Basel statt Dübendorf
Konsulat schickte Aargauer Franzosen zum falschen Wahllokal

Schauspielerin Denise Geiser verbrachte fast den ganzen Sonntag mit Wählen. Von Oberkulm reiste sie eigens nach Basel, wo man sie prompt nach Dübendorf schickte. Das Konsulat schickte sie zum falschen Wahllokal aufgeboten.

Martina Rutschmann
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Zahlreiche Franzosen harrten, teils vergeblich, vor dem Basler Wahllokal aus.

Zahlreiche Franzosen harrten, teils vergeblich, vor dem Basler Wahllokal aus.

zvg

Humor hat Denise Geiser (59) mehr als genug. Als Juliette Blamage der Frauen-Musikkabarett-Gruppe Acapickels brachte sie das Publikum zwanzig Jahre lang zum Lachen. Und auch, wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht, ist sie eine Frohnatur. Ausser am Sonntag. Da gab es für Denise Geiser nichts zu Lachen. Im Gegenteil. «Ich war stinksauer», sagt sie.

Sie war vergeblich von ihrem Wohnort im aargauischen Oberkulm in ihre Heimatstadt Basel gereist, um einem der französischen Kandidaten ihre Stimme zu geben. Als sie das Basler Wahllokal nach zwei Stunden in der Warteschlange verliess, hatte aber noch kein Kandidat ihre Stimme. Erst Mitte Nachmittag machten die Verantwortlichen ein Häkchen hinter ihren Namen. Dies geschah aber nicht in Basel, sondern in Dübendorf bei Zürich.

Im April hatte die Doppelbürgerin einen Brief vom Französischen Generalkonsulat in Zürich erhalten. «Bâle» war das entscheidende Wort – in Grossbuchstaben gedruckt und umrahmt. Das Konsulat lud sie ein, ihre Stimme am 23. April in der Ecole française im Gellert-Quartier abzugeben. «Das werde ich bestimmt tun», sagte sich Denise Geiser – und fuhr am Wahlmorgen um 11 Uhr mit dem Auto los in Richtung Basel. Vor dem Wahllokal warteten Dutzende anderer Franzosen.

«Das Französische Generalkonsulat bekommt einen saftigen Brief von mir.» Denise Geiser, Doppelbürgerin, war sauer.

«Das Französische Generalkonsulat bekommt einen saftigen Brief von mir.» Denise Geiser, Doppelbürgerin, war sauer.

zvg

Erst nach einer Weile fand Denise Geiser heraus, dass sie in der falschen Schlange stand. Kurz vor ihrem Eintreffen hatte offenbar jemand die Wählenden informiert, dass die Warteschlangen in Gruppen von A bis K und L bis Z unterteilt seien. Angeschrieben war nichts. «Es erstaunte mich nicht, dass die Wahl dilettantisch organisiert war, ich kenne die französische Bürokratie nicht anders», sagt Geiser. Richtig ärgerte sie sich aber erst, als sie nach über einer Stunde im Wahlbüro ankam, aber nicht wählen durfte.

«Der Herr dort fand meinen Namen nicht auf der Liste», sagt Geiser. Sie hoffte, das Missverständnis möge bald geklärt sein und wartete eine weitere halbe Stunde. Doch gar nichts klärte sich. Sie erfuhr, dass sie versehentlich nach Basel geschickt worden sei und nun nach Dübendorf fahren müsse. «Ich war ausser mir!»

Über eine Stunde später kam sie in Dübendorf an und fand vor, was sie am Morgen bereits in Basel antraf: eine lange Warteschlange. Allerdings durfte sie ohne warten ins Lokal eintreten. Das Problem betraf auch andere Leute aus dem Kanton Aargau, wie Geiser schnell feststellte.
Beim Generalkonsulat in Zürich weiss man Bescheid. «Wir bedauern diesen Fehler sehr», sagt Mitarbeiter Serge Goupil auf Anfrage. Es läge an einem EDV-Problem.

Ein Problem, das Denise Geiser und anderen Doppelbürgern einen langen Wahlsonntag bescherte. «Das Französische Generalkonsulat bekommt einen saftigen Brief von mir», sagt Denise Geiser. In der Hoffnung, das Ganze wiederhole sich nicht bei der Stichwahl in zwei Wochen.

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