Serie
Kolumbien-Auswanderin: «Wir leben sehr einfach hier im Dschungel»

Aargauer in aller Welt: In einer Serie zeigen wir, wie ausgewanderte Aargauer dort leben, wo andere Ferien machen. Die 36-jährige Brigitte Villa aus Nussbaumen lebt in Kolumbien – wo es sicherer sei, als manche denken würden.

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Menschenleerer Strand und Dschungel in der Sierra Nevada: Hier hat die Nussbaumerin Brigitte Villa ihre neue Heimat gefunden.

Menschenleerer Strand und Dschungel in der Sierra Nevada: Hier hat die Nussbaumerin Brigitte Villa ihre neue Heimat gefunden.

Zur Verfügung gestellt

Wieso sind Sie ausgerechnet nach Kolumbien ausgewandert?

Der Liebe wegen. Ich habe meinen jetzigen Mann auf Reisen kennen gelernt und bin zwei Jahre später zu ihm nach Kolumbien gezogen.

Neue Serie: Aargauer in aller Welt.

Neue Serie: Aargauer in aller Welt.

AZ

Welches Wort in der Landessprache brauchen Sie am häufigsten?

Das ist, glaube ich «Listo». Das kann man sowohl als Nachfrage als auch als Ausruf gebrauchen und bedeutet so viel wie «ok», «verstanden» «parat».

Wie sicher fühlen Sie sich in Kolumbien, wenn Sie spazieren gehen?

Kolumbien ist sicherer, als mancher denken mag. Da wo ich wohne, ist es momentan sehr sicher und ich bewege mich total frei, auch alleine. Vor wenigen Jahren herrschte hier jedoch noch Guerilla-Krieg. In den Städten sollte man schauen, in welchen Quartieren man sich aufhält und sich etwas «dezent» verhalten und kleiden. In den vier Jahren hier bin ich jedoch noch nie in eine brenzlige Situation gekommen.

Wie wohnen Sie?

Ich wohne mit meinem Mann und meinen knapp einjährigen Sohn auf einer Finca im Dschungel der Sierra Nevada de St. Marta. Etwas weiter oben fängt das Indianer-Naturschutzgebiet an, welches jedoch geschlossen ist. Wir leben sehr einfach hier, trinken Wasser ab Quelle, haben Solar-Strom und leben zu einem Teil selbstversorgend. Wir haben unter anderem Avocado, Kaffee und diverse Bananen-Sorten und Hühner. Zudem betreiben wir ein Hostel und ein Café. Hier oben haben wir das Glück, dass wir zwar «ab vom Schuss» leben, jedoch in der Nähe eines touristischen Dörfchens namens Minca. Zudem ist St. Marta und das Meer nur gut eine Auto-Stunde entfernt.

Wie weit ist es zur nächsten Einkaufsmöglichkeit?

Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 40 Minuten zu Fuss erreichbar. Dort in Minca gibt es einfache Einkaufsmöglichkeiten. Alle zwei Wochen fahren wir mit dem Auto in die Stadt für einen Grosseinkauf.

Welche kulinarischen Spezialitäten Ihres Auswanderungslandes mögen Sie am liebsten?

Am liebsten mag ich Empanadas de Mita, das sind frittierte, gefüllte Maistaschen – frisch gemacht von meiner Schwieger-Grossmutter. Und dann natürlich die vielen tropischen Früchte hier – direkt ab Baum.

Und was essen Sie gar nicht gern?

Da gibt es so einiges, was für uns eher seltsam ist. Zum Beispiel gibt es Regionen, da essen sie Meerschweinchen (Kolumbianer sind dafür schockiert, wenn ich ihnen erzähle, dass man in der Schweiz Pferdefleisch isst . . .) Was mir regelmässig angeboten wird und ich gar nicht mag, ist Chicharon. Das ist frittierte Schweinehaut mit Fett.

Wie ist das Klima?

Wir haben hier immer Sommer, plus minus 30 Grad. In der Nacht kann es kühl werden. Aufgeteilt in 6 Monate Trockenzeit und 6 Monate Regenzeit. Die beiden Zeiten machen ihren Namen alle Ehre . . .

Was gefällt Ihnen am Leben, am Alltag in Ihrer neuen Heimat am besten?

Dass ich hier ohne Agenda lebe. Ich kann jeden Tag machen, was ich will. Zudem mag ich das Leben mit der Natur und mit den Tieren. Wir haben Katzen, Hunde und Hühner. Die brauchen wir als Verteidigung, als Nahrungsmittel-Lieferant und als Schutz vor Schlangen, Spinnen und Skorpionen. Die Tiere geben uns was, und wir geben ihnen dafür ein Zuhause. Ich mag diese «natürliche Symbiose».

Und was stört Sie am meisten?

Am meisten stört mich das «Unorganisierte» hier. Auf ein- und demselben öffentlichen Büro kriegt man jeden Tag andere Informationen. Dinge, die in der Schweiz mit einem Telefon oder einem Online-Formular erledigt sind, können hier Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate beanspruchen.

Wohin fahren Sie selber in die Ferien?

Meine Ferien beschränken sich momentan auf die Schweiz oder Kolumbien selbst. Wobei ich jetzt über zwei Jahre nicht in der Schweiz war.

Haben Sie manchmal Heimweh nach der Schweiz?

Heimweh als solches hatte ich am Anfang, heute nicht mehr.

Was vermissen Sie am meisten?

Natürlich meine Familie und meine Freunde, vor allem seit ich selber Mutter bin. Zudem hab ich ein Gotti-Kind in der Schweiz, welches ich sehr vermisse, und mein Bruder ist vor zwei Jahren Vater geworden – bis heute kenne ich meinen Neffen nicht. Und dann gibt es da noch das eine oder andere Kulinarische: Bündnerfleisch und Salami zum Beispiel und Trübelichueche und Vermicelles :-)

Was können die Schweizer von den Kolumbianern lernen?

Lernen zu leben! Einfach mal gut sein lassen und geniessen. Man muss nicht immer alles so verbissen sehen.

Nennen Sie drei Dinge, die man als Tourist in Kolumbien unbedingt sehen muss.

Von den Städten gefällt mir am besten Medellin, dann für das Meer den Tayrona Nationalpark und zum Schluss natürlich ein Besuch bei uns in der «Villa Verde» in Minca.

Nennen Sie drei Dinge, die man einpacken muss, wenn man Kolumbien bereist.

Unbedingt Mückenschutz! Dann ein spanisches Wörterbuch – die Leute hier sprechen viel, jedoch sehr selten ein Wort Englisch. Und dann noch gute Schuhe – Touristen laufen zum Erstaunen der Einheimischen (die meist in Gummistiefeln unterwegs sind) immer in Flip-Flops rum.

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