Oberentfelden

Kopfhaube und Schürze statt Anzug: AKB-Direktor dörrt Früchte für einen guten Zweck

Kopfhaube und Schürze statt Anzug: Dieter Widmer hilft Michèle Wullschleger in der Stiftung «Orte zum Leben» in Oberentfelden.

AKB-Chef Dieter Widmer wechselte für einen Tag in eine komplett andere Rolle. Hintergrund ist das sozialeProgramm «Seitenwechsel».

Es riecht nach süssen Äpfeln im Arbeitsraum der Stiftung «Orte zum Leben» in Oberentfelden. Sieben Menschen mit einer Beeinträchtigung sitzen an zwei langen Tischen und schälen mithilfe einer Apfelmaschine, wie das Gerät hier genannt wird, die roten Früchte. Gleichzeitig werden diese in dünne Scheiben geschnitten.

Unter ihnen ist an diesem Morgen auch ein Mitarbeiter, der sich normalerweise mit Zahlen statt mit Äpfeln beschäftigt: Dieter Widmer, Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB). Mit blauen Plastikhandschuhen, einer grünen Schürze und einer Haarhaube ausgestattet, entkernt er mit einem Stampfer die geschnittenen Äpfel, ehe er sie sorgfältig in den Trocknungskorb legt.

Bankchef packt beim Apfelschnitzen mit an

Bankchef packt beim Apfelschnitzen mit an – der Bericht von Tele M1.

«Wir wurden heute Morgen sehr herzlich empfangen», sagt er. Dieter Widmer macht für die AKB den Anfang im Projekt «Seitenwechsel». Das gemeinnützige Programm erlaubt es Führungskräften und interessierten Personen, einen Arbeitseinsatz in einer sozialen Institution zu absolvieren.

Die rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AKB können ab heute und bis im Sommer 2021 einen Tag lang ihren gewohnten Arbeitsplatz verlassen, um in einer sozialen Institution mit anzupacken. Die Teilnahme sei freiwillig, «aber vom Kader erwarten wir die Teilnahme, da es eine Vorbildfunktion hat», sagt Widmer.

Weiterentwicklung der sozialen und emotionalen Kompetenzen

«Er macht sich gut», sagt Michèle Wullschleger, die Dieter Widmer die bereits geschnittenen Äpfel weiterreicht. Michèle ist eine der Mitarbeiterinnen der Stiftung. Auch sie hat eine Behinderung. Wie es der Name der Stiftung sagt, finden Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen hier einen Ort zum Leben und Arbeiten. Zwischen vier und acht Stunden täglich können sie hier ihrer Arbeit nachgehen.

Durch die Teilnahme an «Seitenwechsel» will es die AKB ihren Mitarbeitern ermöglichen, Erfahrungen ausserhalb ihrer gewohnten Rolle und ihrer Komfortzonen zu sammeln. «Uns geht es gut. Wir haben einen guten Job, wir haben gute Anstellungsbedingungen, und es gibt Leute in unserem Kanton, die vielleicht nicht nur auf der Sonnenseite stehen», sagt Widmer.

Die ganze Belegschaft der AKB – vom Direktor bis zum Lernenden – soll sich dessen bewusst werden und sich durch den Seitenwechsel einbringen: «Diese Menschen haben eine unglaubliche Freude an ihrem Leben und an ihrer Aufgabe. Das bewundere ich. Es gibt auch noch etwas anderes als unseren täglichen Job.»

Die Apfelringe werden 24 Stunden lang im Dörrofen getrocknet und danach abgepackt, ehe sie in den Migrosfilialen in Buchs, Lenzburg und Unterentfelden verkauft werden. Der Erlös geht zurück an die Non-Profit-Stiftung.

Es sei wichtig, solche Institutionen zu unterstützen, damit sie ihre Aufgabe wahrnehmen können, sagt Direktionspräsident Widmer: «Die Menschen hier bekommen dadurch einen Job und eine Aufgabe im Rahmen ihrer Möglichkeiten.» Deshalb bekommen auch die Mitarbeitenden der AKB dieses Jahr an Weihnachten einen Sack Apfelringli geschenkt, hergestellt in der Stiftung «Orte zum Leben».

Meistgesehen

Artboard 1