Kantonsparlament

Kredit aufnehmen, verzinsen und zurückbezahlen: Aargauer sollen sich fürs Studium verschulden

Aargauer Studierende, die Anspruch auf Ausbildungsbeiträge haben, sollen einen Drittel der Stipendiensumme von höchstens 16'000 Franken als Kredit beim Staat beziehen.  Foto: Keystone

Aargauer Studierende, die Anspruch auf Ausbildungsbeiträge haben, sollen einen Drittel der Stipendiensumme von höchstens 16'000 Franken als Kredit beim Staat beziehen. Foto: Keystone

Aargauer Studenten sollen künftig einen Drittel ihres Stipendiums beim Kanton als Kredit aufnehmen und später verzinsen sowie zurückzahlen müssen. Das will die bürgerliche Parlamentsmehrheit. Wie viel Geld der Kanton tatsächlich spart, ist für den Regierungsrat eher unklar.

Das Kantonsparlament hatte gegen den Willen des Regierungsrat bei der ersten Beratung des Stipendiengesetzes beschlossen, ein sogenanntes Teilsplitting einzuführen.

Studierende, die Anspruch auf Ausbildungsbeiträge haben, sollen einen Drittel der Stipendiensumme von höchstens 16'000 Franken als Kredit beim Staat beziehen. Nach Ausbildungsende muss das Darlehen verzinst (derzeit zu 3,1 Prozent) und zurückbezahlt werden.

Davon betroffen wären 1200 Studierende. Sie besuchen eine Universität, Fachhochschule, eine pädagogische Hochschule oder eine höhere Fachschule.

Die Stipendiensumme für diese Personen beträgt derzeit 9 Millionen Franken - davon würden künftig 3 Millionen Franken als Darlehen gelten. Ein ähnliches Modell kennen die Kantone Bern, Luzern, Thurgau und Uri.

Höhere Kosten bei längerem Studium

Mit Blick auf die zweite Beratung des Stipendiengesetzes stellt sich der Regierungsrat nun zähneknirschend hinter dieses Splittingmodell. Er rechnet damit, dass der Kanton nicht 3 Millionen, sondern höchstens 1,5 Millionen Franken pro Jahr sparen könnte.

Die Darlehen müssen nämlich bewirtschaftet werden. Zudem erwartet der Regierungsrat, dass sich viele Studierende nicht verschulden wollen und einen Teilzeitjob annehmen. Damit würde sich die Studiendauer verlängern.

Als Folge davon müsste der Aargau den Universitäten länger eine Abgeltung bezahlen. Pro Studierenden und Jahr beträgt die Summe im Durchschnitt 17'000 Franken. Das ist in der Interkantonalen Universitätsvereinbarung verankert.

Wenn ein Drittel der Studenten und Studentinnen wegen des Verzichts auf ein Darlehen das Studium verlängert, fallen beim Kanton Mehrkosten von 570'000 Franken pro Jahr an.

Auch besteht gemäss Regierungsrat ein nicht unerhebliches Ausfallrisiko. Im Gegensatz zu einem Bankdarlehen würde keine Bonitätsprüfung vorgenommen.

Aargau auf dem letzten Platz

Der Regierungsrat lehnt ein Teilsplitting bei den Stipendien eigentlich ab. Die Stipendienpolitik sei darauf ausgerichtet, den Studierenden einen möglichst schnellen Abschluss zu ermöglichen, begründet er dies.

Dies halte die staatlichen Ausbildungskosten tief. Wenn die Studenten frühzeitig ins Erwerbsleben einstiegen, zahlten sie auch früher Steuern, heisst es in der Botschaft.

Das Splittingmodell und die vom Parlament bereits beschlossenen Einsparungen führen gemäss Regierungsrat dazu, "dass der Kanton Aargau im Stipendienwesen fortan den letzten Rang belegen wird".

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1