Es ist traurig aber wahr: «Kuh Wendi starb heute qualvoll wegen einer Wodkaflasche im Futter», steht in grossen Buchstaben auf ein Leintuch gesprayt.

Bäuerin Ria Gaberthüel vom Birchenfeld in Oftringen hat das Transparent am Zaun der Weide befestigt. «Die Leute schmeissen einfach alles in die Wiese», ärgert sie sich.

So müsse im letzten Jahr eine Wodkaflasche ins Heu gelangt sein. Beim Pressen der Siloballen wurde die Flasche in viele Teile zerkleinert.

«Als wir das Heu bei der Fütterung im Stall verteilten, hörten wir Scherben klirren», sagt Ria Gaberthüel. Sofort hätten sie und ihr Mann Fritz Suter versucht, die Glasstücke zu entfernen.

Für Kuh Wendi kam aber jegliche Hilfe zu spät. Sie hatte bereits Scherben gefressen. «Am nächsten Morgen mussten wir sie töten lassen», sagt Ria Gaberthüel.

Das Tier habe nicht mehr atmen und schlucken können und zu fest gelitten. Wendis drei Monate altes Junges litt ebenfalls. «Wädi hat ‹brüelet› weil er seine Mutter suchte.»

Der Fall ist keine Seltenheit

Insgesamt leben im Stall auf dem Birchenfeld 33 Tiere; davon 18 Kühe, der Rest Rinder und Kälber.

Wendi ist das erste Tier, das weggeworfenem Abfall zum Opfer gefallen ist – im Stall von Fritz Suter zumindest.

Fälle dieser Art sind aber leider keine Seltenheit, wie Claudia Syring vom Rindergesundheitsdienst der Universität Bern auf Anfrage sagt. Und: «Scherben können zu inneren Verletzungen führen.»

Werde die Speiseröhre durch die scharfen Kanten angeschnitten, könne ein Tierarzt nichts mehr ausrichten. «Gelangen andere Gegenstände in den Vormagen, kann allenfalls eine Operation in Betracht gezogen werden.»

Gerade, wenn Wiesen in der Nähe von Autostrassen gemäht würden, könne die Anzahl solcher Erkrankungen steigen. «Weil Leute den Abfall aus dem Fenster schmeissen.»

Mit den heutigen diagnostischen Möglichkeiten könnten viele Ursachen gefunden werden, jedoch nicht alle.

«Das einzige, was die Bauern tun können, ist, Schilder aufzustellen und Autofahrer darauf aufmerksam zu machen, nicht einfach Dinge aus dem Fenster zu werden.»

Wenn möglich sollten die Landwirte auch das Grundfutter vor dem Verfüttern kontrollieren.

Keine Anzeige erstattet

Auf eine Anzeige bei der Polizei gegen unbekannt haben Ria Gaberthüel und Fritz Suter verzichtet. «Das bringt ja nichts, unser Tier ist tot», sagt die Bäuerin.

Ein Plakat habe sie aber als sinnvoll erachtet. «Die Leute müssen wissen, was passiert, wenn sie einfach den Müll wegwerfen.»

Zu viele Bauern würden über solche Vorfälle schweigen. Auch sei es ihr wichtig, zu betonen: «Die Tiere haben bei uns oberste Priorität.» Sie verstehe nicht, dass so etwas ausgerechnet auf ihrem Bauernhof passieren müsse.