Pfadilager
Kochrezepte und Wunschkonzert: Radiostudio sendet aus dem Pfadilager

Im kantonalen Pfadilager in Pfäffikon ZH entstand innert kürzester Zeit ein mittelalterliches Dorf mit eigener Zeitung, Post und Sanität. Imposante Burgen erinnern an das Lagermotto.

Manuel Bühlmann
Merken
Drucken
Teilen
Ein Lagerplatz, fünf Dörfer: Die Heimat der Pfadis aus dem ganzen Kanton während zweier Wochen.

Ein Lagerplatz, fünf Dörfer: Die Heimat der Pfadis aus dem ganzen Kanton während zweier Wochen.

Silvan Köhl

Wie es sich für ein richtiges Mittelalter-Dorf gehört, gibt es auch Hühner auf dem Gelände des Aargauer Kantonallagers (Kala). Etwas weniger mittelalterlich sind die Namen der drei Tiere: Lady Rührei, Leudatia und El Coco Loco.

Wer das Gelände betritt, fühlt sich sogleich in der Zeit zurückversetzt. Dafür sorgen vor allem die imposanten Burgen, welche die einzelnen Abteilungen in stundenlanger Arbeit aufgebaut haben. Sie erinnern an das Lagermotto «exkalabur - entdecke das Mittelalter».

Innerhalb einer Woche entstanden auf einer leeren Wiese auf dem Ruetschberg in Pfäffikon ZH fünf Dörfer, in denen sich die verschiedenen Altersstufen der Aargauer Pfadis und die Helfer eingerichtet haben.

Regen kühlt nach Hitzewoche ab

Die rund 30 Aufenthaltszelte schützen vor den Regenfällen, die nach einer ersten Hitzewoche Abkühlung bringen. Pfadis lassen sich vom schlechten Wetter nicht stören. «Wir sind uns Regen im Lager gewohnt», sagt Lagerleiterin Carla Strebel v/o Cheerio.

Viele haben vorgesorgt. Der 11-jährige Nico v/o Nano von der Berg-Pfadi Mutschellen / Tal-Pfadi Jonen etwa hat extra eine Pelerine eingepackt, für den Fall, dass seine Regenjacke durchnässt sein sollte.

Kochshows und News im Radio

Den rund 1100 Teilnehmern und 200 Helfern fehlt es in den zwei Lagerwochen an nichts. Für Unterhaltung sorgt der Radiosender fanfare.fm, der auf www.exkalabur.ch und auf 92.5 MHz rund um die Uhr sendet.

In der Garage des nahen Bauernhofs haben die Radiomacher zwei Studios eingerichtet. Die Antenne steht auf einem der Silos. Der Radiotag beginnt mit der Morgenshow und endet mit der Geisterstunde.

Dazwischen gibt es Nachrichten, Kochrezepte und ein Wunschkonzert. Für das Open Studio würden die Kinder schon mal vor dem Studio Schlange stehen, damit sie übers Radio ihre Familien und Freunde grüssen können, sagt Melanie Röthlisberger v/o Cambia, Kala-Medienverantwortliche.

Ebenfalls beliebt, um mit den Daheimgebliebenen in Kontakt zu bleiben, sind die Lager-Postkarten. Sie können bei der Poststelle mitten auf dem Gelände oder in einem der sechs Briefkästen abgegeben werden.

«Bei uns gehen viele Heimwehkarten an die Eltern ein», sagt Yvonne Lammer v/o Fidelio vom Post-Team. Ein Mädchen habe kurz nach Lageranfang unter Tränen eine Karte nach Hause geschrieben. Trost spendete der Brief, den sie kurz darauf von Vater und Mutter erhielt.

Fünf Pöstler, zu erkennen an ihren blauen Umhängen, sorgen dafür, dass Briefe und Pakete zum richtigen Empfänger kommen.

40 bis 60 Pakete erreichen das Kala täglich. Mehrheitlich Esswaren, aber auch viele zu Hause vergessene Kleider gelangen auf diesem Weg ins Lager.

Alles für die Sicherheit

Bei Schürfungen, Nasenbluten, Bienenstichen helfen die Sanitäter. 400- mal taten sie das in der ersten Woche. Daneben sind vier Ärzte vor Ort. Gleich neben dem Sanitätszelt steht ein Container.

«Hochsicherheitskerker» steht mottogemäss über der Tür. Darin kümmert sich ein Team um die Sicherheit. So müssen sie die Wetterberichte überwachen, um bei einem Unwetter reagieren zu können.

Entsprechende Evakuationspläne liegen bereit. «Wir müssen für alle Fälle gerüstet sein», sagt Jonas Häberling v/o Sky. 24 Stunden ist eine Notfallnummer in Betrieb, die alle Kinder auf einem gelben Badge um den Hals tragen.