Knapp 50000 Masken sind schon an das Gewerbe verteilt worden

Pro Arbeitsplatz erhalten Firmen zwölf Masken, Coiffeurgeschäfte zusätzlich pro Angestellten 144 Masken.

Martin Rupf
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Seit gestern verteilt der Kanton wie hier im Trafo in Baden gratis Hygienemasken an Gewerbetreibende.

Seit gestern verteilt der Kanton wie hier im Trafo in Baden gratis Hygienemasken an Gewerbetreibende.

Bild: Alex Spichale

Seit gestern Morgen gibt der Kanton in Baden, Frick, Kölliken und Wohlen gratis Schutzmasken an Betriebe ab, die ab kommenden Montag wieder geöffnet haben dürfen. Im Aargau sind das 5500 Betriebe. Die Rede ist dabei von Coiffeurgeschäften, Massage- und Kosmetikstudios, Solarien, Tattoo-Studios, Baumärkten, Autowaschanlagen, Gartencentern, Blumenläden sowie Gärtnereien. Weil es gerade in den erstgenannten Betrieben unmöglich ist, den wegen des Coronavirus nötigen Zwei-­Meter-Abstand einzuhalten, hat sich der Kanton Aargau entschieden, diesen Betrieben 200000 Hygienemasken gratis und unbürokratisch zur Verfügung zu stellen (die AZ berichtete). Vom Angebot wurde bis gestern Abend schon rege Gebrauch gemacht. So wurden bereits knapp 50000 Masken bezogen; interessanterweise in Wohlen mit knapp 20000 Masken am meisten, während es in Baden mit etwa 5000 Masken deutlich am wenigsten waren. Von heute Samstag bis und mit Montag können die Masken von jeweils 8 bis 18 Uhr bezogen werden.

Jede betroffene Firma ist einmal zum Bezug berechtigt. Pro Arbeitsplatz werden 12 Masken ausgehändigt. Coiffeurgeschäfte erhalten zudem pro Angestellten 144 Masken, die den Kundinnen und Kunden ausgehändigt werden sollen. Kantonsärztin Yvonne Hummel präzisierte gestern an der Medienkonferenz in Baden: «Die Maske ist dann sinnvoll, wenn ein naher Kundenkontakt üblich ist und die Zwei-Meter-Abstandsregel nicht eingehalten werden kann, zum Beispiel beim Coiffeur.» Im Gegensatz dazu seien Schutzmasken bei unbedienten Einrichtungen und Angeboten wie Autowaschanlagen oder Blumenfeldern nicht sinnvoll. Und Dieter Wicki, Chef der kantonalen Task Force Coronavirus, ergänzte: «Die betroffenen Unternehmen sollen in der kurzen Vorbereitungszeit ihren Bedarf für zwei Wochen rasch und unkompliziert decken können.» Die Gratisabgabe der 200000 Masken gelte für den ersten Lockerungsschritt, danach werde die Situation neu beurteilt. «Wir zählen darauf, dass die Betriebe, die dann ab dem 11. Mai oder später wiedereröffnen können, sich bereits jetzt vorbereiten und die nötigen Materialien beschaffen», betonte Dieter Wicki.

Wichtig: Masken werden nur an Unternehmen und nicht an Privatpersonen verteilt, zumal im öffentlichen Raum kein Masken-Obligatorium besteht. Wicki empfiehlt Unternehmern, sicherheitshalber einen Handelsregisterauszug mitzubringen, für den Fall, dass die Firma nicht in der Liste des Kantons aufgeführt sei. Bei der Abgabe erhalten die Gewerbetreibenden zudem ein Merkblatt, wie die Masken richtig verwendet werden. Was nicht drauf steht: Eine Maske darf von einer Person während eines Tages getragen werden.

Über 40 Prozent der Aargauer Angestellten arbeiten Kurzarbeit

Für den Regierungsrat seien die wirtschaftlichen Lockerungen ein erster Schritt in die richtige Richtung und ein wichtiges Signal, erläuterte Samuel Helbling, Leiter Kommunikation des Departements Volkswirtschaft und Inneres. «Allerdings wird sich die Situation nicht schlagartig verbessern. Ein Betrieb, der öffnen darf, wird nicht gleich alle seine Angestellten wieder voll beschäftigen können.» Und nicht zuletzt hänge es auch erheblich von den Konsumentinnen und Konsumenten ab, wie sich der Umsatz der Betriebe entwickeln werde. «Die Zahl der Arbeitnehmenden, die Kurzarbeit leisten müssten, werde in den betroffenen Betrieben sinken. Aber: «Die Zahl der Betriebe mit Kurzarbeit dürfte sich nur langsam verringern», dämpft Helbling die Hoffnungen auf baldige wirtschaftliche Besserung.«Aktuell haben über 10000 Betriebe für rund 155000 Mitarbeitende Kurzarbeit beantragt. Bei einem Total von rund 480000 Angestellten entspreche das über 30 Prozent. Und noch eine eindrückliche Zahl lieferte Helbling: Aktuell würden sich rund 100 Personen pro Tag neu in den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) anmelden. «Seit dem 16. März haben sich rund 4600 Personen neu in den RAV angemeldet.» Die Arbeitslosenkasse habe in den letzten Wochen ihre Kapazitäten ausgebaut und werde auch von Mitarbeitenden der RAV unterstützt.

Vorsicht ist trotz oder gerade wegen der Lockerungen geboten

Alle Verantwortlichen betonten an der gestrigen Pressekonferenz: Trotz erster Lockerungen nächste Woche ist das Einhalten der Sicherheitsmassnahmen – allen voran das konsequente Abstandhalten – unabdingbar. Diesem Appell schliesst sich auch der Regierungsrat an, der schreibt: «Gerade in der Phase der nun bevorstehenden Lockerung von Schliessungsmassnahmen ist es unabdingbar, dass Betriebe und Bevölkerung die Schutzmassnahmen und Verhaltensregeln strikte einhalten. Es geht darum, eine zweite Infektionswelle zu verhindern, welche erneut drastische Einschränkungen und noch gravierendere wirtschaftliche Folgen haben würde.»

Infos zu den Standorten unter:

www.ag.ch/coronavirus