Bis ins Jahr 1991 wurde in der Schweiz und im Kanton Aargau Teer als Bindemittel für Strassenbeläge verwendet. Das ist problematisch, weil Teer Stoffe enthält, die für Mensch und Umwelt schädlich sind. Die sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenole sind unter anderem krebserregend. 1991 wurde das Teerverbot eingeführt. Seither wird als Bindemittel ausschliesslich Bitumen verwendet, ein Erdöl-Abbauprodukt.
Das Gift liegt aber weiterhin auf den Strassen. Auf 318 Kilometer des 1150 Kilometer langen Kantonsstrassennetzes sind noch Teerasphalte verbaut, die aus der Zeit vor dem Teerverbot stammen. Mehr als ein Viertel der Kantonsstrassen sind also PAK-verseucht.

Solange der Teer in der Strasse kompakt verbunden sei, bestehe keine Gefahr für Mensch und Umwelt, sagt Fabian Traber, Leiter Belags- und Geotechnik beim kantonalen Tiefbauamt. «PAK verdampfen zwar bei erhöhten Temperaturen, aber erst bei einer Temperatur von etwa 800 Grad Celsius komplett», sagt Traber. «Der Stoff ist auch nicht wasserlöslich.» Zum Problem wird das Gift erst, wenn Strassen saniert werden müssen.

Asphalt mit einem hohen PAK-Gehalt darf nicht als Recyclingbaustoff verwendet werden. Bis 2012 sei das Material in Deponien abgelagert oder unter hohen, besonderen Auflagen verwendet worden. «Seit fünf Jahren wird Ausbauasphalt mit einem PAK-Gehalt über 1000 mg/kg nach Holland verschifft und dort thermisch behandelt», sagt Traber. Das heisst, der alte Aargauer Strassenbelag wird in einer Anlage in Holland zerkleinert und anschliessend auf bis zu 900 Grad Celsius erhitzt, sodass sich die PAK auflösen. Zurück bleibt sauberer Kies, der wieder für neue Strassenbeläge verwendet werden kann. Eine Tonne Material thermisch zu behandeln, kostet laut Traber 80 Franken.

Die Hälfte muss nach Holland

Pro Jahr werden im Aargau etwa 30 Kilometer Strassen saniert. Bei diesen Arbeiten fallen 50 000 Tonnen Material an. Davon landet etwa die Hälfte, nämlich 20 000 bis 25 000 Tonnen, zuerst in einem Zwischenlager und später zur thermischen Behandlung in Holland, weil der PAK-Gehalt höher als 1000 mg/kg ist. Das Recycling des verseuchten Asphalts kostet den Kanton pro Jahr 2,8 bis 3,5 Millionen Franken. Handelt es sich bei den sanierten Strassen um Kantonsstrassen, trägt der Kanton die Kosten. Bei Innerortsstrecken bezahlen die Gemeinden einen Teil.

Ziel des Kantons ist es nicht, möglichst schnell die PAK-belasteten Strassen zu sanieren: «Diese Frage spielt bei der Priorisierung eine untergeordnete Rolle», sagt Traber. Im Vordergrund stünden sicherheits- oder verkehrstechnische Bedürfnisse. Die PAK-Belastung werde aber überwacht.

Den Transport nach und die Verwertung in Holland hat das Departement für Bau, Verkehr und Umwelt an ein externes Unternehmen ausgelagert. Seit 2012 ist das die Ernst Frey AG Baustoffe mit Sitz in Kaiseraugst. Nun wurde der Auftrag, wie dies gemäss Traber üblich sei, für die kommenden vier Jahre im Amtsblatt öffentlich neu ausgeschrieben.

Das Thema wird den Kanton aber noch viel länger beschäftigen. Nicht nur, weil noch mehrere Tonnen giftiger Asphalt auf den Aargauer Strassen liegt: «Die Grenzwerte für PAK werden in Zukunft weiter gesenkt», sagt Traber. «Es muss also künftig weiterhin Material thermisch behandelt werden.» Nach heutiger Gesetzgebung muss ab 2026 schon Ausbauasphalt mit einem PAK-Gehalt von mehr als 250 mg/kg thermisch behandelt werden muss.