Neben einer wohltuenden Abkühlung kann ein «Schwumm» im Fluss böse Konsequenzen haben. Im Aargau passierten am Wochenende drei Badeunfälle. In Bremgarten ist am Sonntag ein bewusstloser 40-Jähriger aus dem Wasser gerettet worden. Noch an der Unfallstelle wurde der Mann reanimiert und mit einem Helikopter ins Spital geflogen. Laut der Aargauer Kantonspolizei ist unklar, ob der sich der Mann immer noch im kritischen Zustand befindet.

Am Samstag kam es zu dramatischen Szenen am Rhein bei Bad Säckingen: Ein 16-jähriger Schweizer klammerte sich, um nicht weiter von der Strömung mitgerissen zu werden, während rund 20 Minuten an einen Brückenpfeiler. Der Jugendliche musste wegen Unterkühlung ins Spital gebracht werden. In der Aare bei Aarau musste gestern eine Ambulanz aufgeboten werden. Laut der Kantonspolizei fischten Helfer einen Mann aus dem Fluss. Mehr sei nicht bekannt.

«Wir haben keine Ressourcen»

In den Schweizer Flüssen ertranken im letzten Jahr 14 Personen, zwei davon im Aargau in der Aare und in der Limmat. Trotz heissem Wetter, stark frequentierten Flüssen und den ersten Unfällen, patrouilliert die Kantonspolizei nicht verstärkt an den Gewässern. Das sagt Polizeisprecher Roland Pfister. «Ein Schwumm im Fluss liegt in der Eigenverantwortung.» Man könne unmöglich Polizisten entlang von Aare, Reuss, Rhein und Limmat aufstellen. Und die Gewässerpolizei sei primär auf dem Hallwilersee und nur an wenigen Tagen auf den Flüssen präsent. «Wir haben keine Ressourcen, um Boote auf vier Fliessgewässern zu unterhalten», so Pfister. «Die Aargauer Kantonspolizei hat das kleinste Korps der Schweiz.»

Martin Burkart ist Präsident der Sektion Freiamt-Reusstal der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Wenn sich Burkart und andere Mitglieder der SLRG in die Reuss begeben, tragen sie Schwimmwesten – obwohl sie geübte Schwimmer sind. Was dem 40-jährigen verunfallten Mann bei Bremgarten zum Verhängnis geworden ist, kann Burkart nicht sagen. «Die Reuss ist kein überdurchschnittlich gefährlicher Fluss. Aber sie hat meistens einen niedrigen Wasserstand und eine hohe Fliessgeschwindigkeit», sagt er. «Das Wasser ist eher trüb. Gefahren wie Treibholz sieht man nicht und die Verletzungsgefahr ist gross.»

Burkart rät Personen, die in einem Fluss baden wollen, die Schwimmstrecke vorher abzuchecken. Beispielsweise nach Flussverbauungen wie Brückenpfeilern, an denen Wirbel entstehen können, nach Wehren und nach einer geeigneten Einstiegs- und Ausstiegsstelle. Weiter sei wichtig, sich vor dem Schwumm langsam an die Wassertemperatur zu gewöhnen und «nie mit einem hochroten Kopf und total überhitzt ins Wasser zu springen.» Das führe zu einem Kreislaufschock und zur Ohnmacht. Nichtschwimmern und Menschen mit Kreislaufbeschwerden rät Burkart vom Bad im Fluss ab. «Und betrunken schwimmen oder böötle ist grob fahrlässig», mahnt er.

Ruhe bewahren

Martin Burkart erklärt, was zu tun ist, wenn man von einem Wirbel erfasst wird: «Man hält die Luft an, lässt sich unter Wasser ziehen und stösst sich vom Boden in einem 45-Grad-Winkel ab.» Wird man von der Strömung mitgerissen, sollte man Ruhe bewahren, sich treiben lassen und nach Ausstiegsstellen Ausschau halten. Und wenn man als Passant eine ohnmächtige, im Fluss treibende Person sieht? «Falls möglich am Rand mitlaufen und einen Gegenstand, am besten ein Seil auswerfen. Dann die Person seitlich, mit der Strömung, ans Ufer ziehen.» Polizeisprecher Roland Pfister sagt: «Den Notruf 117 wählen.» Vom heldenhaften Hinterherspringen hält er wenig, ausser man ist geübt: «Es gab schon Fälle, da ertrank der Helfer auch.»