Region Aarau
Kölliken ist ein Stromparadies – wo Strom besonders günstig und wo er teuer ist

Warum sind in der Gemeinde Kölliken die Strom-Tarife so tief? Die IBAarau will das EWK AG für 12 Millionen Franken kaufen.

Melanie Eichenberger und Urs Helbling
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Wie ist der tiefere Preis in Kölliken (Bild) zu erklären? Die AZ hat bei der IBAarau nachgefragt. (Archivbild)

Wie ist der tiefere Preis in Kölliken (Bild) zu erklären? Die AZ hat bei der IBAarau nachgefragt. (Archivbild)

Niklaus M. Wächter

Dieser Fall ist weit über die Region hinaus interessant – und im Raum Aarau brisant. Am nächsten Freitag entscheiden die Kölliker darüber, ob sie ihren Stromversorger EWK Energie AG für 12 Millionen Franken an die IBAarau verkaufen wollen. «Das Angebot der IBA hat sämtliche Erwartungen des Gemeinderates übertroffen», erklärte der zuständige Gemeinderat Christoph Müller (AZ vom 2. 11.).

Der Preis ist nicht nur hoch, sondern die IBAarau gibt den Köllikern auch eine Tarifgarantie ab. «Wir haben erreicht, dass die Preispolitik, die Tarife, gleich bleiben», so FDP-Politiker Müller. Das heisst: Die Kölliker bekommen ihren Strom günstiger als die Aarauer.

Das wiederum hat zu einer FDP-Anfrage im Einwohnerrat geführt: «Wird sich der Stadtrat dafür einsetzen, dass auch die Aarauer Bevölkerung von gleich günstigem Strom wie die Kölliker Bevölkerung profitieren kann?» Die Antwort steht noch aus.

Kölliker sparen fast 200 Franken

Wie viel günstiger ist der Strom heute in Kölliken? Ein Vergleich ist schwierig, aber dank des Strompreisrechners der ElCom, der unabhängigen eidgenössichen Regulierungsbehörde, möglich. Ein Durchschnittshaushalt (Beispiel H3: 4500 kWh/Jahr: 4-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Elektroboiler) zahlt in Kölliken 626 Franken.

In den Direktversorgergemeinden der IBAarau (etwa Aarau) sind es 196 Franken mehr. Die Kölliker müssen im AZ-Einzugsgebiet Aargau West (siehe Tabelle am Ende des Artikels) am zweitwenigsten bezahlen. Und: Seit 2010 ist ihr Strompreis sogar um 17,54 Prozent gesunken.

Das EWK ist im Jahr 2010 von einem Eigenwirtschaftsbetrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Es ist finanziell gesund, liefert jährlich etwa 200 000 Franken Konzessionsabgaben ab und hat dieses Jahr der Gemeinde erstmals eine Dividende von 100 000 Franken ausbezahlt.

Die ElCom nennt die Konzessionsabgabe «Abgabe ans Gemeinwesen»: Sie ist in Kölliken mit 0,95 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) sogar höher als in Aarau mit 0,85 Rp./kWh.

Dreckigeren Strom in Kölliken

Wie ist der tiefere Preis in Kölliken zu erklären? Die AZ hat bei der IBAarau nachgefragt. Antworten gab Sprecherin Sandra Bläuer. Sie sagt zusammenfassend: «Sowohl Netzzustand wie auch Stromqualität sind in Aarau und Kölliken unterschiedlich.» Die Aarauer Kleinkunden müssen saubereren Strom beziehen (keine Wahlfreiheit).

«Der Preisunterschied auf die reine Energie ist primär auf den Strombeschaffungsmix zurückzuführen. In Aarau erhalten alle Tarifkunden 100 Prozent erneuerbaren Strom ‹Wasserkraft Schweiz› als Grundangebot, mit einem Anteil Wasserkraftstrom vom Aare-Kraftwerk Aarau. In Kölliken beträgt der Anteil erneuerbare Energie im Grundangebot derzeit 60 Prozent. EWK Energie AG hat keine Eigenproduktion und beschafft die gesamte Strommenge am Markt zu derzeit günstigen Konditionen», erklärt Bläuer.

Laut der Sprecherin unterscheiden sich die Netzkosten primär dahingehend, dass die IBAarau nebst dem Stadtnetz von Aarau auch 22 Konzessionsgemeinden versorgt: «Das Stadtnetz hat eine hohe Leistungsdichte, während das ländlichere Netz mit einer eher tiefen Leistungsdichte versorgt wird. Kölliken hat ein kompaktes, lokales Verteilnetz. Daher liegen die Netzkosten pro Ausspeispunkt in Kölliken deutlich tiefer als im Netz der IBAarau AG.»

«Mittelfristige Angleichung»

Zudem investiere die IBAarau seit einigen Jahren in die substanzielle Werterhaltung ihres Netzes, so Sandra Bläuer. Diese Investitionen dienten der Versorgungssicherheit. «In Kölliken stehen in den nächsten Jahren einige Erneuerungsprojekte im Verteilnetz an.

Daher geht IBAarau davon aus, dass sich die Unterschiede infolge Strommarktliberalisierung und künftiger Investitionen ins Stromnetz – Leitungserneuerungen, Ausbau der Anschlüsse und Digitalisierung – mittel- bis langfristig angleichen werden.»