Tag der Frau
«Kühe haben es einfacher als Frauen»: 450 Personen demonstrieren für Gleichberechtigung

Am Tag der Frau sind zahlreiche Aargauerinnen und Aargauer vom Bahnhofplatz zum Holzmarkt marschiert. Allen voran die beiden Aargauer Nationalrätinnen der SP und der Grünen, Yvonne Feri und Irène Kälin.

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Demonstration für Gleichstellung, Aarau
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Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Für Gleichstellung auf die Strasse Am internationalen Frauentag wird in Aarau demonstriert. Über 20 Verbände fordern vom Kanton die Erhaltung der Fachstelle für Gleichstellung.
Demonstration für Gleichstellung, Aarau Allen Voran die beiden Aargauer Nationalrätinnen der SP und der Grünen, Yvonne Feri und Irène Kälin.
Demonstration für Gleichstellung, Aarau Irène Kälin (im Bild) hält ihre Rede.
Demonstration für Gleichstellung, Aarau «Ich bin ein Schweizer Knabe», singen Knuth und Tucek auf der Bühne.
Demonstration für Gleichstellung, Aarau Yvonne Feri (im Bild) auf dem Podium.
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demo zum Tag der Frau (Aargau)
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Demonstration für Gleichstellung, Aarau
Vor einer Woche übergaben mehrere Gruppierungen Ratspräsident Benjamin Giezendanner 1200 Unterschriften für den Erhalt der Fachstelle Gleichstellung.
Das sind die Forderungen der Demonstrierenden.
Die Juso bringen sich in Stellung.
Besammlung am Bahnhof in Aarau.
«Wir sind laut, weil ihr unsere Rechte klaut!»
Die Autos müssen warten.
Die Politprominenz führt den Zug an.
Irène Kälin auf dem Podium.
Die Kundgebung auf dem Holzmarkt.
Yvonne Feri kritisiert, dass der Ständerat die Vorlage zur Lohngleichheit letzte Woche zurückgewiesen hat. Die Herren Ständeräte – selbstverständlich.
Zum Abschluss der Demo gibt es noch ein Stück von Knuth und Tucek und dazu Tee und Kuchen.

Demonstration für Gleichstellung, Aarau

Chris Iseli

«Wir lehnen die Initiative ab, weil sie naturgegebene Tatsachen völlig ausser Acht lässt und unserem Verständnis der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau nicht entspricht.» Das schrieb die Aargauer Regierung am 12. Juni 1978 in ihrer Stellungnahme zur Volksinitiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau». Irène Kälin, Nationalrätin der Grünen, hat das Schreiben passend zum gestrigen Tag der Frau auf Twitter verbreitet:

Der Regierungsrat war 1978 – wenig überraschend – ein Männergremium. Und die Regierungsräte Arthur Schmid, Hans-Jörg Huber, Kurt Lareida, Jörg Ursprung und Louis Lang waren als Gremium dagegen, den Frauen die gleichen Rechte zu geben, die sie selbst genossen. Auf sein Verständnis der Rollenverteilung ging der Regierungsrat in der Stellungnahme zwar nicht näher ein. Das Bild dürfte der Frau in der Rolle der liebevollen Mutter und tüchtigen Hausfrau entsprochen haben.

Seit der Stellungnahme sind bald 40 Jahre vergangen. Die Gleichstellung von Frau und Mann ist inzwischen ein Verfassungsauftrag. Das konnte auch das Aargauer Männergremium nicht verhindern. Doch trotz gesetzlicher Verankerung seit 1981 ist die Gleichstellung der Geschlechter in der Praxis bis heute nicht umgesetzt. Frauen verdienen für die gleiche Arbeit laut Bundesamt für Statistik 7,4 Prozent weniger als Männer – ohne dass sich dieser Unterschied objektiv erklären liesse. Ausserdem sind sie in Führungsposi-tionen und in der Politik untervertreten. Es gibt also weiterhin genug Gründe, sich gegen die Ungleichheit zu wehren.

Trillerpfeifen und Fahnen

Das geschah gestern Abend in Aarau. Rund 450 Frauen und Männer haben am Tag der Frau für die Gleichstellung und den Erhalt der Fachstelle für Gleichstellung demonstriert. Vom Bahnhof zog eine bunte, friedliche Gruppe durch die Stadt. An vorderster Front: Die Nationalrätinnen Irène Kälin (Grüne) und Yvonne Feri (SP), die später beim Holzmarkt als Rednerinnen auf die Bühne stiegen.

Aber auch Elisabeth Burgener, die Co-Präsidentin der SP Aargau, oder Juso-Präsidentin Mia Jenni marschierten hinter dem Banner, das die Rettung der Gleichstellung im Aargau forderte. Die Demonstrierenden waren ausgerüstet mit Trillerpfeifen und bunten Fahnen. «Wir sind laut, weil ihr unsere Rechte klaut!», war weiter hinten auf einem Leintuch zu lesen. «Mitmarschieren, solidarisieren!», skandierten die Demonstrierenden und versuchten, die Schaulustigen am Strassenrand zu animieren.

Von Strassen und Kühen

Gleichstellung in der Verwaltung prüfen

Bei den Kantonsangestellten sind die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gering. Eine Analyse der Regierung im Jahr 2011 ergab eine Differenz von 0,9 Prozent. Die SP-Grossrätin Claudia Rohrer interessiert die aktuelle Situation. In einem Postulat verlangt sie von der Regierung aufzuzeigen, wie der Grosse Rat «regelmässig und zweckmässig» darüber informiert werden kann, wie sich die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in den einzelnen Abteilungen entwickeln.

Dabei interessiert sie sich besonders für die Gerichte und die Polizei. In der Antwort soll die Regierung auch aufzeigen, wie die Besoldung von Männern und Frauen in der gleichen Lohnstufe verteilt ist und wie viele Frauen und Männer der jeweiligen Lohnstufe zugeordnet werden. (nla)

Auf der Bühne versprach Irène Kälin, sie werde den Grundsatz «gleicher Lohn für gleiche Arbeit» so lange zitieren, bis er umgesetzt sei. «Es ist die traurige Realität, dass es Kühe heute in Bundesbern einfacher haben auf ihre Kosten zu kommen als Frauen», sagte sie. Der Aargau gebe sein Geld lieber für Strassen aus als für Frauen. «Die Aargauer Strassen haben eine eigene Kasse. Unsere Frauen nicht einmal mehr eine Fachstelle für Gleichstellung.» Normalerweise werde eine Fachstelle abgeschafft, wenn sie ihren Auftrag erfüllt habe. Davon könne im Aargau keine Rede sein.

Bevor Yvonne Feri die Bühne betrat, spielte die Band Knuth und Tucek das Lied vom «Schweizer Knaben» mit einem passenden (ironischen) Reim zum Anlass der Demonstration: «Ich bin ein Schweizer Knabe und spare mit Plaisir. Fachstellen fusionieren, ist ein Hobby von mir. Das gehört feministisch nicht moniert. In Alter und Familie ist die Frau eh integriert.»
Yvonne Feri kritisierte anschliessend in ihrer Rede den Entscheid des Ständerates – beziehungsweise der Herren Ständeräte. Sie wiesen letzte Woche die Vorlage zur Lohngleichheit an die Kommission zurück. Dieses Vorgehen sei eine Ohrfeige für alle Frauen und zeige, dass noch Einiges im Argen liege.

«Wir wollen, dass Frauen und Männer respektvoll miteinander umgehen und sich Wertschätzung entgegenbringen», sagte Feri. Leider sei das heute nicht so. «Und genau deshalb brauchen wir eine Fachperson und Fachstelle.» Die Demonstrierenden vor der Bühne schwenkten ihre Fahnen, klatschten und machten noch einmal Lärm für etwas, das in der Schweiz und im Aargau eigentlich seit Jahren selbstverständlich sein sollte.

Lesen Sie hier den Liveticker zur Demonstration nach:

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