Die Aargauer Gemüseproduzenten beziffern den durch Krähen verursachten Schaden an ihren Kulturen für das letzte Jahr auf 300 000 Franken. Der Kanton startet nun ein Pilotprojekt zur Dezimierung der (nicht geschützten) Rabenkrähen: Zusammen mit den Gemüseproduzenten soll nach Massnahmen gesucht werden, die zugänglichen Futterquellen für die Rabenvögel zu reduzieren. Die Krähen sollen aber zur Bestandesregulierung auch gezielt gejagt werden.

Die Reaktion liess nicht auf sich warten. Andere Kantone hätten aus solch überflüssigen Reaktionen gelernt und erteilten keine Abschussbewilligungen mehr. Und geradezu «skandalös» und ein «Armutszeugnis» sei es, dass Pro Natura und BirdLife Aargau auch noch ihre Zustimmung zum Abschuss von Rabenkrähen im Raum Birmenstorf und im Murimoos geben, schreibt der Verein «Wildtierschutz Schweiz» in einem offenen Brief. Mitverfasser ist der als «Biberfredi» und Bambifilmer bekannte Tierfreund Fredi Schären aus Turgi. Der Beschuss von Rabenvögeln bringe der Landwirtschaft gar nichts und sei Tierquälerei, schreibt er.

BirdLife Aargau geht auf Distanz

Solche Proteste können zu einem Flächenbrand führen. Das musste zum Beispiel im Jahr 2005 die damalige Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch erfahren. Als sie eine Krähendezimierungs-Aktion ankündigte, gipfelte der Sturm der Entrüstung in Rücktrittsforderungen und sogar Morddrohungen. 1075 tote Krähen und vier Tage später wurde das «Krähenmassaker» («Blick») eingestellt.

Tote Krähen als Vogelscheuche

Tote Krähen als Vogelscheuchen

Ein Bauer will Vögel von seinen Futterballen fernhalten und benutzt dafür deren tote Artgenossen als Abschreckung. Verboten ist dies nicht. 

In Bern wollte man die Krähen mit vergifteten Maiskörnern betäuben und im Schlaf erfrieren lassen. Im Aargau sollen die Vögel geschossen werden, aber das ist nicht minder umstritten. Die Vogelwarte Sempach nennt es eine Illusion, Krähenbestände mit vertretbarem Aufwand reduzieren zu wollen. Zur kurzfristigen Abwehr eines Schwarms von einem Feld könne ein Einzelabschuss wirksam sein. Abschüsse zur Bestandsreduktion lehnt die Vogelwarte hingegen als «nicht zielführend» ab.

Das sei auch die Meinung von Bird- Life Aargau, sagt Geschäftsführerin Kathrin Hochuli. Nach den ersten Protesten ging sie gestern prompt wieder auf Distanz zum Pilotprojekt des Kantons. Mit der Medienmitteilung, dass man das Projekt mittrage, sei man «nicht ganz glücklich» gewesen, sagt Hochuli. Abgesprochen sei nur, dass BirdLife Aargau keinen Widerstand gegen den Abschuss leiste, weil er sich nun einmal im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen bewegt.

Johannes Jenny von Pro Natura bleibt standfester. Er halte eine Bestandesreduktion durch Abschüsse zwar auch für illusorisch. Aber beim Pilotprojekt des Kantons sei durch den Einsatz erfahrener und gut ausgebildeter Jäger wenigstens garantiert, dass keine geschützten Arten beeinträchtigt werden. Darum könne man mit den Abschüssen leben.

Das sei jedenfalls besser, als wenn es wieder zu einer illegalen Aktion wie vor ein paar Jahren kommen würde, als die Hälfte der Dohlen-Kolonie beim Schloss Hallwyl vergiftet worden sei. «Wir wollen die Bauern nicht mit dem Krähenproblem allein lassen, so wie wir die Fischer nicht mit dem Kormoran-Problem allein lassen konnten», sagt Jenny zum Einverständnis zur Jagd auf Rabenkrähen.

Wie viele Krähen will man überhaupt schiessen? Dazu gebe es keine Vorgabe, sagt Thomas Stucki, Leiter der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons. Das Ziel sei, mit wenig Jagden die Schadensituation zu verbessern. Und dazu seien gemäss geltender Jagdgesetzgebung jagdliche Massnahmen neben Massnahmen zur Schadensverhütung durch den Landwirt klar vorgesehen.