Erst im Februar hatte das Verwaltungsgericht die fürsorgerische Unterbringung von Kris V. in der psychiatrischen Klinik Königsfelden bestätigt. Der heute 22-Jährige aus Mägenwil hatte 2009 die damals 17-jährige Boi getötet.

Ein aktuelles Gutachten der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel attestiert Kris V. eine schwere psychische Störung, wodurch ein ausgeprägtes Rückfallrisiko besteht.

Wie die Kantonspolizei Aargau am Samstagmorgen mitteilte, konnte Kris V. irgendwann in der Nacht von Freitag auf Samstag aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden entweichen. Der Ausbruch wurde vom Klinikpersonal um 3.30 Uhr bemerkt, worauf umgehend die Polizei alarmiert wurde.

Wie die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG), Betreiber der Klinik Königsfelden, dem Regionalfernsehsender Tele M1 mitgeteilt haben, ist Kris V. «gewaltsam aus der geschlossenen forensischen Abteilung entwichen». Da es sich um eine laufende Ermittlung handle, werde man zum Fall aber konkret keine weitere Stellung nehmen.

Aufruf an die Öffentlichkeit

Sofort nach der Alarmierung leitete die Polizei eine intensive Fahndung ein, die weiter andauert. Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau: «Inzwischen kann er überall sein. Auch ausserhalb der Schweiz.» 

Wie gefährlich ist Kris V.?

Wie gefährlich ist Kris V.?

Für die Polizei ist dies schwer einzuschätzen. Man rate aber zur Vorsicht, schliesslich sei Kris V. ein verurteilter Mörder.

Die Polizei hat am Samstagmorgen das Gelände rund um die psychiatrische Klinik mit Hunden abgesucht. Am Nachmittag gab es eine Hausdurchsuchung in Mägenwil, wo seine Eltern lange ein Restaurant führten. Bisher hat die Kantonspolizei aber noch keine Anhaltspunkte über den Verbleib des Flüchtigen, wie sie am Sonntagmorgen erklärt.

Personen, welche Angaben über den Aufenthaltsort des Flüchtigen machen können, werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei Aargau (Notruf 117) oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Wie gefährlich ist Kris V. aber? Polizeisprecher Bernhard Graser: «Das akute Gefährdungspotenzial können wir derzeit nicht verbindlich einschätzen.»

Allerdings habe man es mit einem verurteilten Mörder zu tun, der nicht ohne Grund in der Psychiatrie sei, mahnt Graser: «Darum raten wir, im Zweifels nichts zu machen, sondern lieber die Polizei anzurufen!»

Kein Hochsicherheitstrakt

Doch wie konnte Kris V. überhaupt ausbrechen? In einer offiziellen Mitteilung halten die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) fest: «Ohne Gewaltanwendung, ohne Hilfe oder Hilfsmittel ist ein Ausbruch aus der forensischen Abteilung nur schwer möglich.»

Peter Wermuth, Chefarzt Forensische Psychiatrie Königsfelden: «Wir sind eine geschlossene forensische Abteilung.» Diese umfasse drei gesicherte Stationen. «Wir sind aber kein Hochsicherheitstrakt, also nicht vergleichbar mit beispielsweise der Psychiatrie Rheinau».

So kommt man aus den geschlossenen Abteilungen nur mit Batch oder Schlüssel via Doppelschleusen, alle Fenstern sind zudem aus doppeltem Sicherheitsglas lassen sich nicht öffnen und auch der Innenhof ist gesichert. Dennoch heisst es in der Mitteilung der PDAG: «Die Stationen sind jedoch nicht vollständig ausbruchsicher.»

Vier Jahre Freiheitsentzug

Der heute 22-jährige Kris V. hatte 2009 als Minderjähriger in Sessa TI die 17-jährige Boi mit einem Holzscheit erschlagen. Nach seiner Verhaftung sagte der damals 16-jährige Kris V. gegenüber der Polizei, Boi habe ihn genervt, weil sie so viel geredet habe. Darum beschloss er, sie zu töten.

Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn 2013 zur Höchststrafe im Jugendrecht. Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung verurteilt.

Weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen nur bis zum Erreichen des 22. Altersjahres befristet sind, wurde der Mann im Frühling dieses Jahres auf Antrag der Jugendanwaltschaft fürsorgerisch untergebracht. Dagegen wehrte er sich mit einer Beschwerde ans Verwaltungsgericht. Diese wurde im Februar abgelehnt.

264'000 Franken - so viel kostet die fürsorgerische Unterbringung von Mörder Kris V. dessen Wohnsitzgemeinde Mägenwil jährlich. Eine stattliche Summe, weswegen die Gemeinde per 2016 den Steuerfuss um 6 Prozent auf 96 anheben musste.

Wegen Mörder Steuern erhöht

Der Mörder von Boi kostet den Aargau 264000 Franken

Der Mägenwiler Kris V. ermordete vor sechs Jahren eine junge Frau und kostet nun die Gemeinde jährlich soviel, dass die Gemeinde ihre Steuern erhöhen muss.