Kommentar
Mehr als ein Zückerli liegt nicht drin

Auch wenn man nur auf die Auslastung der Intensivbetten schaut, wie dies Kritiker der Coronamassnahmen fordern, entwickeln sich die Zahlen im Aargau in die falsche Richtung.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Die Zahl der Intensivpatienten, die an Covid-19 leiden, hat sich im Aargau innerhalb einer Woche verdoppelt.

Die Zahl der Intensivpatienten, die an Covid-19 leiden, hat sich im Aargau innerhalb einer Woche verdoppelt.

Alex Spichale

Seit Montag dürfen sich zehn Personen privat treffen – weitere Lockerungen der Coronamassnahmen gab es nicht. Bei drei von vier Richtwerten seien die Vorgaben nicht erfüllt, sagte Gesundheitsminister Alain Berset: Reproduktionswert, 14-Tage-Inzidenz und Positivitätsrate waren zu hoch, nur die Auslastung der Intensivbetten lag unterhalb der kritischen Grenze.

Aus einigen Kantonen kam die Forderung, der Bund solle nur die Belegung der Intensivbetten anschauen – alle anderen Werte seien fragwürdig. Der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati orientiert sich an diesem Wert. Er sagt sogar, dass nicht die Regierung, sondern die Lage in den Spitälern den Zeitpunkt für Verschärfungen oder Lockerungen bestimme.

Auch der Aargau verteilt ein kleines Zückerli: Am Montag hat der Regierungsrat angekündigt, dass Bewohner bald wieder mit Angehörigen im Restaurant des Alters- und Pflegeheims essen dürfen. Die neue Regelung ist ein Lichtblick für die lange isolierten Senioren und ihre Angehörigen – mehr aber auch nicht.

Mehr ist auch nicht möglich, denn die Zahlen entwickeln sich im Aargau in die falsche Richtung. Das gilt sogar, wenn man Positivitätsrate (umstritten wegen Massentests), R-Wert (mehrfach korrigiert) und Neuinfektionen (es wird mehr getestet) weglässt und nur in die Spitäler schaut. In nur einer Woche hat sich die Zahl der Intensivpatienten im Aargau verdoppelt. Das kann nicht zu Lockerungen führen.