Trockenheit

Klimawandel im Aargau: Das sind die Prognosen – so reagiert der Kanton

Bewässerung verboten Wenn der Pegel der kleinen Gewässer, hier die Bünz bei Wohlen, zu niedrig ist, wird die Wasserentnahme verboten.

Bewässerung verboten Wenn der Pegel der kleinen Gewässer, hier die Bünz bei Wohlen, zu niedrig ist, wird die Wasserentnahme verboten.

Experten des Kantons diskutieren mit Vertretern von Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutz über Massnahmen gegen Trockenheit. Grünen-Präsident Daniel Hölzle begrüsst das, sieht den Aargau aber in der Pflicht, eine Vorreiterrolle bei der Reduktion von Treibhausgasen zu spielen.

Heute etwas Schnee. Morgen teils sonnig, teils bewölkt und im Westen lokal Schnee oder Regen. 4 bis 8 Grad.» So lautete die Prognose von SRF Meteo für die ersten zwei Tage dieser Woche – eigentliche normal für den November, aber ungewöhnlich für dieses Jahr.

2018 war auch im Aargau ausserordentlich warm und trocken: Wochenlang galt ein Feuerverbot, Bäche trockneten zum Teil ganz aus, Gemüsebauern klagten über Ernteausfälle. Anderseits verzeichneten Schwimmbäder hervorragende Besucherzahlen, Winzer freuten sich über eine ausgezeichnete Ernte und die Schifffahrt auf dem Hallwilersee registrierte einen Passagierrekord.

Bäche ausgetrocknet Im regenarmen Sommer führten im Freiamt und im Fricktal mehrere kleine Bäche gar kein Wasser mehr, ein trauriges Bild für die Fischer.

Bäche ausgetrocknet Im regenarmen Sommer führten im Freiamt und im Fricktal mehrere kleine Bäche gar kein Wasser mehr, ein trauriges Bild für die Fischer.

Hitzesommer wie der vergangene werden künftig häufiger, dies prognostizierten Klimaforscher von ETH Zürich und Meteo Schweiz letzte Woche in einer Studie auf. Dies gilt auch für den Aargau, wie die detaillierten Zahlen der Untersuchung für die Messstation Buchs/Aarau zeigen. Unter der Annahme, dass kein Klimaschutz betrieben wird und der Ausstoss von Treibhausgasen weitergeht, dürfte die durchschnittliche Temperatur im Winter bis ins Jahr 2060 von heute 1,3 auf neu 3,3 bis 4,2 Grad steigen. Auch im Sommer würde es wärmer: statt mit 18,1 Grad wie heute, wäre mit Temperaturen von 20 bis 21,6 Grad zu rechnen. Mit einem konsequenten Klimaschutz, also einem markant verminderten Ausstoss von Treibhausgasen, würde die Durchschnittstemperatur in Buchs/Aarau im Winter nur um 0,7 bis 2 Grad, jene im Sommer um 0,7 bis 1,8 Grad ansteigen.

Solche Bilder wird man häufiger wegen dem Klimawandel sehen:

Und solche wohl eher weniger:

Trockene Sommer, nasse Winter

Auch beim Niederschlag müssen sich die Aargauer auf Veränderungen einstellen. Heute fallen in Buchs/Aarau im Winter rund 70 Liter Regen pro Monat. Künftig dürften es ohne effizienten Klimaschutz zwischen 74 und 96 Liter sein, die Winter werden also tendenziell nasser. Umgekehrt ist der Trend im Sommer: Derzeit werden in Buchs/Aarau im Schnitt rund 105 Liter Regen pro Monat registriert, ohne Klimaschutz könnten es im Jahr 2060 noch 72 bis 113 sein.

Im letzten Sommer, der gefühlt bis weit in den Herbst hinein dauerte, fiel zum Teil wochenlang gar kein Regen. Systematisch erfasst hat der Kanton die Auswirkungen und Schäden des Hitzesommers allerdings nicht. Dies geht aus der Antwort der Regierung auf einen Vorstoss von Grünen-Präsident Daniel Hölzle hervor. In mehreren Bereichen – zum Beispiel beim Grundwasser und bei Bäumen – träten Folgen erst mit grosser zeitlicher Verzögerung auf, erklärt der Regierungsrat. Deshalb liessen sich die Folgekosten des Hitzesommers zum heutigen Zeitpunkt nicht genau abschätzen. Zudem führe die aussergewöhnliche Witterung «sowohl zu Ertragsausfällen (Futterbau, Milchwirtschaft), wie auch zu Spitzenerträgen (Obstkulturen, Rebbau)».

Drei runde Tische mit Betroffenen

Bereits im August fanden zwei Treffen zwischen Experten des Kantons und Vertretern von Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutz statt. An den «Runden Tischen Trockenheit und Gewässer» wurden die Situation einzelner Fischarten, die Auswirkung der Hitze auf natürliche Lebensräume, die Folgen für die Landwirtschaft diskutiert. Zudem wurden auch kurz- und langfristige Massnahmen besprochen, um mit dem Klimawandel umzugehen. Der Dialog zwischen Kanton und Verbänden sei lanciert, ein weiterer Workshop zu diesem Thema ist für 4. Dezember geplant.

In seiner umfangreichen Antwort auf Hölzles Vorstoss geht der Regierungsrat auf mehrere Aspekte des Hitzesommers ein. So hält er fest, die Bewilligung für Wasserentnahmen aus kleinen Gewässern sei je nach Ort und Situation untersagt worden. Als mögliche Alternative für die Zukunft werden Bewässerungs-anlagen genannt. Das neue Landwirtschaftsgesetz sehe vor, dass sich Gemeinden finanziell an solchen Projekten beteiligen können, schreibt die Regierung.

Weniger warmes Wasser eingeleitet

An einigen Stellen in Flüssen wurden Überlebenspools für Fische angelegt, zudem wurden einzelne Bäche abgefischt und die Tiere umgesetzt. Problematisch war nicht nur der tiefe Pegelstand, sondern auch die hohe Wassertemperatur der Flüsse. Der Kanton verfügte bei zwei Industriebetrieben, die ihr gebrauchtes Wasser in den Rhein einleiten, eine Drosselung der Produktion, damit der Fluss nicht zu stark aufgewärmt wurde. «Der grösste Wärmeeintrag in ein Gewässer im Aargau erfolgt durch die Flusskühlung des Kernkraftwerks Beznau», erläutert der Regierungsrat weiter.

Zeitweise wurde die Aare im Sommer zu stark erwärmt, das Bundesamt für Energie verfügte deshalb eine Drosselung der Leistung beim AKW. Grünen-Nationalrätin Irène Kälin reichte im Herbst zu dieser Problematik einen Vorstoss ein. Die Forderung: Ist ein Fluss wärmer als 25 Grad, soll kein Kühlwasser von Atomkraftwerken eingeleitet werden dürfen. Die heutige Ausnahmeregelung für Beznau solle «zum Wohle des Gewässerschutzes und der Fische» gestrichen werden.

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