«Schlechter Bildungsdirektor, unsozialer Arbeitgeber, nichts begriffen» – die Vorwürfe, die sich Landammann Alex Hürzeler vor zehn Tagen bei den Bezirkslehrern zum geplanten Sparpaket anhören musste, sind hart. In einer Resolution kritisieren die Lehrer die «unsinnigen Sparmassnahmen» und künden an, «die neue Kröte schlucken wir nicht».

Eine Gruppe von 35 Lehrpersonen aus Wettingen empfahl Eltern begabter Schüler in einem az-Leserbrief gar, ihre Kinder künftig in ein Zürcher Langzeitgymnasium zu schicken. Dort würden sie besser gefördert als im Aargau, wo ein massiver Abbau bei den Wahlfächern geplant sei.

Christian Greutmann, Lehrer für Zeichnen und Freies Gestalten an der Bezirksschule Wettingen, räumt ein, dass diese Empfehlung provokativ sei. «Wir hoffen natürlich, dass der Regierungsrat seine Pläne überdenkt und das breite Wahlfachangebot in unserem Kanton erhalten bleibt.» Dies sei aus seiner Sicht eine Kernqualität der Aargauer Schulen.

Schulleitungen wollen mitreden

Rolf Wernli, Schulleiter der Bez Wohlen, macht sich keine Illusionen. «Wenn der Kanton sparen muss, wird auch der Bildungsbereich nicht verschont bleiben.»

Er wünscht sich aber mehr Mitsprache der Schulen. «Warum, Herr Hürzeler, haben Sie uns nicht gefragt, wo man sparen könnte, ohne dass es Lehrpersonen und Schülern derart wehtut?», fragte Wernli den Bildungsdirektor an der Konferenz der Aargauer Bezirkslehrer.

Auf Nachfrage der az kritisiert Wernli, dass die Sparmassnahmen vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) ohne Rücksprache mit den Schulen verordnet worden seien.

«Das ist zentralistische Bürokratie und passt nicht zur viel zitierten Kultur der geleiteten Schule vor Ort, wo die Schulleitungen mehr Verantwortung übernehmen sollen», sagt Wernli.

Sinnvoller wäre aus seiner Sicht, das BKS würde den Schulen einen Sparauftrag mit einem gewissen Betrag oder einer festen Anzahl Lektionen erteilen.

Sascha Giger, stellvertretende Leiterin Kommunikation beim BKS, sagt dazu: «Bisher haben wir von den Lehrerverbänden noch keine konkreten Vorschläge zu diesem Thema erhalten».

Giger betont, die Verbände hätten «die Möglichkeit, sich im Rahmen der Vernehmlassung zu den Sparmassnahmen im Bildungsbereich zu äussern, wie dies bei solchen Vorlagen üblich ist.»

Sparpläne über das Ziel hinaus?

Das kantonale Sparpaket sieht vor, im Bereich der Wahlfächer ab 2015 mit verschiedenen Massnahmen (vgl. Box) jährlich 650 000 Franken einzusparen.

Wernli behauptet aber: «Wenn alle geplanten Massnahmen umgesetzt würden, wird das deklarierte Sparziel mehrfach übertroffen.»

Er geht dabei von Berechnungen des BKS vom Juli zum Personalaufwand aus. Demnach kostet eine Lektion an der Bezirksschule 5524 Franken, der Kanton bezahlt einen Anteil von 3590 Franken.

Teilt man die vorgesehenen Einsparungen in Höhe von 650 000 Franken durch diesen Betrag, ergibt sich ein Sparziel von 181 Lektionen.

Wernli ist aber überzeugt, dass mit den Sparplänen der Regierung deutlich mehr Lektionen wegfallen würden. Er macht ein Beispiel: «Angenommen, in jeder der 44 Bezirksschulen im Aargau wird das Italienisch in der 3. Klasse gestrichen, ergibt das bereits eine Einsparung von 132 Lektionen.»

BKS soll Berechnungen offenlegen

Wernli fordert deshalb, das BKS müsse «seine Berechnungen für die Einsparungen transparent machen». Zudem müsse verhindert werden, dass die Sparmassnahmen bereits im kommenden Jahr umgesetzt würden.

Das wichtigste Anliegen ist für Rolf Wernli aber die Mitsprache. Er hat dem Präsidenten des Bezirkslehrerverbands ans Herz gelegt, der Verband könnte «in Zusammenarbeit mit den Bezirksschulen einen Vorschlag machen, wie die angestrebten rund 180 Lektionen – oder was die Berechnungen des BKS ergeben – für den ganzen Kanton pro Jahr eingespart werden können».

Christian Greutmann möchte hingegen auf Einsparungen verzichten: «Mit der Umstellung auf das Modell 6/3 ergeben sich im Bildungsbereich durch tiefere Personalkosten schon Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich. Dies ist genug, weitere Kürzungen wie jetzt bei den Wahlfächern sind nicht zu verantworten», sagt der Wettinger Zeichnungslehrer.

Greutmann gibt zu bedenken, dass der Spareffekt mit 650 000 Franken relativ gering ausfallen würde, aber sehr viele Schüler betroffen wären.