Der öV im Aargau ist ein Erfolgsmodell, in den letzten Jahren sind Bahnprojekte und neue Buslinien im Dutzend ausgebaut worden. Auch die Züge selber sind modern und entsprechen den hohen Komfortwünschen der heutigen Pendler und Reisenden. Auf den S-Bahn-Linien fahren seit August 2012 überall attraktive Züge, mit ebenerdigem Einstieg, Klimaanlagen und modernen Info-Systemen.

Im Gleichklang zur Verschönerung von Bahnen und Bussen sind auch die Fahrpläne massiv verdichtet worden. Das Wachstum der Passagierzahlen ist ungebrochen, gemäss Mehrjahresprogramm 2013 soll es so weiter gehen: Selbst das gebremste Szenario rechnet mit plus 23 Prozent, das mittlere mit 48 und das hohe Wachstum mit plus 78 Prozent – für die 22 Jahre bis 2030.

Kosten steigen deutlich an

Jetzt legt die Regierung dem Grossen Rat die öV-Strategie für den Zeitraum 2013 bis 2023 vor. Über das nötige Geld muss das Parlament vorerst nicht abstimmen, das wird über Budgets und Kreditanträge abgewickelt. Aber: «Der steigende Finanzbedarf stellt eine grosse Herausforderung dar», schreibt die Regierung und betont, künftige Abgeltungen seien eine Frage der Finanzierbarkeit.

Im 140-seitigen Bericht wird klar, wohin die finanzielle Reise geht – nach oben. Für 2013 hat der Kanton Leistungen (inklusiv Tarifverbünde) für 200 Millionen Franken bestellt, für den Fahrplan 2023 steigt die Summe auf 255 Millionen Franken.

Kanton und Gemeinden zahlen

Gratis ist das öV-Angebot nicht zu haben, die Passagiere zahlen nur einen Teil. Dank höheren Frequenzen ist die Kostendeckung bei den SBB auf 52 Prozent gestiegen, bei Bremgarten–Dietikon und Wynental–Suhrental–Bahn (WSB) aber wegen hoher Investitionen auf 42 Prozent gesunken. Bei den Buslinien stagniert sie knapp unter 40 Prozent. Die nach Abzug des Bundes nötigen Abgeltungen durch Kanton und Gemeinden schnellten zwischen 2007 und 2012 von 90 auf 140 Millionen Franken.

Bis 2023 erwartet die Regierung eine kontinuierliche Steigerung um 3 Prozent pro Jahr. Konkret erhöht sich die Aargauer Abgeltung von 142 Millionen in diesem Jahr auf 193 Millionen Franken, wovon der Kanton 60 Prozent berappt. Der Anteil der Gemeinden steigt von 57 auf 77 Millionen Franken, um 2 Millionen pro Jahr.

Ausbau bei Bahnen und Bussen

Seit 2007 hat der Kanton zusätzlich zu den bestellten Leistungen auch 12 bis 22 Millionen Franken pro Jahr an den Ausbau der Infrastruktur mitbezahlt. Das reicht vom neuen Bahnhof Aarau über das 3. Gleis Lenzburg-Gexi zur WSB Aarau-Suhr, der Seetalbahn in Lenzburg und Boniswil und diversen Projekten der BDWM. Derzeit im Bau sind der WSB-Bahnhof in Aarau und die Bahnhöfe auf der Strecke Döttingen, Koblenz, Bad Zurzach.

Bei den Bussen von regionaler Bedeutung sind neben dem Terminal in Aarau auch die Bushöfe in Lenzburg und Brugg wichtig, «Handlungsbedarf besteht zudem in Wohlen, Muri und Bad Zurzach», heisst in der Botschaft ans Parlament. Ausgebaute Busnetze oder geplante Verbesserungen sind im Dutzend aufgeführt, und zwar in allen Teilen des Aargaus. Aber der Kanton hat auch Projekte zurückgestellt, vor allem für verdichtete Taktfahrpläne. Gesuche für neue Ortsbuslinien wurden abgelehnt, zur Enttäuschung von Wynentaler Gemeinden, ebenso von Muri, Obersiggenthal und Küttigen. Beiträge gebe es nur dann, wenn eine minimale Kostendeckung absehbar sei.