Wahlsplitter
«Klugscheissender Stubenhocker» und andere Glossen vom Wahltag

Während dem Wahlsonntag wurde so manches gesagt, geschrieben und getweetet. Unsere Redaktoren haben einige besondere Momente aufgefangen.

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Wahltag: Eindrücke vom Ratskeller im Aarauer Grossratsgebäude SP-Politiker unter sich: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener.
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Freuen sich über das Resultat: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener von der SP.
Die Aargauer CVP-Präsidentin Marianne Binder muss einen Rückschlag hinnehmen: Ihre Partei verliert zwei Sitze und kommt noch auf 17.
Liliane Studer von der EVP (Bezirk Baden) kann sich freuen: Sie wird wiedergewählt.
FDP-Nationalrat Thierry Burkart: Seine Partei legt leicht zu, hat aber nach wie vor 22 Sitze im Grossen Rat.
SVP-Präsident Thomas Burgherr im Gespräch mit seinem Regierungsrat Alex Hürzeler, der die Wiederwahl schon nach dem ersten Wahlgang feiern kann.
Markus Dieth ist neuer Regierungrsrat im Kanton Aargau. Der CVP-Mann wurde auf den vierten Platz gewählt, der Kampf um den fünften Platz geht weiter – es ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Ohne Chance: Regierungsratskandidat Pius Lischer hat die Wahl nicht geschafft.
Markus Dieth ist neuer Regierungrsrat im Kanton Aargau. Der CVP-Mann wurde auf den vierten Platz gewählt, der Kampf um den fünften Platz geht weiter - es ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Eindrücke Wahlen AG im Ratskeller des Grossratsgebäudes Aarau
Glückliche Gesichter: Die vier gewählten Regierungsräte.
Der Regierungsratskandidat der Grünen, Robert Obrist, schaut sich die Wahlergebnisse an.
Die SP-Regierungsrats-Kandidatin Yvonne Feri am Handy. Sie wird es im zweiten Wahlgang wohl nochmals versuchen.
Die SP-Aargauer-Co-Präsidenten Cédric Wermuth (Hand am Ohr) und Elisabeth Burgener (lila Jacke) im Gespräch mit SP-Regierungsrats-Kandidatin Yvonne Feri.
Die Fraktionspräsidentin der Grünen, Irène Kälin, im Gespräch mit SP-Aargau-Co-Präsident Cédric Wermuth. In der Mitte hinten SP-Fraktions-Co-Präsident Dieter Egli.
SP-Aargau-Co-Präsidentin Elisabeth Burgener bekommt Gratulationen von SP-Grossratskandidatin Verena Buol.
Roland Basler, Parteipräsident BDP AG, verfolgt besorgt die neusten Zahlen auf seinem Smartphone.
Der Aargauer BDP-Parteipräsident Roland Basler nimmt die Ergebnisse mit Verdruss zur Kenntnis. Die BDP verliert in fast allen bisher ausgezählten Bezirken. Auch er selbst schafft die Wiederwahl nicht.
FDP-Aargau-Parteipräsident Matthias Jauslin kontrolliert die aktuellen Ergebnisse auf seinem Smartphone.
Der Aargauer FDP-Parteipräsident Matthias Jauslin (Mitte) hat gut Lachen: Seine Partei legt nach den ersten Ergebnissen zu.
BDP-Regierungsratskandidatin Maya Bally Frehner, der Aargauer SVP-Parteipräsident Thomas Burgherr und Politologe Urs Vögeli sehen sich die neusten Ergebnisse der Regierungsratswahlen an.
BDP-Regierungsratskandidatin Maya Bally Frehner, der Aargauer SVP-Parteipräsident Thomas Burgherr und Politologe Urs Vögeli sehen sich die neusten Ergebnisse der Regierungsratswahlen an.
SVPler studieren und diskutieren die aktuellen Resultate.
Radio Argovia im Grossratsgebäude: Hanspeter Widmer (links) und Jürgen Sahli (rechts) berichten live.

Wahltag: Eindrücke vom Ratskeller im Aarauer Grossratsgebäude SP-Politiker unter sich: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener.

Alex Spichale

Doppelte Freude

Er sei womöglich der jüngste Grossvater im Grossen Rat, strahlte Josef Bütler (FDP, 48). Seine älteste Tochter brachte nämlich gestern Morgen um 5.32 Uhr Töchterchen Lea zur Welt. Mutter und Tochter seien wohlauf. Lea bringt 3,3 kg auf die Waage, und ist 50 cm gross. Doppelte Freude also für Bütler, der gleichentags als Grossrat bestätigt wurde. (MKU)

Doppelte Niederlage

Viele Jahre politisierte Franz Hollinger für die CVP im Grossen Rat, auch als kantonaler Parteipräsident. Als vor vier Jahren der Frühling der BDP anzubrechen schien, wollte er Fusionsgespräche mit der neuen Mittepartei prüfen lassen, unterlag aber schliesslich. Danach wurde er als CVP-Präsident abgelöst. Jetzt überholte ihn im Bezirk Brugg Parteikollege Jürg Baur. Hollinger verliert seinen Grossratssitz. Ein unverdient bitterer Abschied für ihn – zeitgleich mit dem massiven Taucher der BDP. (MKU)

Wie im römischen Senat fühlte sich BDP-Nationalrat Bernhard Guhl nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei. Während die Linke und die Rechte im Parlament immer mehr auseinanderdrifteten und mit lautem Geschrei bei ihren Wählern Schönfärberei betrieben, leide die politische Mitte unter ihrer Sachlichkeit: «Es kommt mir vor wie im alten Rom. Die Überbringer der schlechten Nachricht werden bestraft.» (AF.)

Einen unangenehmen Wahlsonntag erlebte BDP-Präsident Roland Basler. Seine Partei musste zwei Sitzverluste hinnehmen – einer davon betraf ihn persönlich. Er schaffte die Wiederwahl im Bezirk Zofingen nicht. Leicht angesäuert reagierte er denn auch auf die spöttische Bemerkung eines Twitternutzers. Baslers Kommentar: «Machen Sie sich nur lustig, klugscheissender Stubenhocker. Wir machen wenigstens was für den Kanton Aargau.» (Mbü)

Wie die Mutter . . .

. . . so die Töchter: Im Sommer 2015 wurde öffentlich, dass Yvonne Feri ihre damals auch schon 24-jährige Tochter Celina kritisiert hatte, weil die sich ihrer Meinung nach unvorteilhaft auf Facebook präsentiert hatte. Celina blieb cool und erklärte dem «Blick» gegenüber, nicht nur die Mutter würde ihre Töchter bei der Kleiderwahl beraten und allenfalls kritisieren, umgekehrt sei dies genauso der Fall. Dass das keineswegs nur eine unverbindliche Floskel war, zeigte sich gestern in Wettingen: Bevor Mutter Yvonne Feri nach Aarau in den Grossratssaal aufbrechen durfte, wurde sie von den beiden Töchtern kritisch begutachtet – und befolgte dankbar und folgsam die töchterlichen Tipps. (jm)

Abwechselnd im Naturama und im Grossratskeller verfolgte Daniel Hölzle die Wahlen mit. Der Grünen-Präsident musste lange selbst um seinen Verbleib im Rat bangen. «Ich habe gebibbert», gab er nach dem Wahlkrimi zu. Bis zum Schluss rechnete Hölzle mit einem Sitzverlust seiner Partei. Einem Parteikollegen gegenüber habe er gar schon sein Beileid
zur Abwahl bekundet. Zu voreilig, wie sich bald darauf herausstellen sollte. Die Grünen konnten ihre zehn Mandate retten. (Mbü)

Auf Twitter wurde gestern unter #WahlAG16 eifrig diskutiert. Von humorvoll bis gehässig waren fast alle Gemütslagen dabei. Ein fleissiger Twitterer fragte: «Was ist eine Demokratie wert, wenn die Wahlbeteiligung bei nicht mal 32% liegt?» Das stimmt nicht ganz, immerhin waren es bei den Grossratswahlen 32,8 Prozent. Die Frage, wo die restlichen 67,2 Prozent der Stimmbürger abgeblieben sind, lässt einen allerdings in der Tat ziemlich ratlos zurück. Derselbe Twitterer schrieb gestern kurz und bündig: «Äs schiffet.» Vielleicht lag’s daran. (AF.)