Protest

Klimastreik: Diesmal erhalten die Aargauer Schüler keine Dispens

In Aarau und Baden finden am Freitag erneut Demonstrationen für den Umweltschutz statt. Bereits im Januar waren Hunderte Aargauer Schüler auf die Strassen gegangen. Diesmal sind sie vom Unterricht nicht dispensiert.

«Kämpfe so, als ob Deine Welt davon abhängen würde.» Mit diesem Spruch riefen die Organisatoren des ersten Aargauer Klimastreiks im Januar zur Teilnahme an den Demonstrationen auf. Nun kommt es morgen erneut zum «Climate Strike». Die Aargauer Schülerinnen und Schüler folgen dabei dem Aufruf der globalen Bewegung «Fridays for Future». Diese wiederum wurde ausgelöst durch Greta Thunberg. Die 16-jährige Klimaschutzaktivistin aus Schweden streikt seit September wöchentlich für die Umwelt. Mittlerweile nehmen Zehntausende Schüler aus der ganzen Welt am Protest teil.

Auch Erwachsene dabei

Sandro Covo, Präsident der Juso Aargau, organisiert auch dieses Mal die Demonstration in Aarau mit: «Wir werden um 10.30 Uhr auf dem Bahnhofplatz in Aarau starten.» Geplant sind eineinhalb Stunden. Am Nachmittag um 14 Uhr findet eine weitere Klimademonstration auf dem Bahnhofplatz in Baden statt. Doch diesmal sollen nicht nur Schüler teilnehmen, so Covo, der sich als Privatperson engagiert: «Der Teilnehmerkreis wird diesmal breiter sein. Es nehmen auch Studierende und Erwachsene teil.» Dies sei wichtig, weil die Klimakatastrophe alle betreffe: «Es braucht den Druck aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten.»

Erster Streik war eine Ausnahme

Im Schulgesetz ist geregelt, dass die Schüler Anspruch haben auf einen freien Schulhalbtag pro Quartal. Von einem solchen «Joker-Tag» mussten die Schüler der Kantonsschulen Baden und Wettingen beim ersten Klimastreik am 18. Januar keinen Gebrauch machen.

Daniel Franz, Rektor der Kantonsschule Baden, sagt, dass dies damals vertretbar gewesen sei. Dies sei jedoch eine einmalige Sache gewesen: «Als bekannt wurde, dass erneut demonstriert wird, haben wir den Schülern klar gesagt, dass es toll sei, dass sie sich engagieren. Die Kantonsschule Baden ist aber politisch neutral, und deshalb ist es nicht akzeptierbar, dass während der Schulzeit immer wieder gestreikt wird.» Die Teilnahme an der Demonstration von morgen Freitag werde als ausserschulische Aktivität gewertet. Die Schüler müssen deshalb einen ihrer verfügbaren Joker-Halbtage einsetzen, sollten sie an der Demonstration teilnehmen wollen.

Die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Wohlen durften sich für den ersten Klimastreik des 18. Januars ebenfalls vorgängig abmelden und dem Unterricht fernbleiben. Matthias Angst, Rektor der Kantonsschule Wohlen, bestätigt, dass die grosszügige Handhabung einmalig war: «Wir begrüssen es sehr, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinandersetzen. Trotzdem war es letztes Mal eine Ausnahme.» Die Kantonsschule Wohlen ist Mitglied im Unesco-Schulnetzwerk der Schweiz und legt deshalb besonderen Wert auf die Behandlung von Umweltfragen. Die Schulleitung hat im Vorfeld kommuniziert, dass die Schüler zur Teilnahme an den Klima-Demonstrationen morgen einen ihrer vier Halbtage beziehen müssen. Davon hätten einige Schüler bereits Gebrauch gemacht, sagt Matthias Angst.

Punktesystem statt Halbtage

Sowohl die Alte Kantonsschule Aarau als auch die Kantonsschule Zofingen haben im Vergleich zu anderen Kantonsschulen ein Absenzenkontingent, bei dem die Schülerinnen und Schüler mittels Punktesystem vom Unterricht fernbleiben und deshalb selber entscheiden können, ob sie für die Klimademonstrationen Punkte opfern wollen. Unabhängig vom Absenzgrund werden für nicht besuchte Schulstunden Punkte abgezogen, jeder Schüler hat nur eine gewisse Anzahl Punkte pro Semester zur Verfügung. Ein günstiger Umstand für die Schulleitung, sagt Martin Burkard, Rektor der Alten Kantonsschule Aarau: «Dies ermöglicht Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler, ohne dass wir den Absenzgrund werten müssen.» Die Klimafrage ist auch hier ein Thema, pflegt die Alte Kantonsschule Aarau doch ein Flugverbot für Studienreisen.

Auch Patrick Strössler, Rektor der Kantonsschule Zofingen, glaubt an die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler: «Sie können dadurch selber Prioritäten setzen, und einige Schüler haben beim letzten Mal ihre Punkte für die Klimademonstration eingesetzt.»

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