Zu viel Forschung, zu wenig Lehre - nach den Dozierenden kritisieren die Studierenden den fehlenden Praxisbezug an der Pädagogischen Hochschule (PH) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Das geht aus einer Umfrage unter Studierenden des Studiengangs Sek-II hervor, die der Zeitung „Die Nordwestschweiz" vorliegt.

Nur 14 Prozent der befragten Studierenden geben darin an, dass die theoretischen Erkenntnisse regelmässig praktisch umgesetzt würden. Für die restlichen 86 Prozent ist die praktische Umsetzung dagegen ungenügend. Eine Mehrheit der Studierenden kritisiert dazu, wegen ihrer Praxisferne von der Mehrheit der erziehungswissenschaftlichen Fächer wenig zu profitieren.

Eine Umfrage unter Studierenden

Besonders frappant: Drei Viertel der Befragten geben an, dass mehr als die Hälfte der Seminare didaktisch ungenügend gestaltet sind. Unterricht für künftige Lehrer, der didaktisch ungenügend gestaltet ist? Welchen Vorbildern sollen die künftigen Lehrer nacheifern? In Bezug auf die Zufriedenheit mit der Ausbildung an der PH haben solche Eindrücke verheerende Auswirkungen: Nur 15 Prozent geben an, mit der Lehrerausbildung an der PH Nordwestschweiz zufrieden zu sein.

Die Fragebögen reichten vier unzufriedene PH-Studierende im vergangenen Mai in Lehrveranstaltungen durch die Sitzreihen. 114 der 143 befragten Personen gaben Antwortbögen zurück, die ausgewertet werden konnten. Gemäss PH-Sprecher Christian Irgl sind derzeit etwas mehr als 500 Studierende für den Studiengang Sek-II angemeldet. Die Studierenden schreiben in ihren Auswertungen, die Ergebnisse seien repräsentativ.

Ob repräsentativ oder nicht - der PH-Leitung müssen die Ergebnisse zu denken geben, wenn weit mehr als 100 der 143 Studierenden angeben, mit der Ausbildung unzufrieden zu sein.

Zuständiges Institut involviert

Die Umfrage initiierten die vier Unzufriedenen, um etwas Handfestes fürs Gespräch mit dem PH-Rektor Hermann Forneck zu präsentieren, der sie im Juni zur Sprechstunde empfing. PH-Sprecher Irgl bestätigt das Treffen zwischen den Studierenden und Forneck. Zur Kritik aus den Reihen der Studierenden nimmt er folgendermassen Stellung: „Wir haben diese Rückmeldungen ernst genommen und das zuständige Institut Sek-I und Sek-II mit der Bearbeitung beauftragt." Er betont zudem, dass die PH zur Qualitätssicherung im Dreijahresturnus eigene Evaluationen der Lehrveranstaltungen durchführe.

Nach der Kritik der Dozierenden (wir berichteten darüber) trifft die Kritik der Studierenden die PH zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Auch wenn Irgl von der PH betont, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun habe: Die Ausbildungsstätte läuft Gefahr, dass nach den Dozierenden auch Scharen von Studierenden ihr den Rücken kehren.