Vor knapp 2000 Jahren errichtete die römische Besatzungsmacht einen Ziegelbrennofen in Kölliken. Ziegelfragmente tragen die Stempel der 21. Legion und der 26. Auxiliar-Kohorte (Hilfstruppe). Ein 1974 ausgegrabener Brennofen stammt aus der Zeit zwischen 1450 und 1500; er wurde vermutlich vom Kloster St. Urban betrieben. 1823 begann die Ziegelei Kölliken erneut zu produzieren. Der Ton (Lehm) eignete sich hervorragend zum Brennen. Die Ziegel und Backsteine waren wegen ihrer Qualität angesehen. Beim weiteren Abbau nahm die Qualität mit der Menge des Lehms ab. Der Betrieb wurde 1976 eingestellt, der Brennofen 1979 abgebrochen. Die Grube mit ihrem Fassungsvermögen von rund 450000 Kubikmetern sollte so schnell als möglich aufgefüllt werden.

Sorgloser Umgang mit Abfällen

Es war die Zeit, in welcher die Primitivformen der Abfallbeseitigung überwunden wurden. Nachdem man den Kehricht bis dahin in Bäche geworfen oder man damit Geländemulden aufgefüllt hatte, wurde er nun geordnet deponiert oder in den damals entstehenden Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt, die anfänglich mit ungenügenden Filtern ausgerüstet waren und grosse Gebiete verpesteten, je nach Wind.

Die Vorbereitungen zur Einlagerung von toxischen Materialkonglomeraten auf dem Areal, das noch immer der Tonwerke Keller AG gehörte und erst 1994 vom SMDK-Konsortium (Kantone Aargau und Zürich, Stadt Zürich und Basler Chemie) erworben wurde, begannen auf Anregung des ABN (Bund für Naturschutz), der so eine Deponie im Jura verhindern wollte. Das Deponieprojekt im unteren Uerkental stand unter der Ägide des Baudepartements. Präsident und Geschäftsleiter war Erwin Märki, Chef der Abteilung Gewässerschutz des Baudepartements, welches von Regierungsrat Jörg Ursprung geleitet wurde.

Geplant als Kehrichtdeponie

Im Baugesuch vom Februar 1976 war verharmlosend von einer «Kehrichtdeponie» die Rede. Die 5 Einsprachen betrafen vor allem Ängste vor Lärm und Gestank. Sie wurden abgelehnt. Ein Einsprecher blieb hartnäckig und erreichte den Erlass eines «Pflichtenhefts» für den Deponiebetrieb. Wie sich herausstellte, hatte dieses nur einen Pro-forma-Charakter. Darin heisst es: «Unzulässig ist die Ablagerung von Stoffen, die wegen ihrer Art oder ihrer Menge toxisch wirken und damit geeignet sind, das gesammelte Deponiesickerwasser in übermässiger Weise zu belasten.» Wäre dies eingehalten worden, hätte man die SMD nie betreiben können.

Über dem Grundwasserstrom

Bei der Deponieplanung wurde kaum berücksichtigt, dass das Gebiet am oberen Dorf-Ende von Kölliken über einem der obersten Äste des wichtigsten Grundwasserstroms der Schweiz (Suhrental–Aaretal bis zur Einmündung in den Rhein) liegt – ein verzweigtes Flusssystem im Schotter aus der Eiszeit, das als wichtige Trinkwasserquelle dient. Dass ausgerechnet an dessen Kulminationspunkt ein hochgiftiger Abfall-Cocktail vergraben werden sollte, spottete jeder Vernunft: Destillationsrückstände (beliebiger Chemie-Mix), ölverseuchte Erde, Farbrückstände, Säureharze usf. Sogar phenolverschmutzte Erde aus Bologna (I) wurde angenommen.

Die unterirdischen Wasserläufe im Aargau sind spätestens seit 1901 bekannt, als Friedrich Mühlberg die «Quellenkarte des Kantons Aargau» vollendet hatte. Weil der Grubenboden noch immer mit Lehm überdeckt war, schien diese weitgehend wasserundurchlässige Schicht Gewähr dafür zu bieten, dass nichts in den Untergrund infiltrieren würde; das beauftragte Ingenieurbüro erklärte, der Lehm trage durch Sorption und Filtration zu einer gewissen Vorreinigung bei. Das Projekt, das von beschönigten Annahmen ausging, war von der CSD Colombi, Schmutz, Dorthe AG, Liebefeld/Bern, verfasst worden. 600000 Franken reichten zur rudimentären Vorbereitung der Grube aus.

Entwässerung in die Kläranlage

Immerhin war abzusehen, dass die Wanne, wäre sie denn dicht, durch die Niederschläge aufgefüllt und zum Überlaufen gebracht würde. Deshalb wurde eine künstliche Entwässerung installiert und der aggressive Deponiesaft in die Kläranlage Kölliken geleitet, die für solche massive Giftattacken nicht eingerichtet war. Die Deponie wurde am 16. Mai 1978 feierlich eröffnet. Ein älterer Arbeiter ohne chemische Kenntnisse und ohne die Möglichkeit zu Analysen betreute nun die Eingangskontrolle, eine blosse Sichtkontrolle. Die Einlagerungskosten betrugen 45 bis 85 Franken pro Kubikmeter. Ein Geschäft? Das Elend begann.

*Walter Hess, Biberstein, war Redaktor beim «Aargauer Tagblatt», später bei der Zeitschrift «Natürlich». Quellen: Dorfmuseum Kölliken (Broschüre «Die Geschichte der Ziegelei Kölliken»). Berichte aus dem «Aargauer Tagblatt».