Kommentar
Dioxinbelastung in Aargauer Böden: Klarheit bringen nur neue Analysen

Untersuchungen in den 90er-Jahren zeigten, dass der Dioxin-Grenzwert im Umkreis der Kehrichtverbrennungsanlage Turgi überschritten wurde. Seither gab es keine Bodenanalysen mehr – doch nur neue Proben können Gewissheit bringen.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Bei der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs will der Kanton im kommenden Jahr den Boden auf Dioxin untersuchen.

Bei der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs will der Kanton im kommenden Jahr den Boden auf Dioxin untersuchen.

Zvg / AAR

Vor gut 45 Jahren ereignete sich in einer Fabrik im italienischen Seveso, die zur Schweizer Firma Hoffmann-La Roche gehörte, ein gravierender Chemieunfall. Aus dem Werk trat eine giftige Dioxinwolke aus, Anwohner erlitten Hautverätzungen, Tiere starben, weite Landstriche wurden verseucht, Hunderte Menschen wurden nach dem Unfall evakuiert.

Seit Montag ist bekannt, dass bei einer ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage in Lausanne die Dioxin-Grenzwerte im Boden überschritten wurden. Die Behörden empfehlen, kein Gemüse zu essen, das in dieser Gegend angebaut wurde, und darauf zu achten, dass Kinder auf Spielplätzen keine Erde in den Mund nehmen.

Recherchen der AZ zeigen, dass auch im Aargau Dioxin im Boden nachgewiesen wurde. An zwei Orten in Turgi wurde in den 1990er-Jahren der Wert überschritten, ab dem es für Menschen gefährlich werden kann. Das macht es schwer verständlich, dass der Kanton bisher die Meinung vertrat, rund um Verbrennungsanlagen sei keine Dioxin-Untersuchung nötig.

Nun soll es bei der Anlage in Buchs doch Analysen geben. Auch wenn das ziemlich teuer ist: Der Entscheid ist richtig, nur so lässt sich die Ungewissheit beseitigen. Aber auch in Turgi wären neue Untersuchungen nötig. Es gibt keinen Grund zur Panik, die Erklärung, dass die Dioxinbelastung heute unter dem Grenzwert liegen dürfte, klingt logisch. Klarheit bringt aber nur eine neue Untersuchung.

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