Die beste Verbindung mit Bahn oder Bus lässt sich bequem am Bildschirm von Handy oder Laptop finden. Die gedruckten Fahrpläne haben da einen schweren Stand.

Die ersten Bahn- und Busbetriebe haben reagiert und die papierenen Exemplare abgeschafft. Ein Schritt, den Postauto im Aargau beim letzten Fahrplanwechsel gewagt hat (Lesen Sie hier).

Der Entscheid sorgt nun aber für Kritik: In einem Brief an die Postauto Schweiz AG schreibt der Aargauische Seniorenverband (ASV) im Namen seiner rund 4000 Mitglieder von einem Verlust, der auf «grosses Unverständnis» stosse.

Obwohl viele ältere Menschen moderne Technologien nutzten, verfügten längst nicht alle über das technische Wissen, Internetzugang und Smartphone, heisst es im Schreiben weiter. «Gedruckte Fahrpläne sind deshalb eine wichtige Informationsquelle, die sie ohne fremde Hilfe nutzen können.» Kurz: «Eine Wiedererwägung dieses Entscheids durch die Postauto AG würde sehr begrüsst.»

ASV-Präsidentin Esther Egger erklärt auf Anfrage, sie sei in letzter Zeit von vielen Mitgliedern auf die abgeschafften Fahrpläne angesprochen worden. «Das Echo lautete: Wir wären sehr froh, wenn die gedruckten Exemplare wieder eingeführt würden.»

Viele störten sich am Abbau einer Dienstleistung, die für sie im Alltag nach wie vor von Bedeutung sei. «Wir wehren uns nicht gegen moderne Technologien», betont Egger. «Aber für manche Leute ginge es deutlich einfacher, wenn sie im Fahrplan blättern könnten, um ihre Verbindungen nachzuschlagen.»

«Wollen schlagkräftiger werden»

Postauto begründete die Abschaffung nicht nur mit der sinkenden Nachfrage, sondern auch mit dem Sparpotenzial von jährlich 200 000 Franken sowie ökologischen Überlegungen, weil jeweils zahlreiche Fahrpläne ungebraucht entsorgt werden mussten.

Egger vermag insbesondere letzteres Argument nicht zu überzeugen: «Durch eine gute Evaluation des Bedarfs könnte die Anzahl ungebrauchter Fahrpläne bestimmt massiv eingeschränkt werden.» Eine Antwort von Postauto steht noch aus.

Die frühere National- und Grossrätin Esther Egger gibt sich aber bereits jetzt kämpferisch: «Wir wollen künftig schlagkräftiger werden, schliesslich vertritt der Seniorenverband eine immer grösser werdende Gruppe.»