Kriminaltouristen sind zurzeit auch im Aargau mit steigender Intensität auf der Suche nach Weihnachtsgeld. 32 Einbrüche im Wohnbereich (Einfamilienhäuser und Wohnungen) waren es vom 5. bis 11. November, schon 52 in der Woche darauf. Vom 26. November bis 2. Dezember hat die Kantonspolizei 48 Fälle verzeichnet, in der laufenden Woche waren es von Montag bis Freitag bereits 53. Mit 20 Einbrüchen innerhalb von 24 Stunden gab es von Mittwoch, 5., bis Donnerstag, 6. Dezember, gar einen Tagesrekord.

Zahlen im Rahmen der Vorjahre

«Wir bewegen uns seit Wochen auf einem hohen Niveau», sagt Kapo-Mediensprecher Bernhard Graser, relativiert jedoch mit Blick auf die Statistik der vergangenen Jahre: «Die Zahlen sind im Vergleich nicht alarmierend hoch, wir bewegen uns im Rahmen der Vorjahre. Mit Ausnahme von 2007, wo die Einbruchsquote auf einem traumhaft tiefen Niveau gelegen hat.»

Laut Graser werden vermehrt Rumänen sowie weitere Leute aus Oststaaten sowie Roma aus dem Osten und dem Elsass in unserer Gegend beobachtet. «Wir gehen davon aus, dass viele von ihnen auf Einbruchstour durch unser Land sind. Leider verbuchen wir zurzeit nicht so viele Fahndungserfolge, wie wir gerne möchten», bedauert er.

Das liege keineswegs an mangelndem Einsatz: «Wir machen sehr viele Patrouillen und Kontrollen und wir rücken sofort mit allen verfügbaren Leuten aus, wenn uns ein Einbruch gemeldet wird. Doch diese Banden sind sehr mobil und beweglich. Oft ist es schon fast Zufall, wenn wir jemanden erwischen.»

Einbrecher logieren in billigen Hotels

Laut den Erfahrungen der Kantonspolizei sind als Einbrecher zurzeit meist jüngere Ausländer in Gruppen von drei bis vier Personen in eigenen Autos unterwegs. Sie logieren in billigen Hotels: «Die Zeiten, in denen sich Kriminaltouristen aus dem Osten in Wäldern verstecken mussten, sind vorbei. Jetzt können sie legal einreisen und sich im ganzen Land frei bewegen. Wenn sie im eigenen Wagen unterwegs sind, sich ausweisen können und weder Einbruchswerkzeug noch mutmassliches Diebesgut gefunden wird, haben wir nichts in der Hand. Wir müssen sie nach einer Kontrolle laufen lassen. Auch wenn wir stark vermuten, dass sie auf Diebestour sind», sagt Graser.

Rolf Mohn, Kapo-Spezialist für Einbrüche und Einbruchsprävention, redet laut Graser von besonders ausgebufften Tätern: «Gaben solche Leute früher rasch auf, wenn sie nicht innert kürzester Zeit in ein Haus oder eine Wohnung eindringen konnten, sind sie heute oft weitaus hartnäckiger.»

So würden Fenster ohne Rücksicht auf den dabei entstehenden Lärm vielfach auch mit einem grossen Stein eingeschlagen, wenn es zuvor mit dem Aufhebeln nicht geklappt habe. Zurzeit, erklärt Graser weiter, registriere man im Kantonsgebiet «die ganze Palette von Einbruchsspezialisten». «In der Mehrzahl verschaffen sie sich über zuvor ausgehebelte Terrassentüren oder Fenster Zugang zu den Gebäuden. Im Raum Zofingen machen uns zurzeit Fensterbohrer Sorgen. Deutlich seltener werden vorstehende Schlosszylinder abgewürgt, weil es solche kaum mehr gibt.»

Gefragt sind Bargeld und Schmuck

Die Einbruchobjekte werden nach den Erfahrungen der Polizei in der Regel spontan ausgesucht. «Wie die Statistik zeigt, bewegt sich die Täterschaft überwiegend entlang der Autobahnen. Sie fahren in die Quartiere, halten Ausschau nach unbewohnten Häusern und Wohnungen, brechen ein und sind wenig später verschwunden», erklärt Bernhard Graser. Abgesehen hätten es diese Leute vorwiegend auf Bargeld und Schmuck: «Was sie nicht rasch einpacken können, lassen sie liegen. Sie nehmen auch kaum Unterhaltungselektronik, Laptops oder Computer.» Sie wollten nicht unnötig Zeit verlieren und vor allem nicht auffallen, wenn sie mit «Ballast» flüchten.

Kriminaltouristen, so die Erfahrungen der Polizei, «halten sich nicht mehr unnötig lange in einem Haus auf. Früher haben sie sich oft bei einem Einbruch noch aus dem Kühlschrank verpflegt», sagt Bernhard Graser. Die Polizei müsse doppelt schnell sein und das könne sie vor allem auch, wenn sie Hinweise aus der Bevölkerung erhalte. «Je rascher uns verdächtige Beobachtungen - fremde Leute in Quartieren, Autos mit ausländischen Kennzeichen - gemeldet werden, umso rascher können wir reagieren.»