Reformierte Kirche

Kontroverse Diskussion: «Wer homosexuelle Paare nicht trauen will, wird nicht benachteiligt»

Die reformierte Kirche tut sich derzeit schwer mit der Ehe für alle.

Die reformierte Kirche tut sich derzeit schwer mit der Ehe für alle.

Reformierte Landeskirche Aargau diskutierte «Ehe für alle» und die Folgen.

Die Synode der Reformierten Landeskirche Aargau tagte letzten Mittwoch im Grossratssaal in Aarau und bewilligte dabei zwei Kredite und – nach intensiver Diskussion über die Aufstockung des Rechtsdienstes – auch das Budget 2020 der Landeskirche. Ausserdem befassten sich die 148 Synodalen mit ungewöhnlich vielen parlamentarischen Vorstössen, heisst es in einer Medienmitteilung.

Mit Spannung erwartet wurde die Antwort des Kirchenrats auf eine Interpellation der Evangelischen Fraktion zur Stellungnahme des Kirchenrats vom 17. September für die zivilrechtliche Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und für deren kirchliche Trauung. Andy Graber von der Evangelischen Fraktion erläuterte die Interpellation, in der es nicht um das Thema selbst, sondern vor allem um das Vorgehen gehe. Er wollte wissen, warum der Kirchenrat nicht zuerst die Synode zu dem Thema angehört habe und wie Pfarrerinnen und Pfarrer unterstützt würden, die keine Trauung für gleichgeschlechtliche Paare durchführen möchten.

«Angst vor einer Kirchenspaltung ist unbegründet»

Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg verwies auf verschiedene kirchliche Stellungnahmen zu dem Thema, auch vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, sodass der Kirchenrat sich gut abgestützt eine Meinung habe bilden können. Und er betonte die Gewissensfreiheit der Pfarrerinnen und Pfarrer: «Wer homosexuelle Paare nicht trauen will, braucht keine Unterstützung, weil er in dieser Kirche weder bedroht noch benachteiligt wird.» Der Kirchenrat suche das Gespräch mit Personen, die anderer Meinung sind und sehe keinen Grund, dass diese Diskussion, wie es in der Interpellation heisst, «dazu neigt, die Kirche zu spalten». Die Synode würdigte die Antwort mit dem einzigen Applaus des Tages und hielt eine weitere Diskussion für nicht nötig.

Aufstockung des Rechtsdienstes sehr umstritten

Eine Motion von EVP-Grossrat Roland Frauchiger wurde gegen den Willen des Kirchenrats, der die Stossrichtung richtig aber die Motion zu eng gefasst fand, mit 73 gegen 61 Stimmen überwiesen. Die Motion fordert die Schaffung von rechtlichen Grundlagen für verbandsartige Körperschaften der Kirchgemeinden: «Sie sollen von einer oder mehreren Kirchgemeinden – allenfalls zusammen mit Dritten – begründet werden und Aufgaben des Gemeindelebens übernehmen und auch ordinierte Personen oder weitere Mitarbeitende anstellen können.»

Bei der Verabschiedung des Budgets gab ein Posten zu reden, der eine Erhöhung des Rechtsdienstes um 50 Stellenprozente für die nächsten fünf Jahre vorsah. Kirchenratspräsident Weber-Berg sprach in der Begründung von einem «Reformstau, weil viele Reglemente, unter anderen das Weiterbildungsreglement», revidiert werden müssten und der Rechtsdienst durch Kuratorien und Beschwerdeverfahren stark beansprucht werde. Kosten für Anwaltskanzleien seien bedeutend höher als eine Aufstockung der internen Ressourcen. Viele Synodale waren mit der Aufstockung nicht einverstanden und forderten eine separate Vorlage mit einem Projektkredit an der nächsten Synode. Nach fast einstündiger Debatte lehnte die Synode aber den Streichungsantrag ab und bewilligte die Stellenerhöhung mit 71 gegen 55 Stimmen. (az)

Meistgesehen

Artboard 1