Tötungsdelikt

Kosovare erschiesst seine Frau: Fall geht zurück ans Obergericht

Bundesgericht in Lausanne  (Archiv).

Bundesgericht in Lausanne (Archiv).

Bundesgericht «Lausanne» heisst Beschwerde des Täters gut. Der Kanton Aargau muss dem Täter eine Parteientschädigung bezahlen.

Seine Frau wollte neu anfangen, sie hatte sich von Afrim M. getrennt, sorgte allein für die drei Kinder, arbeitete als Pflegehilfe und hatte eine Beziehung mit einem Schweizer. Doch der 41-jährige Kosovare Afrim M. fühlte sich in seinem Stolz verletzt.

Er erschoss seine Frau am 9. April 2009, einem Donnerstagnachmittag, auf offener Strasse an einer Bushaltestelle in Riniken. Aus nächster Nähe gab er fünf Schüsse auf sie ab. Anschliessend ging er in eine Bar, um etwas zu trinken, und liess die Leiche seiner Frau liegen.

Dass er die Tat geplant habe, bestritt er später. Die Waffe habe er nur dabei gehabt, weil er sich in jenen Tagen bedroht gefühlt habe, gab Afrim M. zu Protokoll.

Der Fall wurde am 24. April 2013 am Bezirksgericht Brugg behandelt. Afrim M. wurde des Mordes, der Gefährdung des Lebens und des Vergehens gegen das Waffengesetz schuldiggesprochen. 20 Jahre Freiheitsstrafe plus vollzugsbegleitende ambulante psychotherapeutische Massnahme, so lautete das Urteil.

Dagegen führte er Beschwerde, blitzte aber vor Obergericht Aargau im vergangenen März ab. Nun hat das Bundesgericht in Lausanne entschieden: Das Urteil des Obergerichts wurde aufgehoben, der Fall geht zurück an die Vorinstanz, also ans Obergericht.

Vom Gericht benachteiligt

Afrim M. erklärt in seiner Beschwerde, er sei vom Bezirksgericht benachteiligt und sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden. Er und die Staatsanwaltschaft hätten Vernehmlassungen eingereicht. Während seine Eingabe der Staatsanwaltschaft zugestellt worden sei, habe er von derjenigen der Staatsanwaltschaft erst mit dem angefochtenen Urteil Kenntnis erhalten.

Das Obergericht bestätigte dies. Afrim M. habe sich aber «in seinen verschiedenen Eingaben eingehend zu den sich stellenden Fragen äussern können». Ausnahmsweise könne darum auf dieses rechtliche Gehör verzichtet werden, hielt das Obergericht in seinem Urteil vom März 2015 fest.

Das Obergericht sieht dies anders. Die Parteien eines Gerichtsverfahrens hätten Anspruch auf rechtliches Gehör, hält es fest. Aus diesem Grund heisst es die Beschwerde gut, hebt das Urteil des Obergerichts auf und schickt die Beschwerde von Afrim M. zur erneuten Prüfung ans Obergericht zurück. Zudem muss der Kanton Aargau dem Rechtsanwalt von Afrim M. 3000 Franken Parteientschädigung bezahlen.

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