Seniorenliste

Kritik: Junge SVP findet, im Nationalrat sitzen bereits genug ältere Politiker

Im Bild Alt-Nationalrätin Gabrielle Nanchen.

Seniorinnen und Senioren sind in National- und Ständerat bereits genügend gut vertreten, findet die Junge SVP Aargau.

Im Bild Alt-Nationalrätin Gabrielle Nanchen.

Die Junge SVP sagt, es gebe auch ohne die Seniorenliste von Maximilian Reimann genug ältere aktive Politiker. Tatsächlich: Die bis 30-Jährigen sind am schlechtesten vertreten.

Der Fricktaler SVP-Nationalrat Maximilian Reimann wurde von der SVP nicht mehr für die Nationalratswahlen vom Oktober nominiert. Das hält ihn aber nicht davon ab, trotzdem zu kandidieren. Am Dienstag hat er, zusammen mit fünf weiteren Kandidierenden, die überparteiliche Aargauer Seniorenliste «Team 65+» vorgestellt. Die jüngste Kandidatin auf der Liste ist 58 Jahre alt, der älteste ist Reimann mit 76. So soll sichergestellt werden, dass die Seniorinnen und Senioren im nationalen Parlament angemessen vertreten sind, sagt Reimann.

Die Junge SVP (JSVP) des Kantons Aargau sieht das kritisch. Sie teilte am Dienstag mit: «Sesselkleber hat es genug in Bern.» Wirklich untervertreten im Nationalrat seien nicht die Älteren, sondern die Generation der 25- bis 34-Jährigen, schreibt die JSVP. «Es besteht das Bedürfnis, dass junge Kandidaturen gefördert werden», denn es sei die Zukunft der Jungen, über welche in Bern entschieden werde. «Wir müssen viel länger mit den Konsequenzen der heutigen Politik leben als die heutigen Senioren», stellen die Jungpolitiker klar.

Seine Argumente legte Reimann am Dienstagabend in der Sendung «TalkTäglich» dar:

«Das darf ja nicht sein»: Deshalb braucht es laut Maximilian Reimann eine Senioren-Liste

«Das darf ja nicht sein»: Deshalb braucht es laut Maximilian Reimann eine Senioren-Liste

Die wichtigsten Aussagen aus der Sendung «TalkTäglich» mit den beiden «Team65+»-Kandidaten Maximilian Reimann und Barbara Buhofer.

Junge Kälin, alter Reimann

Tatsächlich: Laut Parlamentsdiensten des Bundes liegt das Durchschnittsalter im Nationalrat bei 52 Jahren, im Ständerat gar bei 58. Im Dezember 2018 waren 77 von den insgesamt 246 Parlamentarierinnen und Parlamentariern über 60 Jahre alt, 27 bereits über 65. Demgegenüber waren nur zwei unter 30 und nur 38 unter 40 Jahre alt. Der grösste Teil ist zwischen 40 und 60 Jahre alt: 141 Parlamentarier gehören in diese Altersgruppe. Der Altersdurchschnitt im Parlament ist ziemlich stabil, Mitte der 1980er-Jahre hat er sich auf dem heutigen Niveau eingependelt.

Der älteste amtierende Aargauer Parlamentarier ist Maximilian Reimann, die jüngste ist derzeit die Grüne Irène Kälin, die Jahrgang 1987 hat. Im Durchschnitt waren die Aargauer Parlamentarier Ende des letzten Jahres knapp 55 Jahre alt. Gut möglich, dass es mit den nächsten Wahlen zu einer Verjüngungskur kommen wird, denn einige ältere Semester aus SVP und FDP treten nicht mehr an und die von den Parteien nominierten Personen gelten zum allergrössten Teil noch nicht als Senioren.

CVP hat die älteste Liste

Von den grösseren Parteien hat die SP die «jüngste» Liste. Die Kandidatinnen und Kandidaten bringen es im Durchschnitt auf knapp 42 Jahre (Stand Ende 2018). Die Grünen sind mit gut 43 Jahren die zweitjüngsten, nur wenig älter (44,5 Jahre) sind die SVPler im Durchschnitt. Klar die älteste Liste stellt die CVP: Diese Kandidierenden sind im Durchschnitt 51 Jahre alt, die zwei Spitzenkandidatinnen Ruth Humbel (bisher, Jahrgang 1957) und Marianne Binder (Jahrgang 1958) sind älter als der Durchschnitt. Die jüngste Kandidierende, Christine Bachmann-Roth, ist zudem bereits 35 Jahre alt.

Die Seniorenliste «Team 65+» ist laut Maximilian Reimann zwar noch nicht fertig, zwei weitere Kandidierende sollen noch nominiert werden. Stand jetzt liegt das Durchschnittsalter der «Senioren» aber bei genau 65 Jahren – auf der AHV-Grenze.

Selbstredend sind die Kandidierenden der Jungparteien im Durchschnitt jünger. Allerdings stehen diese Nominierungen teilweise noch aus. Die JSVP wird am Samstag in Aarau nominieren, mit 16 «willigen, jungen Kandidatinnen und Kandidaten» will die Jungpartei den Einzug in den Nationalrat schaffen. Man könne aber durchaus auch Kandidatinnen auf der SVP-Liste berücksichtigen, welche die jüngere Generation vertreten, schreibt die JSVP: Stefanie Heimgartner und Michaela Huser sind dort mit je 32 Jahren die Küken.

Diskussionen im Internet

Das Vorhaben von Maximilian Reimann kommt derweil nicht nur bei der Jungen SVP schlecht an. So fragt Ruth Müri, Ständeratskandidatin der Grünen (Jahrgang 1970), auf ihrer Facebook-Seite an Reimann gewandt rhetorisch: «Finden Sie es wirklich sinnvoll, im Alter von 76 Jahren und nach 32 Jahren im Parlament nochmals zu kandidieren?»

Ansonsten sind die Meinungen auf den Diskussionsplattformen im Internet geteilt. Während die einen die gleiche Meinung wie die JSVP vertreten und sagen, die Jungen sollen stärker vertreten sein, finden andere, dass Jungpolitiker noch nicht reif genug seien, um sich der wichtigen Themen im nationalen Parlament anzunehmen.

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