schule» tauchen vor allem Aargauer Künstlerinnen und Künstler auf. Ist das Absicht?

Ja. Aargauer Künstler haben einen festen Platz in unserem Angebot. Aber natürlich nur, wenn die Qualität stimmt. Ergänzend nehmen wir auch ausserkantonale Künstlerinnen und Künstler auf, wenn sie Angebote haben, die für Schulen besonders attraktiv sind. Zum Beispiel der Rapper Greis – der wird übrigens häufig gebucht. Für uns ist die Nachfrage der Schulen ein wichtiges Kriterium bei der Erstellung des Angebots.

Und gibt es neben Greis auch andere Renner?

Selbstverständlich. Im Theaterbereich sind das etwas Salto & Mortale, Jörg Bohn und Mark Wetter. Oder der Graffiti-Künstler Pirmin Breu. Sehr beliebt sind die Ausstellungsbesuche im Stapferhaus, im Aargauer Kunsthaus oder die Angebote auf den Schlössern; immer mehr Schulen planen aber auch fix den jährlichen Fantoche-Besuch ein.

Sie leiten nicht nur die Fachstelle, als Regisseurin sind sie auch Künstlerin. Ist das ein Vorteil bei der Arbeit für «Kultur macht Schule»?

Ich glaube, es ist ein Vorteil, wenn man sich in beiden Bereichen bewegt und die beiden Systeme «Schule» und «Kulturschaffende» kennt. So fällt es leichter, zu vermitteln, Verbindungen zu schaffen, massgeschneiderte Angebot zu kreieren.

Der Erfolg lässt sich ja auch daran ablesen, dass das Angebot auch ausserhalb des Aargaus auf grosses Interesse stösst.

Das ist so. Ich glaube, inzwischen hat sich fast jeder Kanton erkundigt, wie unser Modell genau funktioniert, wir wurden nach München und Berlin eingeladen, es gab auch Anfragen aus Österreich und Belgien.

Seit zehn Jahren ist «Kultur macht Schule» erfolgreich. Was müssen Sie tun, damit das so bleibt?

Wir dürfen nicht nachlassen. Wir müssen weiterhin Qualität bieten und aktuell sein. Fächer- und spartenübergreifend können wir noch Angebote konzipieren. Und wir brauchen neue Formate im Bereich digitaler Kultur, dies damit sich die Schülerinnen und Schüler auch der kreativen und kritischen Auseinandersetzung mit den digitalen Inhalten und Medien stellen. Da sind auch die Künstler gefordert.