155 Firmen stellten im März 2009 beim kantonalen Amt für Arbeit ein Kurzarbeitsgesuch. Von diesem Rekordwert ist man derzeit weit entfernt. Im Januar sind laut Amtsleiter Thomas Buchmann bisher 14 Anmeldungen eingegangen — mehr als im Vormonat zwar, aber immer noch weniger als im mehrjährigen Schnitt.

2009, Höhepunkt der Finanzkrise: Daniel Knecht, Unternehmer und Präsident der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK), erinnert sich lebhaft an die turbulente Zeit. «Auf einen Schlag waren alle Aufträge weg.» Die jetzige Situation ist in dieser Hinsicht anders. «Die Auftragsbücher der meisten Unternehmen sind voll», so Knecht. Dass die Zahl der Kurzarbeitsgesuche noch tief ist, überrascht ihn deshalb nicht.

Kommt der Auftragseinbruch?

Mittelfristig rechnet Knecht aber sehr wohl mit einem Anstieg. «Vor allem Exportfirmen, die nicht über einzigartige Produkte verfügen, müssen mit einem Auftragseinbruch rechnen, falls sie ihre Preise nicht anpassen.» Die Max Lehner AG gehört wohl eher nicht in diese Kategorie. Zumal die Maschinenbaufirma aus Gränichen es sich leisten kann, das Wechselkursrisiko den ausländischen Kunden zu überlassen, indem sie in Franken fakturiert. Die bereits gebuchten Aufträge haben deshalb nicht an Wert verloren. «Kurzarbeit hat es bei uns noch nie gegeben», sagt VR-Präsident Veith Lehner — und er will es auch weiter so halten.

Natürlich sei die schlagartige Frankenaufwertung schlecht für die Auftragslage. Den schwachen Euro komplett mit Preisnachlässen zu kompensieren, sei aber nicht realistisch. «Unsere momentanen Margen lassen es nicht zu, dass wir unsere Produkte auf einen Schlag um 15 Prozent billiger anbieten können. Dafür hat der schon in der Vergangenheit aufgebaute Preisdruck seitens unserer Abnehmer gesorgt».»

Druck auf das Seco

Die Zukunft wird zeigen, wie viel mehr die Abnehmer im Euroraum für «Swiss Made» zu zahlen bereit sind. «Ich gehe davon aus, dass sich der starke Franken erst im nächsten Halbjahr richtig bemerkbar macht», sagt Lehner. Der Druck auf das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist trotzdem bereits gestiegen. Im Moment qualifiziert dieses Währungsschwankungen als normales Betriebsrisiko. Nur wenn das Seco die aktuelle Situation als ausserordentlich einstuft, könnten Kantone und die Arbeitslosenkassen Kurzarbeitsgesuche mit der Begründung «Frankenstärke» gutheissen.

AIHK-Präsident Knecht fordert diesen Schritt. Der Zugang zur Kurzarbeit müsse erleichtert werden — eine Einschätzung, die Kurt Schmid nicht teilt. Der Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes warnt vor einer Überreaktion. Es könne nicht sein, «dass man jetzt schon nach Kurzarbeit ruft». Vielmehr gelte es, einen kühlen Kopf zu bewahren und von den Unternehmen etwas Flexibilität zu verlangen. «Erst in einem halben Jahr kann man dann vielleicht darüber reden. Staatliche Interventionen, Subventionen oder Unterstützungsprogramme kommen für mich nicht infrage, weil diese die Strukturerhaltung fördern und damit den freien Markt verzerren. Der Markt muss sich ohne Staat finden.»