«Es gibt keine Tabuthemen», schrieb der Verband Aargauer Muslime auf die Einladung zum Tag der offenen Moschee. Interessierte sollten sich vor Ort selber ein Bild machen, mit den Musliminnen und Muslimen diskutieren und Vorurteile abbauen. In Gebenstorf kamen immerhin ein paar Besucher, vorwiegend aus kirchlichen Kreisen. Kritische Fragen scheuten sie nicht und die Verantwortlichen beantworteten diese klar und gekonnt.

Als wegen einer Schlägerei Ende August die neue Moschee in die Schlagzeilen kam, wurde noch sehr unklar kommuniziert. Es war die Rede von einem scheinbar radikalen Imam, der entlassen worden sein soll und dessen Abschiedspredigt in eine Massenschlägerei ausartete. Alles Unfug, will der islamisch-albanische Verein, der die Moschee führt, ein für alle Mal geklärt haben.

Sprachhindernisse und Spekulationen hätten zu den Missverständnissen geführt, sagt Vereinssekretär Emra Alijevski. Der Vorfall sei eine über Jahre angestaute familieninterne Angelegenheit gewesen, und diese Familie habe ihren Streit ausgerechnet im Gebetshaus ausgetragen – zum dümmsten Zeitpunkt überhaupt für die sehr junge Moschee.

Der Imam habe zudem niemals radikale Predigten gehalten. Der Verein habe sich von ihm getrennt, weil er nicht mehrmals in der Woche unentgeltlich nach Gebenstorf kommen konnte.

Noch kein Raum für die Frauen

«Bekommen Sie Geld von den Saudis?», wollte ein Mann wissen. «Nein», antwortete Halit Duran, Präsident des Verbands Aargauer Muslime. Ein Teil der türkischen Moscheen bekämen Imame aus der Türkei gestellt, sonst würden die Vereine alle Kosten übernehmen.

«Befürworten Sie eine Schweizer Ausbildung für Imame?», fragte eine Frau. Halit Duran würde dies sehr begrüssen. Als eine mögliche Vorstufe könnten sich Schweizer Maturanden heute in der Türkei ausbilden lassen, wobei sie ein Stipendium erhalten. «Das könnte ein erster Ansatz sein, da diese Jugendlichen mit den Schweizer Werten bestens vertraut sind», sagt er.
Eine Besucherin fragte Halit Duran, warum sich gemässigte Muslime nicht von radikalen Predigern distanzieren würden. Er erklärte: «Wenn man sich von etwas distanziert, heisst das, dass man Teil davon ist – und das sind wir eben nicht. Wir verurteilen deren Aussagen und dulden in unseren Moscheen keine Werbung von diesen Kreisen.»

Auch beim Nachmittagsgebet durften die Besucher zuschauen. Als Zeichen der Hingabe knien die Männer in Richtung Mekka und berühren dabei mit ihrer Stirn den Boden. Mit diesem Niederwerfen zeige man Demut und Dankbarkeit gegenüber Gott. «Wo beten die Frauen?», wollte eine Besucherin wissen. Zu gewissen Zeiten würden die Frauen den Gebetsraum nutzen, zu anderen die Männer. Einen eigenen Raum für die Frauen gebe es noch nicht. Der Ausbau der beiden Obergeschosse sei aber noch im Gange. Dort sei geplant, einen Raum einzurichten.

Von der Gemeinde kam niemand

Hinter der Moschee in Gebenstorf steht eine islamisch-albanische Gemeinschaft der Region. Von den 22 Moscheen im Aargau bedienen die meisten jeweils Muslime eines gewissen Sprach- oder Kulturkreises. Die Moschee in Koblenz etwa ist bosnisch, die in Neuenhof türkisch. Nur die grosse, neue Moschee in Wohlen ist eine Art allgemeine Zentralmoschee, die von Gläubigen von einem weiteren Umkreis besucht wird.

20 Jahre lang führe die islamisch-albanische Gemeinschaft ihre Moschee im nahe gelegenen Kirchdorf. Nach Gebenstorf zog sie, weil der Platz knapp wurde. Während acht Monaten arbeiteten Vereinsmitglieder und Bekannte unentgeltlich am Umbau der ehemaligen Pizzeria.
Die Gebenstorfer Moschee muss vor allem als Vereinslokal verstanden werden. Am Eingang hängen etwa Plakate mit Einladungen für Fussball-Turniere. Auch ein grosser Check im Wert von 500 Franken ist dort prominent platziert – eine Spende der Kirche Nussbaumen.

Der Verein sei bestrebt, dem Gebenstorfer Gemeinderat näher zu kommen, selbst wenn dieser den Bau der Moschee jahrelang zu verhindern versuchte. Von den Behörden kam niemand an den Tag der offenen Moschee. «Wir hoffen, mit neu gewählten Gemeinderat ab nächstem Jahr ein besseres Verhältnis aufbauen zu können», sagte Vereinssekretär Emra Alijevski.