Zuletzt brachte der Aargau im Jahr 1998, während der Kosovo-Krise, eine grössere Zahl Asylbewerber in Zivilschutzanlagen unter. Nun will der Kanton erneut Flüchtlinge unterirdisch einquartieren. Die Platznot in den bestehenden Asylzentren mache diese «nicht wünschbare» Lösung nötig, sagt Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales (DGS).

Kanton will mehr Asylbewerber in Luftschutzkeller unterbringen

Kanton will mehr Asylbewerber in Luftschutzkeller unterbringen

Patrizia Bertschi, Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl Aargau, findet eine Unterbringung in Zivilschutzanlagen im Notfall akzeptabel. «Asylbewerber dürfen aber nicht länger als ein paar Wochen dort einquartiert werden, und ein Aufenthaltsraum mit Tageslicht ist nötig», sagt Bertschi. Zudem dürften keine Familien mit Kindern oder kriegstraumatisierte Menschen in Bunkern untergebracht werden.

Für Stefan Frey, Mediensprecher der Schweizer Flüchtlingshilfe, sind unterirdische Unterkünfte für Asylbewerber keine gute Lösung. «Wenn die Plätze knapp sind, kann dies eine Möglichkeit sein. Länger als die Dauer eines WKs, also zwei bis drei Wochen, sollten Asylbewerber allerdings nicht unterirdisch leben müssen», sagt Frey.

Bruder betont, Zivilschutzanlagen seien keine Dauerlösung für das Platzproblem. Das DGS werde Rücksicht nehmen auf traumatisierte Menschen. Auch ein Rotationsverfahren, damit die Flüchtlinge nicht monatelang unterirdisch einquartiert sind, sei vorstellbar.