Beznau

Klimawandel bremst AKW-Betreiber – weil das Aare-Wasser noch wärmer wird

Bei diesem Einlass rechts fliesst das warme Kühlwasser vom AKW Beznau in die Aare.

Bei diesem Einlass rechts fliesst das warme Kühlwasser vom AKW Beznau in die Aare.

Eine neue Prognose zeigt steigende Flusstemperaturen – für die Beznau-Betreiberfirma Axpo ist das ein Problem: Sie muss die Leistung des AKWs drosseln. Axpo-Sprecher Noel Graber sagt, man halte dies für unverhältnismässig, akzeptiere die Vorgabe aber vorläufig.

Knapp 15 Grad betrug die Wassertemperatur der Aare bei Brugg in den vergangenen Tagen. Rund 20 Kilometer weiter, bei der Messstation Felsenau, lag die Temperatur bei knapp 16 Grad.

Verantwortlich für den Unterschied ist das Atomkraftwerk Beznau, das zwischen den beiden Messpunkten liegt. Das AKW hat keinen Kühlturm, sondern leitet das Kühlwasser – bei Volllast rund 40 000 Liter pro Sekunde – in die Aare.

Bei den Wassertemperaturen im Herbst ist dies kein Problem, an heissen Sommertagen kann die zusätzliche Erwärmung der Aare aber für Fische kritisch sein. Wird der Fluss über 25 Grad warm, kann dies für Äschen und andere Arten lebensgefährlich werden.

Wie ein aktueller Artikel auf dem Blog «aktion-vielfalt.ch» zeigt, kamen solche Wassertemperaturen in der Aare jahrzehntelang kaum vor. Autor Benjamin Schlegel hat die Messwerte der Jahre 1974 bis 2018 ausgewertet.

Vor dem Jahr 2000 wurde die kritische Temperatur von 25 Grad demnach nur gerade 1976 und 1998 an je zwei Tagen überschritten. In den letzten 15 Jahren kam dies häufiger vor, mit zwei Ausreissern nach oben: 2003 wurden 22 Tage mit Temperaturen über 25 Grad registriert, 2018 sogar 23 Tage.

Dies befeuerte die Diskussion um die Einleitung des AKW-Kühlwassers und führte im Juli 2019 zu einer Verfügung des Bundesamtes für Energie. Diese schreibt vor, dass die Kraftwerksleistung um bis zu 50 Prozent gedrosselt wird, wenn die Gefahr besteht, dass die Flusstemperatur nach Kühlwassereinleitung über 25 Grad Celsius steigt.

«Da eine Leistung unter 50 Prozent aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist, muss das Kraftwerk abgeschaltet werden, wenn die 25-Grad-Marke an drei Tagen nacheinander überschritten wird», schreibt Schlegel dazu.

Wassertemperatur künftig häufiger über 25 Grad?

Grundsätzlich galt diese Regel schon seit 1999 für alle Unternehmen, die Kühlwasser in Flüsse einleiten – dem AKW Beznau wurde aber eine Ausnahmebewilligung erteilt. Mit der Verfügung des Bundes im Juli 2019 wurde die Ausnahme aufgehoben. Deshalb musste die Leistung des AKW Beznau im vergangenen Sommer fünf Tage lang reduziert werden.

Laut Benjamin Schlegel könnte dies in naher Zukunft häufiger vorkommen. «Wie ein einfaches Prognosemodell für die nächsten zehn Jahre zeigt, wird die Wassertemperatur tendenziell weiter ansteigen», hält er in seinem Blog-Artikel fest.

Die Beznau-Betreiberfirma Axpo erstellt selber keine Prognosen über die künftige Entwicklung der Wassertemperatur, wie Sprecher Noel Graber auf Anfrage sagt. «Wir verfolgen die Temperatur der Aare laufend, um die Vorgaben des Bundesamts für Energie jederzeit einhalten zu können», hält er fest.

Für den Betrieb seien primär die aktuellen Temperaturwerte von Bedeutung. Diese ändern sich laut Graber nur langsam, «das Kraftwerk kann seine Leistung wenn nötig entsprechend anpassen».

Axpo: Hitzesommer ohne Schäden für Fischbestand

Gemäss Angaben des Kantons seien für das Jahr 2018 «keine Schäden am Fischbestand in der Aare oder unterliegenden Rheinabschnitten bekannt», sagt Graber. Die neue Verfügung des Bundes sieht die AKW-Betreiberin kritisch. Man habe zwar beschlossen, derzeit keine Beschwerde dagegen einzureichen, halte die Vorgaben aber für unverhältnismässig.

Technische Möglichkeiten, um die Temperatur des Kühlwassers zu senken, gibt es laut dem Sprecher nicht. Die Axpo plant die jährlichen Revisionsabstellungen des Atomkraftwerks aber so, «dass sie möglichst auf die heissen Tage des Jahres fallen», sagt Graber.

Die Axpo habe sich in der Vergangenheit strikt an die Vorschriften gehalten. «Zuletzt im Hitzesommer 2018 wurde die Leistung des Kraftwerks freiwillig stärker reduziert, als es die gültige Einleitbewilligung verlangte», betont der Sprecher.

Derzeit werden die Vorgaben für die Kühlwasser- Einleitung zwischen dem Bund und der Axpo grundsätzlich neu verhandelt. «Vor diesem Hintergrund akzeptieren wir die Übergangsregelung bis auf weiteres», erklärt Graber.

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