Ist der Samstagnacht aus der Psychiatrie Königsfelden ausgebrochene Mörder von Boi zurück im Tessin? Kris V. soll versucht haben, in einem Hotel in Locarno Unterschlupf zu suchen. Das sagt eine Tessiner Rezeptionistin am Sonntag gegenüber «Ticinonline».  

«Am Samstag, um zirka 15.30 Uhr, kam ein Mann herein und wollte ein Zimmer», sagt die Rezeptionistin. Er habe Deutsch gesprochen und irgendetwas an ihm schien ihr komisch. «Er sah aus, als wäre er gerade aus einer Psychiatrie ausgebrochen.» Deshalb habe sie sich entschieden, ihm das Zimmer nicht zu geben.

Hat Kris V. die Haare geschnitten?

Erst später habe sie die Artikel über den flüchtigen Mörder aus dem Aargau gelesen und dann sein Gesicht erkannt. «Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass er es war», sagt die Hotelangestellte. Der einzige Unterschied zu den Fahndungsbildern seien die Haare gewesen. «Der Mann, der vor mir stand, hatte kürzere Haare.»

Als sie realisierte, wen sie da gerade vor sich hatte, rief sie sofort die Polizei an. «Sie haben sich bedankt, aber sie sind nicht zu einer Befragung vorbei gekommen», so die Empfangsdame. 

«Ticinoline» hat die Tessiner Kantonspolizei kontaktiert, welche die Meldung der Angestellten nicht bestätigen wollte.

Auch die Aargauer Kantonspolizei hält sich weiterhin relativ bedeckt: «Wir schliessen nicht aus, dass er sich im Tessin aufhält. Wir haben viele Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und arbeiten eng mit den anderen Kantonspolizeien zusammen.»

Mord im Tessin

Der heute 22-jährige Kris V. hatte 2009 als Minderjähriger in Sessa TI die 17-jährige Boi mit einem Holzscheit erschlagen. Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn 2013 zur Höchststrafe im Jugendrecht. Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung verurteilt. 

Weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen nur bis zum Erreichen des 22. Altersjahres befristet sind, wurde der Mann im Frühling dieses Jahres auf Antrag der Jugendanwaltschaft fürsorgerisch untergebracht.

Samstagnacht ist es Kris V. gelungen, aus der geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch auszubrechen.